Horror-Flug nach Memmingen
: Verletzter Passagier verklagt Ryanair in Millionenhöhe

Ljubiša Karović und 35 andere Fluggäste haben eine Sammelklage angestrengt. Der Ryanair Chef spielt den Vorfall herunter.
Von
Daniel Wydra
Washington/Thessaloniki
Eine Boing 7373 der Ryanair rollt auf dem Flughafen Memmingen in Bayern über die Startbahn (Archivbild vom 2. Mai 2026).

Eine Ryanair-Maschine auf dem Flughafen Memmingen (Archivbild vom 2. Mai 2026).

Imago/Bihlmayerfotografie
  • Sammelklage gegen Ryanair: 61-Jähriger und 35 Passagiere fordern hohen Schadenersatz.
  • Hintergrund ist ein Zwischenfall auf dem Flug Thessaloniki–Memmingen mit Druckabfall in der Kabine.
  • NTSB: Triebwerksschaden beim Steigflug, lauter Knall, Notfall, schneller Sinkflug – Untersuchung läuft.
  • Ermittler fanden Vogelreste, zugleich Hinweise auf mögliche Materialermüdung am Triebwerk.
  • Anwalt widerspricht Ryanair-Chef: Der Mann sei teils aus dem Fenster gesogen worden, psychisch stark belastet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Fünf Wochen ist es her, dass Ljubiša Karović halb aus dem Flugzeugfenster gesogen wurde. Vor allem psychisch belastet ihn der Unfall bis heute. Nun berichtet die Bild-Zeitung, dass der 61-Jährige die Fluggesellschaft Ryanair auf Schadenersatz verklagen will – es könne um einen zweistelligen Millionenbetrag gehen! „Ob wir gegen Ryanair, Boeing, die Wartungsunternehmen oder den Triebwerkshersteller vorgehen – oder gegen mehrere der genannten Unternehmen –, können wir erst mitteilen, wenn der Abschlussbericht der Experten zur Ursache des Triebwerksschadens vorliegt“, sagte Vasileios Tsiaras, Anwalt von Karović. Der Streitwert ist auch deshalb so hoch, weil er nicht nur den Serben, sondern auch 35 weitere Fluggäste vertritt. Der Jurist bereite gerade eine Sammelklage vor.

Bei dem dramatischen Zwischenfall auf einem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen haben Teile eines ausgefallenen Triebwerks den Rumpf der Boeing 737 durchschlagen und einen Druckabfall in der Kabine ausgelöst. Das teilte die US-amerikanische Behörde zur Untersuchung von Verkehrsunfällen NTSB in einem vorläufigen Bericht mit. Die Rede war von einem „Fan Blade Out“ beim Steigflug. Die Ursache dafür ist weiterhin Gegenstand von Ermittlungen.

Die Crew habe in etwa fünf Kilometern Höhe eine Warnanzeige wegen starker Vibrationen am Triebwerk Nr. 2 erhalten. „Die Piloten hörten einen lauten Knall“, hieß es. „Während die Flugbesatzung den Zustand des Triebwerks überprüfte, ertönte der Warnalarm für einen Luftdruckabfall in der Kabine. Die Piloten setzten ihre Sauerstoffmasken auf, erklärten einen Notfall und leiteten einen sofortigen Sinkflug ein.“

Vogelreste im Triebwerk

An dem betroffenen Triebwerk hätten Ermittler Vogelreste gefunden. Ob ein Vogelschlag zu dem Zwischenfall führte, ist aber unklar. In den vorangegangenen zwölf Monaten seien vier Vogelschläge für das gleiche Triebwerk gemeldet worden, ein Schaden habe aber nicht festgestellt werden können. Es seien auch Merkmale, die auf Materialermüdung hinweisen könnten, gefunden worden.

„Wir gehen davon aus, dass Vögel diesen drastischen Schaden allein nicht verursacht haben können“, sagt Anwalt Tsiaras der Bild-Zeitung. Laut Ryanair ist das Unglücksflugzeug 18 Jahre alt. Es sei unklar, ob das Flugzeug wie vorgeschrieben gewartet wurde und ob Materialermüdung an der Triebwerksschaufel eine Rolle gespielt hat. Ryanair möchte sich erst äußern, wenn die Untersuchung abgeschlossen wurde.

Ryanair-Chef widerspricht deutlich

Wie geht es Ljubiša Karović heute? Sein Anwalt sagte der Bild-Zeitung, dass er körperlich auf einem guten Weg sei. Allerdings müsse er möglicherweise nochmal operiert werden. „Das eigentliche Problem ist sein seelischer Zustand. Psychisch geht es ihm nach wie vor sehr schlecht.“

Ryanair Chef Michael O’Leary, der für forsches und mitunter respektloses Auftreten bekannt ist, hat den Unfall kürzlich heruntergespielt. In einem Podcast sagte er, dass Karović zwar traumatisiert, aber nicht teilweise aus dem Flugzeug gesogen worden sei. Vasileios Tsiaras antwortet ebenso deutlich: „Zu sagen, dass sich kein Mensch außerhalb des Flugzeugs befunden habe, ist lächerlich. Es gibt ungefähr 70 Personen in dem Flugzeug, die das gesehen haben.“ Wäre sein Mandant nicht angeschnallt gewesen, hätte er nicht überlebt.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa.