Neue 9/11-Erzählung
: Trump behauptet, Feuerwehrleute retteten ihn an Ground Zero

Donald Trump erzählt von einer dramatischen Rettung nach 9/11 – doch Belege dafür fehlen.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Republikaner-Parteitag vor Zwischenwahlen in USA: 09.09.2026, USA, Dallas: US-Präsident Donald Trump tanzt nach seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner. Foto: Alex Brandon/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

US-Präsident Donald Trump tanzt nach seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner.

Alex Brandon/AP/dpa

Donald Trump hat kurz vor dem 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September erneut über seine angeblichen Erlebnisse am Ground Zero gesprochen. Bei einer Veranstaltung zu Ehren der damaligen Einsatzkräfte erzählte der US-Präsident, zwei Feuerwehrleute hätten ihn in den Tagen nach dem Einsturz des World Trade Centers aus einer gefährlichen Situation gerettet.

„Sie haben mich hochgehoben“

Der Grund sei die Sorge gewesen, dass das nahe gelegene One Liberty Plaza – damals als U.S. Steel Building bekannt – ebenfalls einstürzen könnte. „Wir dachten, es würde auf uns herunterkommen“, sagte Trump.

Zwei „große, starke“ Feuerwehrleute hätten ihn daraufhin unter den Armen gepackt. Sie hätten ihn, so Trump, „buchstäblich hochgehoben“ und seien mit ihm losgerannt.

Dass es damals tatsächlich Befürchtungen um die Stabilität des Gebäudes gab, ist dokumentiert. Wegen der Sorge vor einem möglichen Einsturz mussten am 12. September unter anderem Mitarbeiter eines benachbarten Gebäudes ihre Arbeitsplätze verlassen. Einen Beleg dafür, dass Trump zu diesem Zeitpunkt dort war oder von Feuerwehrleuten weggetragen wurde, gibt es jedoch nicht.

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Trump: „Am folgenden Tag“ vor Ort

In einigen Zusammenschnitten von Trumps Aussagen wirkt es, Trump sei am Tag der Anschläge am Ground Zero gewesen. In einem Interview mit Fox News sagte er wiederum, er sei „am folgenden Tag“ nach Lower Manhattan gegangen. Nach Kritik an seiner jüngsten Darstellung schrieb er ebenfalls, er sei „offensichtlich nicht am selben Tag wie der Einsturz“, sondern kurze Zeit später dort gewesen.

Belegt ist Trumps Anwesenheit in der Nähe des Ground Zero für den 13. September 2001. Von diesem Tag existieren Fernsehaufnahmen und Presseinterviews. Gegenüber dem deutschen Fernsehsender N24 sagte Trump damals, mehr als 100 seiner Mitarbeiter seien vor Ort und weitere würden folgen. Insgesamt sollten „ein paar Hundert Leute“ helfen.

In einem weiteren Interview erklärte Trump, rund 100 Männer seiner Firma arbeiteten dort und er sei gekommen, um sie zu motivieren.

Auch die Helfer-Geschichte ist unbelegt

Ob tatsächlich eine derart große Zahl seiner Mitarbeiter bei den Bergungs- und Aufräumarbeiten eingesetzt war, ließ sich nie bestätigen. Das US-amerikanische Rechercheprojekt „PolitiFact“ fand bereits bei einer früheren Überprüfung keine Belege dafür, dass Trump Hunderte Arbeiter zum Ground Zero geschickt hatte.

Richard Alles, damals Battalion Chief der New Yorker Feuerwehr, sagte 2019, ihm sei weder bekannt gewesen, dass Trump selbst am Ground Zero gearbeitet habe, noch dass er dort mehr als 100 Mitarbeiter eingesetzt habe. Ein solcher Einsatz hätte nach seiner Einschätzung dokumentiert werden müssen.

Die Geschichte wird immer dramatischer

Ganz neu ist auch die Geschichte mit den Feuerwehrleuten nicht. Bereits bei einem Wahlkampfauftritt im Januar 2016 erzählte Trump von zwei besonders kräftigen Männern, die ihn gepackt hätten, nachdem die Anwesenden befürchtet hätten, das U.S. Steel Building könne einstürzen.

Damals sagte Trump allerdings vor allem, er habe anschließend so schnell laufen können wie noch nie. In seiner jüngsten Version schildert er die Szene deutlich dramatischer: Die beiden Männer hätten ihn hochgehoben und weggetragen.

Nicht Trumps erste umstrittene 9/11-Aussage

Die Episode reiht sich in eine lange Serie von Aussagen Trumps über den 11. September ein, deren Wahrheitsgehalt wiederholt angezweifelt oder widerlegt wurde.

Schon am Tag der Anschläge sorgte Trump mit einer fragwürdigen Aussage für Aufsehen. In einem Telefoninterview erklärte er, sein Hochhaus 40 Wall Street sei nach dem Einsturz des World Trade Centers nun wieder das höchste Gebäude in Downtown Manhattan. Das empfanden viele New Yorker nicht nur als pietätlos, es stimmte auch nicht: 70 Pine Street war höher.

So behauptete er unter anderem, Tausende Muslime hätten in New Jersey den Einsturz der Türme bejubelt. Belege für derartige Massenfeiern wurden nie gefunden. Auch Trumps frühere Aussage, er habe selbst ein wenig beim Räumen der Trümmer geholfen, ließ sich nicht verifizieren.

Fest steht: Trump war wenige Tage nach den Anschlägen nachweislich in der Nähe des zerstörten World Trade Centers. Dass er bereits am folgenden Tag am Ground Zero war, bei Bergungsarbeiten half oder von zwei Feuerwehrleuten vor einem möglichen Gebäudeeinsturz gerettet werden musste, ist dagegen bis heute nicht belegt.