„Rausgeworfen“
: Norweger über Umgang mit Königin Sonja tief gespalten

Nach dem Tod von König Harald verlor Königin Sonja nach fast 60 Jahren ihren bisherigen Status. Viele Norweger halten diese Entscheidung für falsch.
Von
Katrin Jokic
Oslo
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Nach dem Tod von König Harald - Gedenkgottesdienst: 30.08.2026, Norwegen, Asker: König Haakon (r-l), Prinzessin Ingrid Alexandra, Königin Sonja und Prinz Sverre Magnus während der Trauerfeier für König Harald in der Kirche von Asker. Foto: Cornelius Poppe/NTB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

König Haakon (r-l), Prinzessin Ingrid Alexandra, Königin Sonja und Prinz Sverre Magnus während der Trauerfeier für König Harald in der Kirche von Asker.

Cornelius Poppe/NTB/dpa

Königin Sonja (89) hat ihr Leben über Jahrzehnte in den Dienst der norwegischen Monarchie gestellt. Bereits 1968, als sie Kronprinzessin wurde, übernahm sie die Rolle der First Lady des Landes. Mehr als 35 Jahre lang repräsentierte sie Norwegen als Königin an der Seite ihres Mannes, König Harald.

Doch mit dessen Tod im August änderte sich ihre Stellung innerhalb der Königsfamilie grundlegend. Sonja verlor ihren bisherigen Rang und darf nicht länger den Titel „Ihre Majestät Königin Sonja“ führen. Stattdessen zählt sie nun zum erweiterten Kreis der Königsfamilie, nicht mehr aber zum eigentlichen Königshaus.

Diese Veränderung sorgt in Norwegen für Diskussionen. Wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts InFact im Auftrag der norwegischen Zeitung „Nettavisen“ zeigt, ist die Bevölkerung in dieser Frage gespalten.

Mehrheit der Entschiedenen kritisiert den Schritt

Für die repräsentative Befragung wurden am 2. November insgesamt 1001 erwachsene Norweger befragt.

Das Ergebnis: 38,7 Prozent halten es für falsch, dass Sonja nach dem Tod ihres Mannes ihren bisherigen Status und die Anrede „Ihre Majestät“ verliert. Lediglich 28,6 Prozent finden diese Entscheidung richtig.

Bemerkenswert ist allerdings der hohe Anteil der Unentschlossenen: 32,7 Prozent der Befragten antworteten mit „Weiß nicht“.

Damit überwiegt zwar die Kritik an der Entscheidung. Von einer eindeutigen Mehrheitsmeinung kann angesichts der zahlreichen Unentschlossenen jedoch keine Rede sein.

„Ich finde das schlichtweg beschämend“

Schon zuvor hatten norwegische Königshausexperten deutliche Kritik am Umgang mit der 89-Jährigen geübt.

„Wird sie tatsächlich so behandelt? Ich finde das schlichtweg beschämend“, sagte die Königshausexpertin Tove Taalesen im Podcast „Blått blod“ (Blaues Blut) von „Nettavisen“.

Auch ihr Kollege Per Gunnar Sværen zeigte sich empört. Er bezeichnete die gesamte Situation als absurd.

Zwar hält Sværen eine Verkleinerung des Königshauses grundsätzlich für notwendig. Im Fall von Sonja hätte man seiner Ansicht nach jedoch eine Ausnahme machen können.

„Wir sprechen hier von einer 89-jährigen Frau. Wenn man ihr diesen Titel noch ein paar Jahre gelassen hätte ... Sie lebt schließlich nicht ewig“, erklärte der Experte.

Besonders junge Männer sind unentschlossen

Der Soziologe und Analyseleiter von InFact, Vegard Jarness, sieht in den Umfrageergebnissen eine leichte Tendenz zugunsten der ehemaligen Königin.

Der Abstand zwischen Befürwortern und Gegnern der Entscheidung betrage 10,1 Prozentpunkte. Gleichzeitig sei der Anteil der Unentschlossenen zu groß, um von einer klaren Haltung der Bevölkerung sprechen zu können.

Interessant sind auch die Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen.

Frauen halten den Verlust von Sonjas königlichem Status etwas häufiger für falsch als Männer. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist die Zustimmung zu der Entscheidung geringer als in der Gesamtbevölkerung.

Allerdings geben gerade jüngere Menschen besonders häufig an, keine klare Meinung zu haben. Nach Angaben von Jarness ist diese Tendenz vor allem bei jungen Männern ausgeprägt.

Viele kennen die Regeln des Königshauses nicht

Dass sich so viele Befragte nicht festlegen wollen, überrascht den Soziologen nicht.

Die rechtlichen und verfassungsrechtlichen Regeln rund um königliche Titel seien für die meisten Menschen kaum von Bedeutung. Zudem komme ein Thronwechsel nur selten vor.

Viele Bürger hätten sich deshalb vermutlich noch nie damit beschäftigt, welche Folgen der Tod eines Monarchen für die Titel und die Stellung der übrigen Familienmitglieder hat.

Hinzu kommt, dass die Frage für viele Menschen eher eine symbolische als eine praktische Bedeutung hat.

Was es konkret bedeutet, nicht mehr zum engeren Königshaus zu gehören oder den Titel „Ihre Majestät“ zu verlieren, dürfte einem großen Teil der Bevölkerung nicht bekannt sein.

Zwischen Tradition und Respekt vor einem Lebenswerk

Nach Einschätzung von Jarness lassen sich für beide Positionen nachvollziehbare Argumente finden.

Einerseits könne man es als selbstverständlich ansehen, dass Sonja nach einem langen Leben im Dienst der Monarchie ihren bisherigen Status behält. Schließlich hat sie das norwegische Königshaus über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.

Andererseits könnten Menschen der Auffassung sein, dass bestimmte Titel und Positionen unmittelbar an den jeweils regierenden Monarchen beziehungsweise dessen Ehepartner gebunden sind.

Die hohe Zahl der Unentschlossenen müsse deshalb nicht zwangsläufig auf Gleichgültigkeit hindeuten. Sie könne ebenso zeigen, dass viele Norweger Verständnis für beide Sichtweisen haben.

Fest steht: Der Umgang mit Königin Sonja nach dem Tod von König Harald ist in Norwegen umstritten. Die Umfrage zeigt, dass deutlich mehr Menschen den Verlust ihres bisherigen Status ablehnen als befürworten. Eine klare gesellschaftliche Mehrheit zeichnet sich bislang allerdings nicht ab.