Prinzessin Märtha Louise: Ein Leben zwischen Krone, Freiheit und Spiritualität

Hochzeit von Norwegens Prinzessin Märtha Louise.
Heiko Junge/NTB/dpaSie ist Königstochter, dreifache Mutter, Unternehmerin, Autorin und eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten des europäischen Hochadels: Prinzessin Märtha Louise von Norwegen hat sich schon früh entschieden, ihren eigenen Weg zu gehen. Einen Weg, der nicht selten für Diskussionen sorgte.
Während andere Mitglieder europäischer Königshäuser vor allem durch offizielle Termine, Wohltätigkeitsveranstaltungen und repräsentative Aufgaben in Erscheinung treten, beschäftigt sich Märtha Louise seit vielen Jahren mit Spiritualität, alternativen Heilmethoden und persönlicher Entwicklung. Sie schreibt Bücher, hält Vorträge und ist wirtschaftlich selbstständig. Ihre zweite Ehe mit dem US-Amerikaner Durek Verrett, der sich selbst als Schamane bezeichnet, machte sie erneut zum Mittelpunkt öffentlicher Debatten.
Doch wer ist die Frau hinter den Schlagzeilen?
Eine Kindheit zwischen Schloss und Normalität
Märtha Louise wurde am 22. September 1971 in Oslo geboren. Sie ist das erste Kind des langjährigen norwegischen Königs Harald V. und seiner Frau Sonja. Ihr jüngerer Bruder Haakon kam 1973 zur Welt. Nach dem Tod Haralds im August 2026 bestieg Haakon als König Haakon VIII. den norwegischen Thron.
Aufgewachsen sind die beiden Geschwister auf dem königlichen Anwesen Skaugum in Asker, unweit von Oslo. Trotz ihres privilegierten Umfelds legten ihre Eltern großen Wert auf eine möglichst normale Kindheit. Märtha Louise besuchte einen öffentlichen Kindergarten und später die örtliche Schule. Sie sang im Chor, spielte Querflöte und tanzte in einer Volkstanzgruppe.
Besonders wichtig wurde für sie der Reitsport. Schon als Jugendliche begeisterte sie sich für Pferde und entwickelte sich zu einer erfolgreichen Springreiterin. Später gehörte sie mehrere Jahre dem norwegischen Nationalkader an und nahm an internationalen Wettbewerben teil.
Obwohl Märtha Louise zwei Jahre älter ist als ihr Bruder, wurde sie nicht Thronfolgerin. Bei der Änderung des norwegischen Thronfolgerechts 1990 wurde zwar die Gleichberechtigung von Frauen und Männern eingeführt, für vor 1990 geborene Mitglieder der Königsfamilie blieb jedoch die männliche Vorrangstellung bestehen. Heute steht Märtha Louise an dritter Stelle der norwegischen Thronfolge, hinter ihrer Nichte Ingrid Alexandra und ihrem Neffen Sverre Magnus.
Eine Prinzessin mit einer bodenständigen Berufsausbildung

2018: Die norwegische Prinzessin Märtha Louise absolviert erfolgreich ihr Prüfungsrennen als Trabrennfahrerin.
picture alliance/dpa | Lise AserudNach ihrem Schulabschluss 1990 am Kristelig Gymnasium in Oslo zog Märtha Louise zunächst nach England. Dort widmete sie sich ihrer Leidenschaft für den Reitsport und studierte zeitweise Literatur an der Universität Oxford.
Anschließend kehrte sie nach Norwegen zurück und begann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin an der Hochschule in Oslo. Ihre praktische Ausbildung absolvierte sie unter anderem im niederländischen Maastricht. Im Dezember 1997 erhielt sie ihre Berufszulassung.
Im Jahr 2000 qualifizierte sie sich zusätzlich als Therapeutin der sogenannten Rosen-Methode, einer körperorientierten Behandlung, die mit sanften Berührungen und Gesprächen arbeitet.
Ihr Interesse an Körpertherapie und persönlicher Entwicklung bildete später eine Grundlage für ihre Beschäftigung mit alternativen Behandlungsmethoden. Eine klassische Karriere als Physiotherapeutin verfolgte sie allerdings nicht. Stattdessen konzentrierte sie sich zunächst auf ihre repräsentativen Aufgaben und später auf eigene kulturelle und unternehmerische Projekte.
Die erste große Liebe: Schriftsteller Ari Behn

