Istanbul: Wo genau waren die Überschwemmungen?

Wetter in Istanbul: Fahrzeuge bleiben während starker Regenfälle auf einer teilweise überfluteten Straße in Istanbul liegen.
Egecan Ozguner/AP/dpaDie Überschwemmungen in Istanbul beschränkten sich nicht auf einzelne Stadtteile. Nach Angaben der Stadtverwaltung (İBB) fielen innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich große Regenmengen. Besonders stark traf es Beykoz auf der asiatischen Seite mit bis zu 242 Litern pro Quadratmeter. In Eyüpsultan wurden 190,5 Liter und in Sarıyer 187,9 Liter pro Quadratmeter gemessen.
Die türkische Katastrophenschutzbehörde AFAD, die Stadtverwaltung und zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz. Die Provinzverwaltung Istanbul (Valilik) meldete am 14. Oktober insgesamt 2.518 Notrufe und Schadensmeldungen. In der Nacht zum 15. Oktober mussten Menschen aus überfluteten Gebäuden und von Straßen gerettet werden. Zwei Menschen kamen im Zusammenhang mit den Unwettern ums Leben.
Sarıyer und Ayazağa: Besonders schwere Überschwemmungen
Zu den am schwersten getroffenen Gebieten gehörte der Bezirk Sarıyer im Norden der europäischen Seite Istanbuls. Besonders dramatisch war die Situation im Stadtteil Ayazağa.
Auf der Kemerburgaz Caddesi stand die Straße vollständig unter Wasser. Beschäftigte mehrerer Unternehmen waren in ihren Gebäuden eingeschlossen. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı rückten unter anderem AFAD, Feuerwehr, Küstenwache und weitere Rettungseinheiten an. Menschen mussten mit Booten, Lastwagen und Baumaschinen in Sicherheit gebracht werden.
Auch auf der Haydar Aliyev Caddesi stieg das Wasser bis über die Bordsteinkanten. Im Stadtteil Ayazağa wurden Wohnhäuser und Geschäfte überflutet. Geparkte Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen, prallten gegeneinander oder kamen erst an Gebäuden zum Stillstand. Außerdem wurden ein Fußballplatz überflutet und ein Erdrutsch an einem Hang gemeldet.
Weitere Wasserschäden gab es auf der Azerbaycan Caddesi, wo ein Einkaufszentrum und die umliegenden Straßen betroffen waren. Im Stadtteil Bahçeköy drang Wasser in die Sporthalle und die Wäscherei eines Studentenwohnheims ein.
Kağıthane, Eyüpsultan und die Gegend um den Bosporus
Schwere Niederschläge trafen auch die Bezirke Kağıthane und Eyüpsultan.
Besonders kritisch wurde die Lage am Kağıthane-Bach (Kağıthane Deresi), der über die Ufer trat. Der Kağıthane-Piyalepaşa-Tunnel musste infolge des Unwetters gesperrt werden.
In Eyüpsultan wurden Überflutungen aus dem Stadtteil Alibeyköy gemeldet. Auf der Mareşal Fevzi Çakmak Caddesi mussten sich Fahrzeuge durch Wasseransammlungen kämpfen. Mit 190,5 Litern Regen pro Quadratmeter gehörte Eyüpsultan zu den Bezirken mit den höchsten gemessenen Niederschlagsmengen.
Auch die Verkehrsverbindungen zwischen Etiler und Zincirlikuyu waren betroffen. In einer Unterführung stieg das Wasser so hoch, dass ein Kleinlastwagen eingeschlossen wurde. Die Straße wurde gesperrt.
Fatih, Karaköy und die historische Altstadt
Selbst das historische Zentrum Istanbuls blieb nicht verschont.
Im Bezirk Fatih drang Wasser in Teile des Großen Basars (Kapalıçarşı) und des Ägyptischen Basars (Mısır Çarşısı) ein.
Besonders gefährlich war die Lage an mehreren Unterführungen. In Yenikapı musste ein Mensch aus einer überfluteten Unterführung mithilfe eines Baggers gerettet werden. Auch die Ulubatlı-Unterführung in Topkapı stand unter Wasser. In Samatya blieb ein Fahrzeug in einer überfluteten Unterführung stecken.
