Gefahr in den Alpen
: Felssturz an der Zugspitze – so kritisch ist die Lage

Tausende Tonnen Gestein donnern ins Tal – was hinter dem Abbruch steckt und worauf Besucher jetzt achten müssen.
Von
Michael Maier
Garmisch
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Zugspitze im heißen Sommer 2026.

Zugspitze und Wetterstein-Massiv im heißen Sommer 2026.

IMAGO/onw-images
  • An der Zugspitze gingen über Stunden massive Felsmassen ab, Staub war kilometerweit sichtbar.
  • Augenzeugen hörten lautes Grollen, doch laut Bergwacht wurden keine Verletzten gemeldet.
  • Ursache laut Experten: auftauender Permafrost und Druck durch Wasser in tiefen Klüften.
  • Behörden prüfen Sperrungen – exponierte Wege unter betroffenen Wänden derzeit meiden.
  • Drohnen und Geologen lokalisieren die Abbruchkanten, Nachbrüche bleiben möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Wettersteingebirge an der Zugspitze hat sich ein massiver Felssturz ereignet. Eine gewaltige Staubwolke hüllte Teile des Bergmassivs ein und war aus mehreren Kilometern Entfernung – sowohl aus dem bayerischen Talkessel um Grainau und Garmisch-Partenkirchen als auch von Tiroler Seite – deutlich zu sehen.

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Über mehrere Stunden hinweg lösten sich beträchtliche Gesteinsmassen aus den steilen Flanken des Massivs. Augenzeugen und Anwohner berichteten von einem lauten Grollen und Krachen, das bis weit ins Tal hallte. „Es scheppert immer noch gewaltig“, sagte ein Talbewohner laut Medienberichten.

Zugspitze: „Es bröselt immer noch nach“

Der am Dienstag bemerkte Abbruch des Gesteins auf einem Kamm an der deutsch-österreichischen Grenze setzte sich auch am Mittwoch fort: „Da löst sich immer wieder was“, sagte der stellvertretende Bereitschaftsleiter Franz Dörfler von der Bergwacht Grainau der dpa. „Anscheinend bröselt es jetzt auch wieder nach.“

Hitze lässt Gletscher schrumpfen: ARCHIV - 04.08.2026, Bayern, Grainau: Eine Person macht Fotos neben Abdeckfolien auf einem Schneedepot neben den Überresten des Nördlichen Schneeferner-Gletschers auf der Zugspitze. (zu dpa: «Deutschlands letzte Gletscher: Abschied vom ewigen Eis») Foto: Angelika Warmuth/dpa - ACHTUNG: Verwendung nur im vollen Format +++ dpa-Bildfunk +++

Die Hitze lässt Gletscher schrumpfen – das erhöht die Gefahren (Archiv).

Angelika Warmuth/dpa

Lage nach Felssturz an der Zugspitze

  • Instabilität: Selbst in den Abendstunden polterten immer wieder Felsbrocken und Geröll nach.
  • Richtung des Absturzes: Gesteinslawinen donnerten unter anderem in Richtung der Nordabstürze und der Eibsee-Flanke.
  • Situation vor Ort: Nach ersten Berichten von Bergwacht und Behörden wurden glücklicherweise keine Verletzten oder Schäden an Infrastrukturen gemeldet. Drohnenteams und Geologen sind im Einsatz, um die genaue Abbruchkante und das Ausmaß der gelösten Kubikmeter aus der Luft zu lokalisieren.
Rücktransport des Zugspitz-Gipfelkreuzes: ARCHIV - 28.11.2025, Bayern, Garmisch-Partenkirchen: Das renovierte Gipfelkreuz steht nach seinem Transport per Helikopter wieder auf der Zugspitze und wird in seiner Vorrichtung montiert. Zuvor wurde es von Aufklebern befreit, restauriert und neu vergoldet. (zu dpa: «Wieder Sticker am Kreuz der Zugspitze: Klebesünder gesucht») Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Gipfelkreuz auf der Zugspitze wurde renoviert und Ende August wieder aufgestellt.

Peter Kneffel/dpa

Ursachen für Felsstürze im Gebirge

Felsstürze dieser Größenordnung sind zwar im Hochgebirge ein natürlicher Erosionsprozess, häufen sich jedoch in den Spätsommer- und Frühherbstmonaten aus konkreten Gründen.

  • Auftauender Permafrost: Rekordsommertemperaturen dringen tief in die Felsklüfte ein. Das Eis im Inneren, das über Jahrhunderte als natürlicher Felskleber diente, schmilzt ab und nimmt dem brüchigen Wettersteinkalk den Halt.
  • Kluftwasserdruck und Trocken-Nass-Wechsel: Wenn nach sommerlicher Hitze Niederschläge oder Schmelzwasser in die tiefen Spalten eindringen, entsteht enormer hydrostatischer Druck, der ganze Felspakete buchstäblich aus der Wand heraushebeln kann.

Hinweise für Bergsteiger und Wanderer

Aufgrund der anhaltenden Instabilität und möglicher Nachbrüche gilt für die Region:

  • Sperrungen beachten: Unbedingt die aktuellen Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins (DAV), des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) sowie der Bergwacht und Leitstellen vor Ort prüfen.
  • Exponierte Routen meiden: Steige und Kletterrouten unterhalb der betroffenen Felswände sollten derzeit keinesfalls begangen werden.
  • Helm- und Vorsichtspflicht: Im gesamten Umfeld des Zugspitzmassivs ist nach solchen Großereignissen mit erhöhtem Steinschlag durch Nachrutschen zu rechnen.

Wenn sich tausende Kubikmeter Gestein aus den Felsflanken lösen – sei es an den Nordabstürzen Richtung Eibsee oder auf der Tiroler Seite rund um den Schneefernerkopf und das Gamskar –, dann geschieht dies zum Teil ohne Vorwarnung.

Felsstürze an markanten Gipfeln wie der Zugspitze führen uns vor Augen: Die Alpen sind nicht unveränderlich, sondern in ständiger Bewegung. Sie sind ein unübersehbares Mahnmal für die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf das alpine Ökosystem.