Zugunglück in Spanien
: „Es ist wie in einem Horrorfilm“

HintergrundNach der Bahnkatastrophe in Spanien steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Überlebende schildern dramatische Momente.
Von
Michael Maier
Madrid
SPAIN-ACCIDENT-TRANSPORT-TRAIN: Emergency serivices work at the site of a train crash between a high speed Renfe AVE train and Iryo train around 150kms south of Madrid between Urda and Los Yebenes in the province of Toledo, on October 28, 2026. A high-speed train collision south of Madrid killed 64 people and injured scores more on Wednesday, with the toll likely to rise, authorities said in Spain's second such disaster this year. (Photo by Oscar DEL POZO / AFP)

Bislang war es den Rettungskräften nicht möglich, bis ins Innere aller Waggons vorzudringen.

OSCAR DEL POZO/afp
  • Nahe Urda stießen zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen – mindestens 64 Tote, viele Verletzte.
  • Der Iryo-Zug kam kurz vor 9 Uhr zum Stehen, ein Renfe-Zug fuhr von hinten auf. Mehrere Waggons entgleisten.
  • Rettungskräfte, UME und drei Hubschrauber im Einsatz. Blutspenden wurden von Krankenhäusern erbeten.
  • Ursache unklar: mögliches menschliches Versagen und Ausfall des automatischen Signalsystems werden geprüft.
  • Spanien trauert, Termine und Spiele fielen aus. Reaktionen von Sánchez, Merz und von der Leyen.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die Nachrichten am Mittwoch werden immer schlimmer: Bei einem Zugunglück in Spanien sind nach aktuellem Stand (15 Uhr) mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Zunächst war von zehn Toten, später von 30 bis 40 die Rede gewesen, ehe die Zahl abermals nach oben korrigiert wurde.

Zwei Hochgeschwindigkeitszüge waren am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammengestoßen. Es könnte weitere Tote geben, „weil es bislang noch nicht möglich war, bis ins Innere aller Waggons vorzudringen“, sagte der Präsident der Region Kastilien-La Macha, Emiliano García-Page, vor Ort vor Journalisten. Die Zahl der Schwerverletzten wurde mit rund 50 angegeben. Zu Ausländern unter den Opfern ist vorerst nichts bekannt.

Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Es gebe Hinweise auf „menschliches Versagen“. Das Unglück ereignete sich um kurz vor 9 Uhr, als ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen kam und ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten auf ihn auffuhr. Zwei Iryo-Wagen und ein Renfe-Waggon entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. In den Zügen waren nach amtlichen Angaben insgesamt rund 540 Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs.

Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute sowie Zivilschutzkräfte aus umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium ordnete zudem den Einsatz der militärischen Nothilfeeinheit UME an. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.

Damaged Train After Collision At Urda Station - Urda An Iryo and an AVE train collide near Urda, Toledo, Spain on October 28, 2026. Photo by Cordon Press/IPA/ABACAPRESS.COM Urda Spain

Mindestens 64 Menschen kamen bei dem Zugunglück ums Leben.

IMAGO/ABACAPRESS

Überlebender: „Menschen flogen durch die Luft“

Überlebende schilderten Medien die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges und arbeitete an seinem Laptop. „Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft“, sagte der 54-Jährige der Zeitung „El País“.

„Es war brutal“, erzählte Dirk, ein junger Tourist aus dem US-Staat Florida, im RTVE-Interview. „Überall Blut, Schreie. Menschen heulten. Schnell raus hier, habe ich zu meiner Frau gesagt.“ Der Pfarrer von Urda kämpfte im Gespräch mit RTVE mit den Tränen: „Es war erschütternd, sehr, sehr hart. Ich konnte einigen Verletzten helfen, andere Betroffene in den Arm nehmen und ihnen Trost spenden.“ Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: „Es ist wie in einem Horrorfilm.“

Menschliches Versagen bei Zugunglück in Spanien?

