Vergeltung gegen westliche Politiker: Iranische Tageszeitung fordert Rache - auch gegen Friedrich Merz

„Kill Trump“: Eine regierungsfreundliche Demonstrantin hält am 11. Juli 2026 bei einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen obersten Führer des Iran, Ali Chamenei, auf einem Platz in Teheran ein Anti-Trump-Plakat hoch.
Vahid Salemi/AP/dpa- Irans Zeitung „Hamshahri“ fordert online Vergeltung gegen westliche Politiker.
- In einer Grafik stehen Trump und Netanjahu im Fadenkreuz – Merz wird ebenfalls gezeigt.
- Teheran ruft nach Chameneis Beisetzung zu Rache auf, sein Sohn Modschtaba bekräftigt dies.
- Laut Artikel richten sich Drohungen vor allem gegen Trump, der sich als Ziel sieht.
- Islamisches Recht kennt Qisas, doch persönliche Rache ist verboten, Vergebung gilt höher.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„La vengeance se mange très-bien froide“ - „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird“, schreibt der französische Schriftsteller Eugène Sue (1804-1857) in seinem Roman „Mathilde“ aus dem Jahr 1844. Berühmt geworden ist die Sentenz vor allem durch das fiktive klingonische Sprichwort aus dem Science-Fiction-Film „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ (1982) sowie den ikonischen Eingangvers in Quentin Tarantinos Actionfilm „Kill Bill: Volume 1“ (2003).
„Rache ist die Forderung unseres Volkes“
Dieser berühmte wie einprägsame Sinnspruch besagt, dass man Rache und Vergeltung am besten bei klarem Verstand und mit Geduld plant, auf impulsive Wut und spontane Rachegelüste aber verzichtet.
In der hitzigen Atmosphäre des Iran ist derzeit viel von Rache die Rede. Nach der Bestattung von Irans oberstem Führer Ali Chamenei hat sein Sohn Modschtaba Vergeltung angekündigt: „Rache ist die Forderung unseres Volkes und muss ganz gewiss erfolgen“, heißt es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung.
Während der Trauerfeierlichkeiten für den bei einem Luftangriff getöteten Ali Chamenei wurden von Teilnehmern Banner getragen, auf denen zum „Mord“ an US-Präsident Donald Trump aufgerufen wird.
Vergeltungsaufrufe gegen Politiker aus dem Westen
Jetzt hat auch die von der Teheraner Gemeindeverwaltung herausgegebene auflagenstarke Tageszeitung „Hamshahri“ (auf deutsch: „Der Mitbürger“) das Ihre dazu beigetragen, um die öffentliche Stimmung weiter anzuheizen. Auf Social Media veröffentlichte sie eine Infografik mit Racheaufrufen gegen Politiker aus dem Westen.
Auf ihrer Website publizierte das Blatt unter der Überschrift „Revenge is certain“ („Rache ist gewiss“) eine Collage, die US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mit einem Fadenkreuz auf der Stirn zeigt. Zudem sind die Köpfe europäischer Regierungschefs zu sehen, allesamt in orangefarbenen Shirts, wie sie für US-Häftlinge typisch sind. Unter ihnen ist auch Bundeskanzler Friedrich Merz (auf persisch: فریدریش مرتس).
Warten auf „Vergeltung“
„Eine Liste derjenigen, die auf die Vergeltung des iranischen Volkes warten müssen“, betitelt die Zeitung den Onlineartikel. „Die Verbrecher werden den Wunsch nach einem ruhigen Tod mit ins Grab nehmen“, heißt es in der Grafik.
Am Samstag (11. Juli) hatte Irans Führung Vergeltung für die Tötung des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei geschworen. „Rache ist die Forderung unseres Volkes und muss ganz gewiss erfolgen“, heißt es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung, die Chameneis Sohn und Nachfolger Modschtaba zugeschrieben wurde.