Die norwegische Prinzessin Martha Louise (links) und ihr frisch vermählter Ehemann Ari Behn genießen die ersten Stücke ihrer Hochzeitstorte, nachdem sie am Freitag, dem 24. Mai 2002, in der Kathedrale von Trondheim, dem „Nidarosdomen“, geheiratet hatten.
picture-alliance / dpa/dpaweb2001 verlobte sich Märtha Louise mit dem norwegischen Schriftsteller und Künstler Ari Behn. Am 24. Mai 2002 heirateten sie im Nidarosdom in Trondheim. Die Hochzeit wurde zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis.
Behn war selbst eine ungewöhnliche Persönlichkeit, die als Schriftsteller und Künstler bewusst außerhalb höfischer Konventionen lebte. Das Paar stand über viele Jahre im Interesse der norwegischen Öffentlichkeit.
Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor:
- Maud Angelica Behn, geboren am 29. April 2003
- Leah Isadora Behn, geboren am 8. April 2005
- Emma Tallulah Behn, geboren am 29. September 2008
Die Familie lebte überwiegend in Norwegen. Die Kinder wuchsen zwar als Enkelinnen des Königs auf, erhielten jedoch keine Prinzessinnentitel.
2016 gaben Märtha Louise und Ari Behn ihre Trennung bekannt. Im folgenden Jahr wurde die Ehe geschieden.
Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie am 25. Dezember 2019: Ari Behn starb im Alter von nur 47 Jahren durch Suizid. Der Tod des Schriftstellers erschütterte Norwegen. Besonders bewegend war die öffentliche Trauer seiner ältesten Tochter Maud Angelica, die sich später für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen und Suizidprävention einsetzte.
Für Märtha Louise rückten in dieser Zeit vor allem ihre drei Töchter und deren Wohlergehen in den Mittelpunkt.
Spiritualität, Engel und eine umstrittene Geschäftsidee

Die Töchter von Prinzessin Märtha Louise, Maud Angelica Behn, Emma Tallulah Behn und Leah Isadora Behn.
picture alliance/dpa/NTB | Cornelius PoppeSchon lange vor ihrer zweiten Ehe beschäftigte sich Märtha Louise intensiv mit übersinnlichen Erfahrungen und spirituellen Vorstellungen.
2007 gründete sie gemeinsam mit Elisabeth Nordeng das Unternehmen Astarte Education. Die Einrichtung wurde in der Öffentlichkeit als „Engelsschule“ bekannt. In kostenpflichtigen Kursen sollten Teilnehmer unter anderem lernen, ihre Intuition zu entwickeln und nach den Vorstellungen der Anbieterinnen Kontakt zu Engeln aufzunehmen.
Märtha Louise erklärte öffentlich, sie habe bereits seit ihrer Kindheit außergewöhnliche Wahrnehmungen. Sie vertritt die Überzeugung, dass Menschen Zugang zu einer spirituellen Welt finden könnten.
Die Kurse stießen auf erhebliche Kritik. Wissenschaftliche Belege für die behauptete Kommunikation mit Engeln gibt es nicht. Auch die Verbindung zwischen einer königlichen Stellung und kostenpflichtigen spirituellen Angeboten wurde kontrovers diskutiert.
Die Prinzessin verteidigte ihre Tätigkeit als Ausdruck persönlicher Überzeugungen und individueller Freiheit. Die Einrichtung bestand in unterschiedlicher Form bis 2018.
Autorin, Märchenerzählerin und Unternehmerin