In Fatih kam zudem ein 14-Jähriger ums Leben, nachdem er in einer Wasseransammlung einen Stromschlag erlitten hatte.
Im benachbarten Beyoğlu, insbesondere im Bereich Karaköy, erschwerten Wasseransammlungen den Fußgängerverkehr. Passanten halfen Touristen, die überfluteten Straßen zu passieren.
Arnavutköy, Başakşehir und die westlichen Stadtbezirke
Auch im Westen und Nordwesten Istanbuls waren zahlreiche Straßen und Gebäude betroffen.
Im Bezirk Arnavutköy mussten Menschen, die wegen der Wassermassen nicht mehr nach Hause gelangen konnten, mit Baumaschinen in Sicherheit gebracht werden. Im Stadtteil Bolluca blieb ein Kleinbus im Wasser stecken. Im Bereich Boğazköy wurden außerdem eingeschlossene Tiere aus einem Schulgelände gerettet.
In Başakşehir, insbesondere im Gewerbegebiet İkitelli, blieben Fahrzeuge auf überfluteten Straßen liegen. Teilweise wurden durch die Wassermassen Kanaldeckel aus ihrer Verankerung gedrückt.
In Esenyurt drang Wasser in Erdgeschosse von Wohngebäuden ein. Im Gewerbegebiet Haramidere waren zudem mehrere Betriebe betroffen.
Weitere Überschwemmungen wurden aus Bağcılar, insbesondere dem Stadtteil Yavuz Selim, sowie aus Esenler gemeldet. Dort mussten Geschäftsinhaber Wasser aus ihren Läden entfernen.
Beşiktaş, Bahçelievler und Zeytinburnu
Auch in dicht bebauten Stadtteilen südlich der besonders regenreichen Gebiete entstanden erhebliche Verkehrsprobleme.
In Beşiktaş sammelte sich Wasser auf der Küstenstraße von Bebek. Im Bereich Etiler-Zincirlikuyu wurde eine Unterführung überflutet.
In Bahçelievler stand die Fahrbahn unter der İncirli-Brücke unter Wasser.
Auch Zeytinburnu war betroffen. Wasser drang in eine Textilwerkstatt ein, und an einer Straßenbahnhaltestelle entstanden erhebliche Wasseransammlungen. Auf der Çırpıcı Yolu sowie in der Merter Sokak im benachbarten Güngören hatten Autofahrer Schwierigkeiten, die überschwemmten Straßen zu passieren.
Asiatische Seite: Besonders viel Regen in Beykoz
Die asiatische Seite Istanbuls war ebenfalls stark betroffen. Besonders auffällig waren die Messwerte in Beykoz, wo nach Angaben der Stadtverwaltung bis zu 242 Liter Regen pro Quadratmeter registriert wurden.
Damit gehörte Beykoz zu den niederschlagsreichsten Orten des Unwetters. Auf mehreren Straßen entstanden große Wasseransammlungen. Fahrzeuge konnten teilweise nicht mehr weiterfahren.
Auch in anderen Teilen der asiatischen Stadtseite führten die Unwetter zu Verkehrsbehinderungen. Im Bezirk Kadıköy musste zeitweise der Betrieb der historischen Straßenbahnlinie T3 eingestellt werden.
Wie ist die Lage am 15. Oktober?
Auch in der Nacht zum Donnerstag, 15. Oktober 2026, dauerten die Rettungs- und Entwässerungsarbeiten an. Besonders in Sarıyer und Arnavutköy mussten Menschen aus gefährlichen Situationen befreit werden.
Nach Angaben von Anadolu Ajansı konnte der Betrieb mehrerer zuvor beeinträchtigter Nahverkehrslinien am Donnerstagmorgen wieder aufgenommen werden. Dazu gehörten die Straßenbahnlinien T1 und T3 sowie die Metrolinie M9.
Die Provinzverwaltung Istanbul hatte aufgrund der Wetterlage für Donnerstag den Präsenzunterricht an sämtlichen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen ausgesetzt.
Ob einzelne überflutete Straßen inzwischen wieder vollständig befahrbar sind, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Berichten nicht für jeden Abschnitt zuverlässig feststellen.