Nach seinem Tod durch den Luftangriff am 28. Februar folgte eine wochenlange Staatstrauer Ali Chamenei am 10. Juli im Imam-Resa-Schrein in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt.
Imago/Anadolu AgencyChamenei war am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran ums Leben gekommen. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde.
Trotz der Waffenruhe und einem Rahmenabkommen ist es aber auch danach immer wieder zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Insbesondere der Streit über die Kontrolle der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus heizt den Konflikt zwischen den USA und dem Iran immer wieder aufs Neue an.

Seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer vor mehr als vier Monaten ist Modschtaba Chamenei nicht öffentlich in Erscheinung getreten.
Imago/XinhuaRache und Vergeltung im Islam
Im Islam ist persönliche Rache oder Selbstjustiz generell verboten. Stattdessen soll Gerechtigkeit den staatlichen Institutionen überlassen oder Gott um ausgleichende Gerechtigkeit gebeten werden.
Das islamische Recht erlaubt eine strikte Wiedervergeltung („Qisas“), die dem erlittenen Unrecht exakt entsprechen muss. Dabei handelt es sich aber nicht um individuelle Rache, sondern um ein juristisches Verfahren, das ausschließlich von einem islamischen Gericht und den staatlichen Behörden vollstreckt wird. Dem Koran zufolge steht Vergebung moralisch höher als Vergeltung.

Beim Begräbniszug für Ali Chamenei in Mashhad wurden auch Banner wie dieses hochgehalten.
Imago/ABACAPRESSSpekulationen über Modschtaba Chamenei
Seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer vor mehr als vier Monaten ist Modschtaba Chamenei nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Seither wird viel über seinen Verbleib und auch seinen Gesundheitszustand spekuliert. US-Medienberichten zufolge soll er bei dem Luftangriff, bei dem sein Vater getötet wurde, schwer verletzt worden sein. Irans Staatsfernsehen bezeichnete ihn bereits vor Monaten als „Kriegsversehrten“, nannte jedoch keine Einzelheiten.
Regelmäßig werden Mitteilungen über die Internetauftritte von Chamenei junior veröffentlicht. Videoaufnahmen oder Audiobotschaften gibt es jedoch weiterhin nicht.

Im Falle eines Anschlags auf ihn hat der US-Präsident nach eigenen Angaben Instruktionen für seine Mitarbeiter und sein Kabinett hinterlassen (Foto: Donald Trump spricht am 1. Juli auf der Joint Base Andrews: mit Journalisten, bevor er an Bord der Air Force One geht).
Julia Demaree Nikhinson/AP/dpaIrans Rache gilt vor allem Donald Trump
Im Falle eines Anschlags auf ihn hat der US-Präsident nach eigenen Angaben Instruktionen für seine Mitarbeiter und sein Kabinett hinterlassen.
„Ich habe Anweisungen hinterlassen – sollte irgendetwas passieren, sollen sie buchstäblich in einem Ausmaß bombardiert werden, wie sie es noch nie zuvor erlebt haben“, zitierte ihn das Boulevardblatt „New York Post“ unter Berufung auf ein Gespräch mit dem Republikaner am Freitag (10. Juli). Trump nannte dabei keinen Namen, die „New York Post“ setzte seine Aussagen in den Kontext mit dem Iran.
Der US-Präsident hatte auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel in Ankara Mitte der Woche nicht wie erwartet die neue Air Force One benutzt und damit Spekulationen über Sicherheitsrisiken angeheizt. „Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste des Irans“, erklärte er später.
„Ich stehe schon seit langer Zeit an erster Stelle“
US-Medien hatten zudem darüber berichtet, dass Israel die US-Regierung vor iranischen Plänen zur Ermordung Trumps gewarnt habe. Die Führung in Teheran soll den Plan erst kürzlich ausgearbeitet haben, wie der Sender CNN und das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf ungenannte Quellen berichteten.
Im Gespräch mit der „New York Post“ habe Trump hingegen angedeutet, dass es keine neuen Pläne seitens des Irans gebe. „Ich stehe schon seit langer Zeit an erster Stelle (auf der Todesliste des Irans), und so ist das Leben nun einmal, wissen Sie“, zitierte ihn das Boulevardblatt weiter. Israel habe zudem keine Geheimdienstinformationen geteilt. (mit dpa-/AFP-Agenturmaterial)