Prinzessin Märtha Louise von Norwegen (r-l) und ihre Töchter Maud Angelica Behn, Leah Isadora Behn und Emma Tallulah Behn legen Blumen auf den Sarg des Ex-Mannes der Prinzessin, Ari Behn.
picture alliance/dpa/NTB scanpix/AP | Hakon Mosvold LarsenNeben ihrer spirituellen Tätigkeit hat sich Märtha Louise auch als Autorin und Vermittlerin norwegischer Erzähltraditionen einen Namen gemacht.
Sie veröffentlichte Kinderbücher, Märchen und Hörbücher, trat in Fernsehproduktionen auf und beschäftigte sich intensiv mit traditionellen norwegischen Geschichten. Zu ihren Veröffentlichungen gehört das Kinderbuch „Hvorfor de kongelige ikke har krone på hodet“ aus dem Jahr 2004, auf Deutsch sinngemäß „Warum die Königlichen keine Krone auf dem Kopf tragen“.
Später veröffentlichte sie gemeinsam mit Elisabeth Nordeng mehrere Bücher über Engel, Sensibilität und persönliche Entwicklung.
Seit 2002 ist Märtha Louise selbstständig tätig und unterliegt mit ihren Einkünften der norwegischen Besteuerung. Sie erhält seitdem keine staatliche Apanage für ihre persönlichen Lebenshaltungskosten. Zu ihren geschäftlichen Aktivitäten gehören Bücher, Vorträge, Kurse sowie der Verkauf von Produkten.
Die zweite Ehe: Eine Prinzessin heiratet einen Schamanen

Prinzessin Märtha Louise und Durek Verret kommen zu ihrer Hochzeitsfeier im Hotel Union.
picture alliance/dpa/NTB | Heiko Junge2019 wurde die Beziehung zwischen Märtha Louise und dem US-Amerikaner Durek Verrett öffentlich. Verrett, geboren 1974, bezeichnet sich selbst als Schamanen und bietet spirituelle Beratungen und alternative Heilbehandlungen an. Er war zuvor unter anderem in den USA tätig.
Die Beziehung sorgte von Anfang an für Schlagzeilen. Besonders Verretts Aussagen über Krankheit, Heilung, spirituelle Kräfte und seine eigene Biografie lösten öffentliche Kritik aus. Zahlreiche seiner Behauptungen sind wissenschaftlich nicht belegt oder widersprechen medizinischen Erkenntnissen.
Märtha Louise stellte sich wiederholt hinter ihren Partner. Das Paar erklärte, dass es sich durch gemeinsame spirituelle Überzeugungen verbunden fühle, und kritisierte die teilweise feindselige öffentliche Berichterstattung.
Am 7. Juni 2022 gaben beide ihre Verlobung bekannt. Die Hochzeit fand am 31. August 2024 in Geiranger statt, einer der eindrucksvollsten Fjordlandschaften Norwegens. Bei den mehrtägigen Feierlichkeiten waren Familienangehörige, Freunde und internationale Gäste anwesend.
Die Hochzeit selbst wurde ebenfalls kontrovers diskutiert, weil das Paar exklusive Medienrechte vermarktete. Im September 2025 erschien zudem die Netflix-Dokumentation „Rebel Royals: An Unlikely Love Story“, die seine Beziehung und die Hochzeitsvorbereitungen begleitet.
Das norwegische Königshaus kritisierte die Mitwirkung des Paares an dieser Produktion und bezeichnete sie als Verstoß gegen eine zuvor getroffene Vereinbarung zur Trennung privater Geschäftsaktivitäten von der königlichen Institution. Märtha Louise und Verrett erklärten hingegen, dass auch sie das Recht hätten, ihre eigene Geschichte zu erzählen.
Der Rückzug aus dem offiziellen Königshaus

