Ermittlungen in Hannover
: Bundestag hebt Immunität von SPD‑Abgeordnetem Ahmetovic auf

Der Bundestag hat die Immunität von Adis Ahmetovic (SPD) aufgehoben. Haben die Ermittlungen mit dem Verdacht auf illegale Absprachen zu tun, die derzeit gegen weitere SPD-Politiker laufen?
Von
Ole Rockrohr
Berlin
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Adis Ahmetovic in der 159. Sitzung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude. Berlin, 20.03.2024

Adis Ahmetovic (SPD) im Bundestag. Das Plenum stimmte für die Aufhebung der Immunität des Abgeordneten.

Frederic Kern
  • Bundestag hebt die Immunität des SPD-Abgeordneten Adis Ahmetovic auf – Durchsuchungen erlaubt.
  • Konkrete Vorwürfe bleiben offen, die Staatsanwaltschaft nennt „ermittlungstaktische Gründe“.
  • Ermittlungen in Hannover betreffen auch Steffen Krach und Stefan Politze; beide weisen Vorwürfe ab.
  • Medien berichten über Bezüge zum Klinikgelände in Lehrte, offiziell ist das nicht bestätigt.
  • Ahmetovic lässt über seinen Anwalt Unschuld beteuern und kritisiert angebliche Aktenlecks.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Bundestag hat die Immunität des niedersächsischen SPD-Abgeordneten Adis Ahmetovic aufgehoben. Es geht um die Genehmigung gerichtlicher Durchsuchungen, wie aus der Bundestags-Drucksache hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Weitere Details etwa dazu, was dem 33-Jährigen vorgeworfen wird, wurden zunächst nicht bekannt.

Vor kurzem waren Ermittlungen gegen Ahmetovic in Hannover bekannt geworden. Er ist Vorsitzender der SPD in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Medienberichten zufolge soll es dabei um die Ausschreibung eines Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gehen, offiziell bestätigt ist das nicht. Die Staatsanwaltschaft Hannover machte auf Anfrage zunächst keine Angaben, ob die Aufhebung der Immunität mit diesem Fall in Zusammenhang steht.

Aktuell sind insgesamt drei SPD-Politiker im Visier von Ermittlungen in Hannover. Kurz vor der Wahl in Berlin, hatte die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt, dass sie gegen Steffen Krach, den damaligen SPD-Spitzenkandidaten in der Hauptstadt, ermittle. Wegen eines Anfangsverdachts auf Vorteilsannahme in zwei Fällen sowie in einem weiteren Fall wegen möglicher wettbewerbsbeschränkender Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit einer Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und einer Verletzung einer Geheimhaltungspflicht.

SPD-Spitzenkandidat Krach weist Vorwürfe zurück

Krach wies alle Vorwürfe wiederholt zurück. Er erklärte, bei dem Verkauf des Klinikgeländes in Lehrte habe es einen von ihm favorisierten Bieter gegeben. Als Regionspräsident war Krach Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Region Hannover. Ende Dezember 2025 habe der Unternehmer 9.900 Euro an die Berliner SPD gespendet, darüber sei er am 7. Januar informiert worden, sagte Krach. Am Morgen danach habe er die Rücküberweisung angewiesen. Das Geld sei zurückgezahlt worden.

Weder privat noch als Berliner SPD-Vorsitzender habe er eine Spende dieses Unternehmens angenommen, und er habe sich auch nicht beeinflussen lassen. Den Zuschlag für das Klinikgelände habe ein anderer Bewerber erhalten. Er selbst habe sich bei der Abstimmung enthalten, schilderte Krach.

Am 2. Oktober bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass auch gegen den damaligen niedersächsischen SPD-Landtagsfraktionschef Stefan Politze ermittelt wird. Worum es geht, ließ die Behörde auf mehrfache Nachfragen hin offen. Sein Anwalt stellte aber einen Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Krach her. Inzwischen ist Politze zurückgetreten. Er sagte, er sei von seiner Unschuld überzeugt.

Anwalt von Ahmetovic beteuert Unschuld

Zuletzt bestätigte die Staatsanwaltschaft schließlich, dass sie auch gegen den Bundestagsabgeordneten Ahmetovic ermittle. Zu den Vorwürfen machte sie „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben.

Ahmetovic ließ daraufhin eine Mitteilung seines Anwalts Holger Nitz verbreiten: Darin wird auf die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Klinikgelände in Lehrte verwiesen. Ob die Ermittlungen gegen Ahmetovic in Verbindung dazu stehen, geht aus dem Text allerdings nicht klar hervor. „Mein Mandant möchte völlige Transparenz, die sofort beantragte Akteneinsicht wurde uns aber bis heute verweigert. Stattdessen sind aber offenbar Aktenbestandteile der Ermittlungsbehörden bereits an die Öffentlichkeit gelangt“, kritisierte Ahmetics Anwalt. „Wir gehen davon aus, dass der Sachverhalt aufgeklärt und der Vorwurf gegen Herrn Ahmetovic dann schnell vollständig ausgeräumt wird.“ Es handele sich um einen „unzutreffenden Vorwurf“.