Reform des Sozialstaates: 81 Prozent der Deutschen sorgen sich um ihre Absicherung

Eine große Mehrheit der Bundesbürger sorgt sich quer durch alle Parteien um die Zukunft des Sozialstaates und seine Solidität (Fotomontage).
Imago/Herrmann Agenturfotografie- 81 Prozent der Erwachsenen sorgen sich um ihre soziale Absicherung in Deutschland.
- Auslöser sind Debatten über Reformen des Sozialsystems – sie verunsichern stark.
- 76 Prozent lehnen die geplanten oder teils beschlossenen Maßnahmen ab.
- Besonders unpopulär: Kürzungen bei Kranken- und Pflegeversicherung mit 83 und 85 Prozent.
- 42 Prozent schränken deshalb ihren Konsum ein, was die Binnennachfrage schwächt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die laufenden Debatten über Reformen des Sozialsystems führen zu einer massiven Verunsicherung in der Bevölkerung. Laut einer am Freitag ( 28. August) veröffentlichten Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sorgen sich 81 Prozent der erwachsenen Deutschen um ihre soziale Absicherung. 42 Prozent der Menschen schränken demnach deswegen ihren privaten Konsum ein, was die Binnennachfrage schwäche.
Unsicherheit ist ein wirtschaftliches und politisches Risiko
Die Studie beruht auf einer repräsentativen Online-Befragung von rund 4000 Menschen in Deutschland im Alter von 18 bis 75 Jahren im Zeitraum vom 17. Juni bis 13. Juli. Aus der Umfrage geht laut IMK auch hervor, dass 76 Prozent der Befragten die geplanten oder teilweise schon beschlossenen Maßnahmen ablehnen. 55 Prozent äußerten sich sogar stark ablehnend.
Konkret beziehen sich diese Aussagen den Angaben zufolge auf folgende möglichen oder beschlossenen Reformmaßnahmen: Erhöhung des Renteneintrittsalters, Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung, Leistungskürzungen bei der Pflegeversicherung und Streichung der Entgeltfortzahlung am ersten Krankheitstag.
Besonders ausgeprägt ist demnach die Ablehnung von Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Kranken- und der Pflegeversicherung mit Anteilen von 83 beziehungsweise 85 Prozent aller Befragten.
„Dies deutet darauf hin, dass die Bevölkerung dem bestehenden Niveau der sozialen Absicherung einen hohen Stellenwert beimisst“, erklären die Studienautoren Jan Behringer, Sebastian Dullien und Lukas Endres. „Insgesamt zeigen die Umfrageergebnisse, dass die aktuelle Debatte über Reformen des Sozialstaats an sich zu einem Wachstumsrisiko für die deutsche Wirtschaft und zugleich zu einem politischen Risiko für die Bundesregierung geworden ist“, warnen sie.
Mehrheit lehnt Reformmaßnahmen ab
Zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien gibt es bei den Ergebnissen der Befragung Unterschiede, einheitlich ist aber die mehrheitliche Ablehnung der Reformmaßnahmen:
- Bei Union und FDP fällt diese mit 51 beziehungsweise 62 Prozent knapper aus.
- Besonders stark ist die Ablehnung mit Werten deutlich über 80 Prozent bei Linkspartei, BSW und AfD.
- Bei Grünen und SPD sind es jeweils rund 75 Prozent.
- Sorgen wegen der eigenen sozialen Absicherung sind laut Umfrage bei unter 30-jährigen mit einem Anteil von 92 Prozent besonders groß.
Bei höherem Alter sind ebenfalls erhebliche Sorgen vorhanden, aber in etwas geringerem Ausmaß. Von den Befragten, die angaben, sie machten sich „große Sorgen“ um ihre finanzielle Absicherung sagten rund 71 Prozent, sie würden ihren Konsum bereits zurückfahren. (mit AFP-Agenturmaterial)