Königin Sonja und Prinzessin Märtha Louise stehen auf dem Schlossplatz. König Harald V. ist am 28.08.2026 im Alter von 89 Jahren gestorben.
picture alliance/dpa/NTB | Cornelius PoppeIm November 2022 traf Märtha Louise eine weitreichende Entscheidung: Sie gab ihre offiziellen Repräsentationsaufgaben für das norwegische Königshaus auf.
Zuvor hatte es wiederholt Debatten darüber gegeben, ob sie ihren Prinzessinnentitel für eigene wirtschaftliche Interessen nutze und dadurch die Glaubwürdigkeit der Monarchie beeinträchtige.
In Abstimmung mit ihrem Vater und der königlichen Familie wurde festgelegt, dass sie ihre geschäftliche Tätigkeit deutlicher von ihrer Zugehörigkeit zum Königshaus trennen müsse. Insbesondere sollte der Prinzessinnentitel nicht zur Vermarktung kommerzieller Angebote verwendet werden.
Ihren Titel als Prinzessin von Norwegen durfte sie behalten. Auch ihre Stellung in der Thronfolge blieb unverändert. Sie gehört weiterhin zur königlichen Familie, übernimmt aber keine offiziellen Aufgaben für das Königshaus.
Ihr Ehemann Durek Verrett erhielt durch die Hochzeit keinen Adelstitel und nimmt ebenfalls keine repräsentativen Aufgaben wahr.
Soziales Engagement: Hilfe für Kinder mit Behinderungen

Die norwegische Prinzessin Martha Louise (links) und Elisabeth Nordeng (Mitte) signieren Bücher für Besucher auf der „Gesund leben-Messe“ in Klagenfurt, Österreich, am 15. November 2013.
picture alliance / dpa | Gert EggenbergerBei aller Aufmerksamkeit für ihre spirituellen und geschäftlichen Aktivitäten gerät leicht in den Hintergrund, dass Märtha Louise über viele Jahre auch soziale und gemeinnützige Aufgaben wahrgenommen hat.
Sie engagierte sich insbesondere für Menschen mit Behinderungen, für Kinder und Jugendliche sowie für kulturelle und humanitäre Projekte. Sie war Schirmherrin verschiedener Organisationen und zeitweise Goodwill-Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.
Eine besondere Rolle spielt der Prinzessin-Märtha-Louise-Fonds, der bereits 1972 eingerichtet wurde. Er unterstützt Projekte und Einrichtungen, die Kindern mit Behinderungen in Norwegen zugutekommen. Traditionell werden Fördermittel an ihrem Geburtstag, dem 22. September, vergeben.
Auch nach ihrem Rückzug von offiziellen royalen Aufgaben bleibt Märtha Louise Vorsitzende des Fonds. Damit besteht ein konkreter Teil ihres gesellschaftlichen Engagements unabhängig von ihrer privaten Geschäftstätigkeit fort.
Märtha Louise heute: Zwischen zwei Welten
Mit 55 Jahren steht Märtha Louise für ein Lebensmodell, das sich deutlich von klassischen Vorstellungen einer europäischen Prinzessin unterscheidet. Sie hat eine fundierte Berufsausbildung, war Leistungssportlerin, ist Mutter von drei Töchtern und hat sich über Jahrzehnte eine eigene berufliche Existenz aufgebaut.
Zugleich bleibt sie eine umstrittene öffentliche Persönlichkeit. Ihre Offenheit für spirituelle Vorstellungen findet Anhänger, ihre Aussagen und geschäftlichen Aktivitäten stoßen jedoch auch auf erhebliche Skepsis. Besonders die Verbindung von königlicher Herkunft, öffentlicher Aufmerksamkeit und kommerziellen Angeboten ist ein wiederkehrender Kritikpunkt.
Das Spannungsverhältnis zwischen familiärer Herkunft und selbstbestimmtem Leben prägt ihr öffentliches Bild. Märtha Louise hat sich von der repräsentativen Rolle einer Königstochter gelöst, ohne ihre Zugehörigkeit zur norwegischen Königsfamilie aufzugeben.
Ihr Lebensweg ist damit weniger das klassische Märchen einer Prinzessin als die Geschichte einer Frau, die ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen will – auch wenn sie damit immer wieder aneckt.





