„Kinder als Ware“
: Verein kritisiert Spahn wegen Leihmutterschaft – Ruf nach Rücktritt

CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann haben laut „Bild“ ein Kind per Leihmutterschaft bekommen. Die Aktion „Lebensrecht für Alle“ kritisiert das scharf. Sie spricht von einem Abhängigkeitsverhältnis nahe der Sklaverei.
Von
red/kna
Augsburg
Daniel Funke und Jens Spahn

Daniel Funke und Jens Spahn sind Eltern geworden (Archivfoto).

Annette Riedl/dpa
  • ALfA kritisiert Jens Spahn scharf: Leihmutterschaft sei menschenrechtswidrig.
  • Spahn und Ehemann Daniel Funke bekamen laut „Bild“ in den USA einen Sohn.
  • Funke ist laut Bericht der leibliche Vater, auf Instagram schrieb er „We Are Family“.
  • ALfA sieht Widerspruch zu Unionsbeschlüssen und Spahns früherer Haltung – Rücktrittsforderung.
  • Verein verweist auch auf Hendrik Streeck und spricht von Ausbeutung bis hin zu Sklaverei.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Instrumentalisierung von Frauen, Kinder als Ware: Die Aktion „Lebensrecht für Alle“ (ALfA) empört sich über den Fall von Leihmutterschaft bei Jens Spahn. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und sein Ehemann Daniel Funke haben laut „Bild“-Zeitung in den USA einen Sohn im Rahmen einer Leihmutterschaft bekommen. Funke ist demnach der leibliche Vater des Kindes. Er schrieb auf seinem Instagram-Konto: „We Are Family“. ALfA kritisierte Leihmutterschaft als „menschenrechtswidrige Praxis“.

Die ALfA-Bundesvorsitzende Cornelia Kaminski erklärte am Donnerstag in Augsburg: „Dieser Schritt beschädigt die Glaubwürdigkeit der Union, die diese Praxis seit Jahren als 'ethisch nicht legitimierbar' bezeichnet, weil sie Frauenkörper instrumentalisiert und Kinder zur Ware macht und daher erst Anfang des Jahres auf ihrem Parteitag die Leihmutterschaft erneut abgelehnt hat.“ Spahn selbst habe als Bundesgesundheitsminister Leihmutterschaft abgelehnt.

„Dass derselbe Politiker nun genau jene Praxis im Ausland nutzt, die in Deutschland aus guten Gründen verboten ist, steht in offenem Widerspruch zu seinen bisherigen Positionen und zu den programmatischen Aussagen seiner Partei“, moniert Kaminski.

„Blanker Hohn“

Dass die Leihmutter dem Paar zufolge Teil der Familie bleiben solle, sei „blanker Hohn“, so Kaminski weiter: „Wie soll das gehen, wenn diese Frau in den USA wohnt? Wie soll sie dann das Grundbedürfnis des Säuglings nach Nähe und Sicherheit zur ihm vertrauten Mutter stillen?“

Kaminski ergänzte: „Wird ein Kind über Agenturen bestellt, vertraglich organisiert und anschließend über Ländergrenzen hinweg übergeben, wird es faktisch wie ein Produkt behandelt - unabhängig davon, wie sehr es später subjektiv geliebt wird.“ Für ein solches Kind würden Frauen als „Eizelllieferantinnen und Vermieterinnen ihrer Gebärmutter“ eingesetzt. Ihr Körper werde über Monate kontrolliert, ihre Lebensweise vertraglich festgelegt, ihre Beziehung zum Kind von vornherein ausgeschlossen. „Dieses Abhängigkeitsverhältnis steht der Sklaverei näher als einer freien Entscheidung.“

Nicht umsonst habe die EU die Ausbeutung durch Leihmutterschaft als Straftat im Zusammenhang mit Menschenhandel und damit als schweres Vergehen im Umfeld organisierter Kriminalität eingestuft, so Kaminski. Auch UN-Gremien hätten die Praxis verurteilt.

Verweis auf Hendrik Streeck

ALfA verweist zudem auf den CDU-Politiker Hendrik Streeck, den Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Im April hatten Medien berichtet, Streeck und sein Ehemann hätten durch eine Leihmutterschaft in den USA ein Kind bekommen. Beide Fälle stellten das Wertefundament der Union und ihre Glaubwürdigkeit infrage, so ALfA. Spahn und Streeck sollten von ihren Ämtern zurücktreten.

ALfA ist nach eigener Darstellung ein von politischer und religiöser Anschauung unabhängiger Verein mit rund 11.000 Mitgliedern, der für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen eintritt.