Die Stuttgarter haben sich gegen die Young Boys Bern zu sicher gefühlt. Um die Play-offs zu überstehen, braucht es aber wieder mehr Konsequenz, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Der VfB-Spieler Chema (rechts) erzielt den 3:2-Siegtreffer gegen die Young Boys Bern in der 90. Minute.
Baumann/Hansjürgen Britsch
Trainer Sebastian Hoeneß vor dem Anpfiff in bester Laune.
IMAGO/STEINSIEK.CH
Lothar Matthäus (l.) ist nach überstandener OP wieder zurück und begrüßt Young-Boys-Trainer Gerardo Seoane.
IMAGO/Eibner
Nach der Niederlage gegen AS Rom scheint der VfB entschlossen zu sein, dieses Spiel zu gewinnen. Deniz Undav erzielte bereits in der 6. Minute das 1:0.
IMAGO/Eibner
Nur eine Minute später legt der VfB nach: Ermedin Demirović erzielt in der 7. Minute das 2:0.
IMAGO/STEINSIEK.CH
Freude nach dem Doppelschlag: Die Torschützen Deniz Undav und Ermedin Demirović umarmen sich.
IMAGO/Sportfoto Rudel
Die Devise des VfB schien zu sein: Möglichst früh Druck aufbauen und sich rechtzeitig absichern. So kam es bereits in der 13. Minute zur nächsten Torchance. Allerdings scheiterte Jeff Chabot (M.) an YB-Keeper Marvin Keller.
IMAGO/Jan Huebner
Der VfB blieb weiter am Drücker: Badredine Bouanani kam aus guter Position zum Abschluss, verfehlte das Tor jedoch knapp.
IMAGO/Michael Weber
Als Nächstes sorgte Chris Führich für Gefahr. Der VfB-Angreifer kam über links zum Abschluss – leider ohne Erfolg.
IMAGO/Pressefoto Baumann
Young-Boys-Coach Seoane spornte seine Mannschaft von der Seitenlinie aus an.
IMAGO/Michael Weber
VfB-Flügelspieler Lorenz Assignon tauchte im Strafraum auf, kam aber nicht zum Torabschluss.
IMAGO/kolbert-press
Um den VfB am Toreschießen zu hindern, war Young-Boys-Torwart Keller auf die Hilfe seiner Mitspieler angewiesen.
IMAGO/STEINSIEK.CH
Beim Kampf um den Ball landeten VfB-Torhüter Fabian Bredlow und YB-Offensivspieler Darian Males verstrickt auf dem Boden.
IMAGO/STEINSIEK.CH
Zu nachlässig in der Schlussphase der ersten Hälfte: Der VfB kassiert in der 42. Minute durch Armin Gigović das 1:2.
IMAGO/Eibner
In der zweiten Halbzeit kamen die Schwaben durch einen Freistoß von Angelo Stiller in den Strafraum der Gegner, konnten die Chance aber nicht nutzen.
IMAGO/Sven Simon
Und plötzlich war der VfB ausgekontert. In der 57. Minute glich Sandro Lauper für die Young Boys zum 2:2 aus.
IMAGO/Eibner
Wenn es auf der einen Seite nicht klappt, droht die Strafe auf der anderen. In der 64. Minute kamen die Young Boys fast zur Führung: Saidy Janko stürmte über die rechte Seite, ...
IMAGO/Eibner
...seine Flanke verpasste Sanches, ...
IMAGO/Eibner
...doch Bredlow parierte glänzend.
IMAGO/Michael Weber
Dabei hatten die Fans ihren VfB durchgehend mit einer beeindruckenden Choreografie und lautstarken Gesängen unterstützt.
StZN/Carlos Ubina
Trainer Sebastian Hoeneß reagiert und wechselte in der 67./68. Minute gleich vier Spieler aus, um neuen Schwung ins VfB-Spiel zu bringen
IMAGO/STEINSIEK.CH
Es war wie verhext: Bilal El Khannouss brachte einen Freistoß von der rechten Seite herein, Demirović verlängerte per Kopf, doch der Ball ging knapp am langen Eck vorbei.
IMAGO/Pressefoto Baumann
Auch Badredine Bouanani scheiterte. Nach einem starken Sprint von Jamie Leweling kam sein Linksschuss zu spät und ging am Tor vorbei.
IMAGO/kolbert-press
Nach etlichen vergeblichen Versuchen erlöste Chema Andrés die VfB-Fans schließlich. In der 90. Minute traf er zum Siegtor.
IMAGO/Eibner
1 / 24
Schön hat es für ein Weilchen ausgesehen. Zu schön, um wahr zu sein, als der VfB Stuttgart mit 2:0 gegen die Young Boys Bern führte – und für kurze Zeit in der Blitztabelle unter den ersten acht Mannschaften der Europa League stand. Das Unmögliche schien plötzlich möglich für den Fußball-Bundesligisten, weil er eine halbe Stunde wie aus einem Guss spielte. Doch in der Endabrechnung belegt das Team von Trainer Sebastian Hoeneß nach dem 3:2-Sieg gegen die Gäste aus der Schweiz nun den elften Rang und muss in die Play-offs.
Diese Konstellation war zu erwarten – und dennoch hinterließen die Stuttgarter auch einen schwachen Eindruck, weil sie das Spiel und den schnellen Vorsprung nach sieben Minuten durch Tore von Deniz Undav und Ermedin Demirovic aus der Hand gaben. Ohne jede Not, und auch großen Gegnerdruck. Da bewegte sich der VfB in ein und demselben Spiel an zwei Polen: erst sehr gut, dann sehr wild. Und es lag schon an den Gastgebern, dass die Berner nach einem Fehler von Torhüter Fabian Bredlow durch Armin Gigovic verkürzten und mit dem Volleyschuss von Sandro Lauper zwischenzeitlich ausglichen. Denn der raschen Führung folgte der rapide Spannungsabfall beim deutschen Pokalsieger.
Ohne Basics geht es nicht
Offenbar herrschte auf dem Rasen der MHP-Arena das Gefühl vor, die Begegnung mit den Young Boys sei nach der fulminanten Anfangsphase ein Selbstläufer. Falsch. Ohne die sogenannten Basics geht es auch gegen die kriselnde Berner Elf von Gerardo Seoane nicht. Es fehlte die Aggressivität, es mangelnde an Lauf- und Spielfreude. Erst in der Schlussphase legte der VfB wieder einen Zahn zu und Chema erlöste die Stuttgarter mit dem späten Siegtor.
Ein wichtiger Treffer, da er den VfB in die Situation bringt, dass er in der Zwischenrunde zunächst auswärts antritt. Was ein Vorteil ist. Gegner wird dann entweder Celtic Glasgow oder Ludogorez Rasgrad sein – die Reise führt am 19. Februar also zunächst nach Schottland oder Bulgarien, ehe am 26. Februar in Stuttgart das Rückspiel ausgetragen wird. Das wird an diesem Freitag (13 Uhr) in Nyon ausgelost.
Und will der VfB beim nächsten Auslosungstermin am 27. Februar im Schweizer Sitz der Europäischen Fußball-Union noch dabei sein, dann muss er wieder mehr Konsequenz und Klarheit auf den Rasen bringen.