Jugendwort 2026
: Diese zehn Begriffe stehen zur Wahl

Von „Crashout“ über „Gute Käse“ bis „Süper“: Langenscheidt hat die zehn Kandidaten für das Jugendwort des Jahres 2026 bekannt gegeben.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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ARCHIV - 08.05.2026, Berlin: Eine Teilnehmerin einer Demonstration gegen die Wehrpflicht hält ein Plakat, auf dem steht «Merz leck Eier!!!». (zu dpa: «Jugendwort 2026: Hat «Mehrzweckeier» eine Chance?») Foto: Sven Kaeuler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 08.05.2026, Berlin: Eine Teilnehmerin einer Demonstration gegen die Wehrpflicht hält ein Plakat, auf dem steht „Merz leck Eier“. Online wurde später daraus „Mehrzweckeier“.

Sven Kaeuler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ab sofort kann darüber abgestimmt werden, welche drei Begriffe ins Finale zur Wahl des Jugendwort des Jahres einziehen. Ein viel eingereichter Vorschlag wurde allerdings ausgeschlossen.

Was folgt auf „das crazy“? Der Langenscheidt-Verlag sucht erneut nach dem Begriff, der die Sprache junger Menschen besonders prägt. Nach Abschluss der Vorschlagsphase stehen nun die zehn Kandidaten für das Jugendwort des Jahres 2026 fest.

Bis zum 28. August können Jugendliche online darüber abstimmen, welche drei Begriffe in die nächste Runde einziehen. Anschließend beginnt das finale Voting. Das Ergebnis soll am 10. Oktober während der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben werden.

Von TikTok in den Alltag

Seit 2008 kürt Langenscheidt Begriffe, die in der Jugendsprache eine besondere Rolle spielen. Während neue Ausdrücke früher vor allem auf Schulhöfen oder in Freundeskreisen verbreitet wurden, entstehen Sprachtrends heute häufig in sozialen Netzwerken.

Videos, Songs und Memes auf TikTok, Instagram oder YouTube können dafür sorgen, dass ein Ausdruck innerhalb weniger Tage bekannt wird. Einige Begriffe verschwinden ebenso schnell wieder, andere werden dauerhaft in den alltäglichen Sprachgebrauch übernommen.

Die diesjährige Auswahl zeigt, wie stark Jugendsprache von internationalem Internet-Slang, Musik und Gaming geprägt ist. Gleichzeitig finden sich mit „Digga“ und „Macker“ auch zwei Begriffe in der Liste, die bereits seit Jahren oder sogar Jahrzehnten verwendet werden.

Das sind die zehn Kandidaten

67: Die Zahlenfolge wird englisch als „six seven“ ausgesprochen. Eine eindeutige Bedeutung besitzt sie nicht. Gerade dieser Insider-Charakter gehört zum Trend: Der Ausdruck kann offenbar in vielen Situationen verwendet und mit einer abwägenden Handbewegung begleitet werden. Verbreitet wurde „67“ unter anderem durch TikTok, Basketball-Memes und den Song „Doot Doot (6 7)“ des US-Rappers Skrilla.

Crashout: Als „Crashout“ wird ein Moment bezeichnet, in dem jemand die Kontrolle verliert, ausrastet oder besonders emotional reagiert. Das kann ernst gemeint sein, wird aber häufig auch ironisch für übertriebene Reaktionen auf kleinere Probleme verwendet. Ein mögliches Beispiel: „Wenn mein Akku jetzt ausgeht, gehe ich Crashout.“

Digga: „Digga“ gehört längst zum festen Bestand der Jugendsprache. Der Begriff kann je nach Situation „Bruder“, „Kumpel“ oder „Bro“ bedeuten. Häufig wird er auch einfach als Anrede oder Ausruf am Anfang beziehungsweise Ende eines Satzes verwendet.

Du bist gut genug: Der Satz stammt aus einem Song des Produzentenduos KitschKrieg mit Shirin David und der Indie-Pop-Band Blumengarten. Vor allem der auffällig gesungene Refrain verbreitete sich in sozialen Netzwerken und wurde zur Vorlage für zahlreiche Memes, Remixe und Parodien. In abgewandelter Form wird die Melodie mittlerweile mit völlig neuen Texten kombiniert.

