Nationalmannschaft: Das Warten auf „Magic Musiala“

Jamal Musiala stürmt im Training der Nationalmannschaft nach vorne.
IMAGO/MISDie Leichtigkeit fehlt. Diese fast schwerelose Art, wie Jamal Musiala an den Gegenspielern vorbeidribbelt. Links oder rechts herum, mit feinster Ballbehandlung und enormer Dynamik. Die Anstrengung war immer nur den Verteidigern anzusehen, wenn sie versuchten, den freien Offensivgeist einzufangen. Musiala löste die engsten Situationen mit spielerischer Eleganz – und weg war er. Eine „unglaubliche Gabe“ nennt der Bundestrainer Julian Nagelsmann die Fähigkeit, auf dem Fußballplatz magische Momente zu kreieren und dadurch Spiele – vielleicht sogar eine Weltmeisterschaft – zu entscheiden. Nur: der Zauberfuß kämpft vor dem WM-Start um seine Form.
Erstmals in seiner Profikarriere erlebt Musiala nach einer langen Verletzungspause, wie schwierig es ist, das eigene Spiel wieder mühelos aussehen zu lassen. Im Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart kam der Star des FC Bayern vor einer Woche nur auf 31 Ballkontakte. Viele Aktionen der Münchner liefen an dem 23-Jährigen vorbei und führten doch zu einem 3:0-Sieg. Der schwache Eindruck ist geblieben und seit seiner Auswechslung wird immer wieder die Frage nach seiner Verfassung gestellt – mit zweifelndem Unterton.
Der Bayern-Coach Vincent Kompany hat dann bereits in den Katakomben des Olympiastadions betont, dass „Magic Musiala“ zu „hundert Prozent“ zurückkommen werde. Es brauche nur noch etwas Geduld. Auch Nagelsmann bleibt gelassen und spielt auf Zeit. Der WM-Start am 14. Juni gegen Curacao sei wichtig. „Wenn er mit 70 Prozent spielt, ist er trotzdem besser als viele andere auf der Welt“, sagt der Bundestrainer, der den Edeltechniker in den vergangenen Tagen im Kreis der Nationalmannschaft in Herzogenaurach gestärkt hat, wo und wie es nur geht.
Wie weit Musiala ist, wird sich schon an diesem Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) in Mainz zeigen. Das DFB-Team tritt gegen Finnland in der ausverkauften Arena an. Womöglich ein gutes Zeichen für den Münchner, denn in Rheinhessen hat er in der Bundesliga Ende April seinen bislang letzten Treffer erzielt – als Einwechselspieler. Nagelsmann vertraut ihm nun von Beginn an. Musiala soll ihn in Tritt kommen, Spaß am Spiel haben und sich mit Florian Wirtz einspielen. Denn die Hoffnung ist groß, dass sie wie bei der Heim-EM vor zwei Jahren nun in Nordamerika ein kongeniales Duo bilden. Ergänzt durch Kai Havertz, der nach dem Champions-League-Finale mit dem FC Arsenal, Anfang nächster Woche in Chicago zum DFB-Tross stößt.
„Ich habe es schon vermisst, mit Flo zu zocken“, sagt Musiala über sein Zusammenspiel mit Wirtz. Im November 2024 haben sie zuletzt gemeinsam in der Nationalelf gespielt, beim 1:1 gegen die Ungarn. Ehe der Münchner sich dann bei der Club-WM vor knapp einem Jahr einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog, trug er das DFB-Trikot bisher im Mai 2025 beim 3:3 in der Nations League gegen Italien zum letzten Mal. Seither war Zauberpause, weil nach dem Comeback im Januar noch „ein paar Problemchen“ am Sprunggelenk zu schaffen machten. Vorbei. „Ich freue mich riesig auf die WM und der Spaß in der Mannschaft ist groß“, sagt Musiala.
