Vor allem Frauen betroffen
: Niedrige Renten trotz vieler Versicherungsjahre

Bundesweit ist mehr als jede zweite Frau trotz langjähriger Versicherung von niedrigen Renten betroffen. Ost und West macht hier nicht den großen Unterschied – bei den Männern ist das anders.
Von
dpa
Berlin
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Ein älterer Mensch zählt Geldscheine. (zu dpa: «Niedrige Renten trotz vieler Versicherungsjahre»)

Marijan Murat/dpa/dpa-tmn
  • Viele mit langer Versicherungszeit erhalten niedrige Renten – Frauen sind besonders betroffen.
  • 52 Prozent der Frauen lagen trotz 45 Versicherungsjahren unter 1.446 Euro im Monat.
  • Bei Männern waren es deutschlandweit 23 Prozent, in Ostländern rund 36 bis 41 Prozent.
  • Regierung: Niedrige gesetzliche Rente heißt nicht zwingend niedriges Alterseinkommen.
  • Linke warnt: Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren würde die Lage verschärfen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mehr als jeder fünfte Rentner und jede zweite Rentnerin mit besonders langer Versicherungszeit ist allein mit der gesetzlichen Rente zuletzt nicht über die Armutsgefährdungsgrenze hinausgekommen. Diese lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1.446 Euro im Monat. Die Linke im Bundestag hatte unter anderem nach der Zahl der Rentnerinnen und Rentner mit mindestens 45 Jahren Versicherungszeit und einer entsprechend niedrigen Nettorente gefragt. 

Die der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Regierungsantwort zeigt: Deutschlandweit haben im vergangenen Jahr 23 Prozent der Männer nach 45 Versicherungsjahren eine Rente unter 1.446 Euro erhalten. In Baden-Württemberg waren es etwa nur rund 16 Prozent dieser Männer. Mit Werten von rund 36 und 41 Prozent liegen sämtliche Ostländer demnach bei diesen Anteilen der Männer mit Niedrigrenten durchweg deutlich höher. 

Frauen deutschlandweit zur Hälfte mit Niedrigrenten

Weit geringer ist der Unterschied bei den Frauen. In den meisten Ländern gilt, dass mehr als jede Zweite auch nach so einer langen Versicherungszeit mit der Rente unter der Armutsrisikoschwelle landet. Deutschlandweit waren es 52 Prozent, im wohlhabenden Südwesten, aber beispielsweise auch im strukturschwachen Sachsen-Anhalt rund 54 Prozent der so lange versicherten Frauen mit entsprechend niedrigen Renten. 

Die Regierung erläutert: „Aus einer niedrigen Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung kann grundsätzlich nicht auf ein niedriges Alterseinkommen geschlossen werden.“ Unter anderem weitere Alterseinkommen und der Haushaltskontext seien nicht berücksichtigt. Beispielsweise kann jemand finanziell auch mit minimaler Rente gut dastehen, wenn die Person am Wohlstand in einer Partnerschaft teilhat. Vergleichsweise geringe Renten könnten zudem auch bei 40 oder 45 Versicherungsjahren auftreten, da hierzu nicht nur Beitragszeiten, sondern auch beitragsfreie Zeiten zählen, bei Ausbildung oder Arbeitslosigkeit ohne Arbeitslosengeldbezug etwa, so die Regierung.

Linke: Aus für abschlagsfreie Rente würde Lage verschärfen

Die rentenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sarah Vollath, sagte: „Vorschläge, wie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren, treffen genau die Menschen hart, die schon jetzt mit viel zu niedrigen Renten auskommen müssen.“ Müssten sie bald noch Abschläge in Kauf nehmen, würden ihre Renten noch weiter sinken.

Janina Böttger, Linke-Abgeordnete aus Halle, sagte: „Kleine Löhne bedeuten kleine Renten - und der Osten zahlt bis heute den Preis.“ Von Armutsrenten seien in allen ostdeutschen Flächenländern Männer doppelt so häufig betroffen wie im Bundesschnitt. „Der Lohnlücke Ost folgt die Rentenlücke.“ Dies sei Ergebnis jahrelanger Ungleichheit, sagte Böttger. Bei Frauen sei dies bundesweit ein noch größeres Problem.