Gute Käse: „Gute Käse“ ist ein humorvoller Ausdruck für etwas, das besonders gut, gelungen oder überzeugend ist. Eine wörtliche Bedeutung hat die Formulierung nicht. Verwendet wird sie als Lob oder Zustimmung, etwa in einem Satz wie: „Der Song ist wirklich gute Käse.“

Macker: Der eigentlich schon länger bekannte Begriff erlebt derzeit ein Comeback. „Macker“ kann einen Partner, einen Schwarm, einen Freund oder allgemein einen Mann bezeichnen. Anders als früher wird das Wort heute häufig ironisch oder liebevoll verwendet.

Peak: Das englische Wort bedeutet übersetzt „Gipfel“ oder „Höhepunkt“. In der Jugendsprache beschreibt es etwas, das als besonders gut oder kaum zu übertreffen gilt. Ist ein Konzert, ein Film oder ein Erlebnis „Peak“, entspricht es sinngemäß einer Bewertung von zehn von zehn Punkten.

Ragebait: Mit „Ragebait“ werden Beiträge bezeichnet, die gezielt Wut und Empörung auslösen sollen. Dafür werden beispielsweise provokante Behauptungen, extreme Meinungen oder bewusst falsche Aussagen veröffentlicht. Das Kalkül dahinter: Aufregung führt zu Kommentaren, Diskussionen und geteilten Beiträgen – und damit zu zusätzlicher Reichweite.

Schere: „Schere“ stammt aus der Gaming-Szene und bedeutet sinngemäß „Mein Fehler“ oder „Entschuldigung“. Der Ausdruck wird verwendet, wenn jemand einen Fehler eingesteht und Verantwortung dafür übernimmt. Mittlerweile findet er auch außerhalb von Computerspielen Verwendung, etwa nach einer verspäteten Antwort oder einem vergessenen Termin.

Süper: „Süper“ ist das türkische Wort für „super“. Bekannt wurde der Ausdruck in Deutschland durch ein virales Video des Ultramarathonläufers Arda Saatçi. Auf die Frage, wie es ihm nach dem Lauf gehe, antwortete er lediglich mit „Süper“. Seitdem wird der Begriff auch unabhängig von seinem ursprünglichen Kontext verwendet, wenn etwas besonders gut läuft.

„Mehrzweckeier“ wird ausgeschlossen

Für Diskussionen sorgte bereits während der Vorschlagsphase der Begriff „Mehrzweckeier“. Eine Kampagne auf Reddit hatte Nutzer dazu aufgerufen, das Wort gezielt für die Wahl einzureichen. Dadurch hätte es nach Angaben des Verlags eigentlich für einen Platz unter den zehn meistgenannten Vorschlägen gereicht.

Der Ausdruck geht auf ein Protestplakat bei einer Demonstration gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht zurück. Nachdem ein Plakat mit der provokanten Botschaft „Merz leck Eier“ wegen der beleidigenden Botschaft gegen Bundeskanzler Friedrich Merz von der Polizei beschlagnahmt worden war, entstand im Internet die abgewandelte Wortschöpfung „Mehrzweckeier“.

Langenscheidt entschied sich dennoch gegen eine Aufnahme in die Abstimmung. Als Gründe nannte der Verlag den organisierten Charakter der Kampagne und den Ursprung des Begriffs in einer persönlichen Beleidigung. Beides widerspreche den Kriterien der Wahl.

Grundsätzlich werden Vorschläge ausgeschlossen, wenn sie diskriminierend, beleidigend oder ausschließlich durch gezielte Kampagnen in großer Zahl eingereicht werden.

Wie wird das Jugendwort gewählt?

Zu Beginn konnten Begriffe online vorgeschlagen werden. Eine Jury hat die Einsendungen geprüft und stellt daraus die Liste mit zehn Kandidaten zusammengestellt. Nun entscheidet eine öffentliche Abstimmung darüber, welche drei Begriffe das Finale erreichen.

Teilnahmeberechtigt sind nach Angaben des Veranstalters Menschen zwischen 11 und 20 Jahren. Der Begriff mit den meisten Stimmen wird schließlich zum Jugendwort des Jahres gekürt.

Die Wahl soll nicht nur besonders populäre oder unterhaltsame Ausdrücke sichtbar machen. Jugendwörter zeigen auch, welche Themen, Medien und gesellschaftlichen Entwicklungen junge Menschen beschäftigen. Sie können Zugehörigkeit schaffen, Identität ausdrücken und dabei helfen, sich sprachlich von älteren Generationen abzugrenzen.

Im vergangenen Jahr gewann „das crazy“. Zuvor wurden unter anderem „Aura“, „goofy“, „smash“, „cringe“ und „lost“ ausgezeichnet.