Nur neun Monate nach einer ähnlichen Bahnkatastrophe, bei der im Januar in Adamuz (Provinz Córdoba) 46 Menschen ums Leben kamen, wirft die neue Tragödie viele unbequeme Fragen auf. Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes stand lange für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Nun stellen sich Fragen nach der Sicherheit.

Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung „El País“. Ein Mitarbeiter des Kontrollzentrums in Madrid habe möglicherweise dem Renfe-Zug irrtümlich grünes Licht gegeben, hieß es. Rafael Escudero, Sprecher der spanischen Eisenbahngewerkschaft, sagte: „Ich sage schon seit Langem, dass der Zustand unseres Bahnnetzes nicht angemessen ist.“

LZB-Technik nicht durch ETCS ersetzt

Vor der Katastrophe soll aber zunächst das automatische Signalsystem ausgefallen sein. Es handelt sich um die eigentlich als nahezu unverwüstlich geltende ältere LZB-Technik aus Deutschland („Linienförmige Zugbeeinflussung“). Diese soll künftig europaweit durch das elektronische ETCS Level 2 und 3 ersetzt werden, die beim Bahnprojekt Stuttgart 21 aber aktuell große Probleme verursacht. Manche halten den Ansatz für zu teuer und technisch verfehlt.

Puente comparece en un pleno extraordinario en el Senado para dar cuenta del accidente ferroviario de Adamuz (Córdoba): Puente appears in an extraordinary plenary session in the Senate to give an account of the Adamuz Córdoba railway accident The Minister of Transport and Sustainable Mobility, Óscar Puente, during the minutes silence for the victims of the Adamuz and Gelida accidents before appearing to give an account of the railway chaos, in the Senate, on January 29, 2026, in Madrid Spain Puente reported the news on the Adamuz Córdoba train accident on the high-speed line and the accidents on the R1 and R4 lines of Rodalies de Catalunya 29 JANUARY 2026 SENATE TRAIN ACCIDENTS Madrid Madrid Madrid Spain PUBLICATIONxNOTxINxESP Copyright: xEduardoxParrax 7252451

Verkehrsminister und Sánchez-Kronprinz Oscar Puente (links) bei einer Schweigeminute für das Zugunglück im Januar in Andalusien.

IMAGO/Eduardo Parra

Vor der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November dauerte es nicht lange, bis Oppositionspolitiker der linken Regierung von Pedro Sánchez die Schuld am Unglück gaben. „Korruption tötet“, die Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal.

Ministerpräsident Sanchez zeigt sich „bestürzt“

Mehrere Experten wiesen Spekulationen als „verfrüht“ und „sensationalistisch“ zurück. Oscar Carballo von der Ingenieurkammer sagte zu RTVE: „Theoretisch ist es unmöglich, dass ein Zug auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auf einen anderen auffährt. Das automatische Signalsystem in Spanien ist äußerst gut – eigentlich dürfte so etwas nicht passieren“, betonte er.

Ministerpräsident Sánchez zeigte sich auf X „bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo“ und sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Im ganzen Land wurden Schweigeminuten abgehalten, politische und andere Termine sowie Fußballspiele wurden abgesagt. An Bahnhöfen bildeten sich lange Schlangen, Medien sprachen von Chaos. In sozialen Medien wurde der Rücktritt von Verkehrsminister Oscar Puente (PSOE) gefordert.

Merz: „Trauern mit unseren spanischen Freunden“

Die Erschütterung reichte auch bis nach Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X, die Nachricht mache ihn „tief betroffen“. „Wir trauern mit unseren spanischen Freunden und allen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Den Verletzten wünsche ich, dass sie rasch wieder gesund werden.“ Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, erklärte: „Das Zugunglück in Spanien macht mich fassungslos. Es trifft die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz.“

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer, schrieb sie. „Europa trauert heute mit euch.“ Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, man stehe bereit, die spanischen Behörden in jeder erforderlichen Weise zu unterstützen.

Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals war ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug entgleist und mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammengestoßen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.