Royaler Tanzauftritt auf den Bahamas: König Charles schwingt die Hüften

König Charles III. schüttelt traditionelle Kuhglocken, während er zusammen mit Junkanoo-Tänzern an einem Kulturfestival auf dem Rawson Square in Nassau, Bahamas, vorbeizieht, flankiert von Jomo Campbell, Minister für Landwirtschaft und Meeresressourcen (l), und Leslia Brice, Ministerin für Kultur, Kunst und Kulturerbe (r).
Tim Aylen/AP/dpaSonnenbrille auf, Maracas in die Hand und los geht’s! Bei einer traditionellen Junkanoo-Parade auf den Bahamas ließ sich König Charles von der ausgelassenen Stimmung anstecken. Mit Rasseln in den Nationalfarben des Inselstaates mischte sich der Monarch unter die Tänzer und schwang vor den Augen zahlreicher Zuschauer die Hüften.
Zwischen riesigen Federkopfbedeckungen, farbenprächtigen Kostümen und mitreißender Musik wirkte Charles in seinem Anzug zwar etwas förmlich – seiner guten Laune tat das aber keinen Abbruch. Die Menge jubelte, als der König an der Spitze des Umzugs mittanzte.
Erst ernste Worte, dann fröhliche Tänze
Dabei hatte die Reise am Dienstag mit deutlich ernsteren Tönen begonnen. In einer Rede erinnerte Charles an das Leid, das der Sklavenhandel über die Karibik gebracht hatte. Die Kultur der Bahamas sei auch aus einer dunklen Vergangenheit entstanden. Es sei deshalb richtig, das historische Unrecht anzuerkennen.
Am Mittwoch standen zunächst ebenfalls nachdenkliche Momente auf dem Programm. Am Flamingo-Denkmal gedachte Charles vier Marinesoldaten der bahamaischen Streitkräfte, die 1980 beim Untergang des Patrouillenboots HMBS Flamingo durch kubanische Kampfflugzeuge ums Leben kamen.
Anschließend wurde es wieder lockerer: In einer Boxakademie traf der Monarch auf junge Nachwuchssportler – und bekam dabei sein eigenes Konterfei zu sehen. Auf den T-Shirts der Trainer und Boxer prangte Charles mit Krone, Boxhandschuhen und einem Meisterschaftsgürtel.
Die ungewöhnliche Darstellung kam offenbar bestens an. „Er fand es toll“, berichtete Jermaine Gibson, Präsident eines benachbarten Boxclubs laut BBC. Ein Exemplar des Shirts durfte der König sogar mitnehmen.
Den jungen Boxern machte Charles außerdem Mut: „Vielleicht sehe ich euch ja bei den Commonwealth Games“, sagte er.

Der britische König Charles III. (rechts) erhält am 28. Oktober 2026 bei seinem Besuch in der Bahamas Boxing Academy in Nassau (Bahamas) von Boxtrainer Jermaine Gibson ein T-Shirt mit einer Illustration, die ihn als Boxer darstellt. Die Herbstreise von König Charles III. umfasst Besuche auf den Bahamas, in Guyana sowie in Antigua und Barbuda.
AARON CHOWN/afpAuch der Klimaschutz liegt dem König am Herzen
Neben Tanz und Sport widmete sich Charles einem Thema, das ihm seit Jahrzehnten besonders wichtig ist: dem Umweltschutz.
Im Bonefish Pond National Park besichtigte er ein ehemaliges Müllgelände, das inzwischen zu einem geschützten Mangrovengebiet umgestaltet wurde. Auf einem Holzsteg erkundete er die Feuchtgebiete und sprach mit Studierenden, die dort Forschungsarbeiten durchführen.
Die rund 500 Hektar großen Mangrovenwälder spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der niedrig gelegenen Inseln vor den Folgen des Klimawandels.
Proteste gegen Charles: „Zahlt uns, was ihr uns schuldet!“
Doch während Charles bei der Junkanoo-Parade fröhlich mittanzte, gab es am Rande der Feierlichkeiten auch Proteste.
Eine kleine Gruppe von Aktivisten forderte Entschädigungen für die Verbrechen der Sklaverei. Auf ihren Plakaten stand: „Zahlt uns, was ihr uns schuldet!“ Die Polizei entfernte die Demonstranten aus dem Bereich der Parade.

Eine Person in der Menschenmenge hält ein Schild mit der Aufschrift „Zahlt uns, was ihr uns schuldet“ hoch, während der britische König Charles III. (außerhalb des Bildausschnitts) am 28. Oktober 2026 auf dem Parliament Square in Nassau, Bahamas, eine Junkanoo-Parade verfolgt.
BEN STANSALL/afpNoelle Nicholls, Vorsitzende des nationalen Reparationskomitees der Bahamas, machte deutlich, dass freundliche Worte allein aus ihrer Sicht nicht ausreichen. Sie forderte eine offizielle Entschuldigung und Wiedergutmachung für das historische Unrecht.
Charles hatte bei seiner Ankunft zwar das große Leid der Vergangenheit angesprochen, eine konkrete Entschuldigung oder Zusage zu Entschädigungszahlungen blieb jedoch aus.
Für Charles geht die Karibikreise weiter
Seinen ereignisreichen Tag beendete der König bei einem Gartenempfang im Government House in Nassau. Dort traf er zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Die Generalgouverneurin der Bahamas, Dame Cynthia Pratt, würdigte den Besuch und äußerte die Hoffnung, dass er die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Königshaus und der Bevölkerung weiter stärken werde.
Am Donnerstag setzt Charles seine neuntägige Karibikreise in Guyana fort. Dort stehen vor allem Umwelt- und Naturschutzprojekte im Mittelpunkt.
Anschließend geht es nach Antigua und Barbuda, wo auch Königin Camilla zu ihm stoßen wird. Bei einem Gipfeltreffen der 56 Commonwealth-Staaten soll unter anderem über die Folgen der Sklaverei gesprochen werden.
Nach seinem beschwingten Auftritt auf den Bahamas warten auf Charles also wieder deutlich ernstere Themen.

