AfD-Leak: Wo liegen die AfD-E-Mails – und darf man sie lesen?

Ein Datenleck mit Hunderttausenden E-Mails versetzt die AfD in Unruhe.
Christoph Reichwein/dpa- Unbekannte erbeuteten laut eigener Angabe 421.000 AfD-Mails und 100.000 Dateien.
- Die AfD bestätigt den Vorfall, spricht von teils alten Postfächern – Echtheit bleibt unklar.
- Inhalte könnten bis September 2026 reichen, auch bekannte Accounts sollen betroffen sein.
- Zugriff über anonym gehostete Seiten und Filesharing möglich, teils nur KI-Zusammenfassungen.
- Rechtlich heikel: Journalisten dürfen prüfen, Privatpersonen sollen Inhalte nicht verbreiten.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Unbekannte Hacker haben sich über einen Hosting-Dienstleister Zugang zu Mail-Servern verschafft und nach eigenen Angaben über 421.000 E-Mails der AfD sowie mehr als 100.000 weitere Dateien erbeutet. Insgesamt umfasst das Dateipaket knapp 300 Gigabyte. Die AfD bestätigte den Vorfall, teilte jedoch mit, es seien „teils seit Jahren nicht genutzte“ Postfächer betroffen. Nun berichten einige Medien aber, dass die Korrespondenz bis in den September 2026 reichen könnte und angeblich auch Vorgänge rund um die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erfasst.
Accounts des gescheiterten MV-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm sowie von Alice Weidel oder dem AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland sollen ebenso infiltriert worden sein wie ältere Akten der Partei-Schiedskommission. Außerdem haben die Hacker „Recherche-Hinweise“ für Journalisten hinterlegt. Sie sollen wohl bewirken, dass das Finanzgebaren der AfD genau unter die Lupe genommen wird.
Die Echtheit der veröffentlichten Daten ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Weder die AfD noch externe Stellen haben das Material bislang vollständig verifiziert. Alle Informationen aus dem Leak sind daher grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Zudem ist nicht gesagt, dass mutmaßlich radikale Inhalte tatsächlich von der AfD stammen, denn laut Berichten gibt es offenbar auch Mails, die von Außenstehenden oder inzwischen Ausgeschlossenen an die Partei als Empfänger gesendet wurden.
Wo liegen die AfD-Mails?
Das Leak wurde etwa vom Hacker-Kollektiv Hexane auf anonym registrierten Webseiten bereitgestellt, Mail-Inhalte lassen sich zwar durchsuchen – allerdings erhält man auf diesem Weg nur Zusammenfassungen, die mit künstlicher Intelligenz generiert werden. Das macht die Überprüfung noch schwieriger, als sie ohnehin wäre. Etwaige Fakes lassen sich so kaum aufdecken. Auch vollständige Datensätze kursieren als Filesharing-Downloads im Netz. Durch die sogenannte „Peer-to-Peer“-Verteilung ist das Material auf verschiedenen Servern gespiegelt – und ist kaum mehr aus dem Netz zu entfernen.
Darf man die AfD-Mails lesen?
Sollte man sich die Daten selbst einmal anschauen? Hier wird es juristisch etwas kompliziert. Die „Süddeutsche Zeitung“ fasst die Lage so zusammen: „Die Angreifer haben mit ihrem Hack definitiv eine Straftat begangen. Journalisten, die das Material bekommen, dürfen es aber legal besitzen und durchsuchen." Eine Veröffentlichung sei möglich, wenn sie „im überragenden Interesse der Allgemeinheit ist“ – das aber sei eine Einzelfallabwägung unter Mitwirkung von Verlagsjuristen.
Für Privatpersonen gilt laut SZ: Inhalte aus dem Leak verbreiten sollten sie besser nicht. Sonst können rechtliche Konsequenzen drohen. Ob schon ein Download strafbar ist, sei unterdessen umstritten. Der Datenhehlerei-Paragraf (§ 202d StGB) setze eigentlich eine Bereicherungs- oder Schädigungsabsicht voraus. Auch an das Post- und Fernmeldegeheimnis sowie an den Datenschutz von Betroffenen ist grundsätzlich zu denken.
Doch abseits dieser ungeklärten Rechtsfragen warnen Experten auch aus anderen Gründen davor, dass im 300 Gigabyte schweren Dateipaket möglicherweise Viren oder schädliche Software versteckt sein könnten.

Auch ein älterer Mail-Account von AfD-Fronfrau Alice Weidel (47) soll kompromittiert sein – was steht drin?
RALF HIRSCHBERGER/afpDas mutmaßliche AfD-Leck gehört potenziell zu den größten Datenpannen im Internet überhaupt – sofern es sich als echt herausstellen sollte. Genau das bleibt vorerst offen. Medien sind nun gefragt, das Material nach und nach auszuwerten und zu verifizieren. Auch Blogger, Aktivisten und sonstige alternative Kanäle werden sich trotz aller Risiken die Mitwirkung dabei sicher nicht nehmen lassen. Für Überlegungen oder Hoffnungen, die schon jetzt auf ein mögliches Parteiverbotsverfahren aufgrund der E-Mails abzielen, dürfte es aber noch zu früh sein.

