SWR Room Tour
: Wie ein Ehepaar ein Stück Bahngeschichte rettete

Eigentlich sollte dieses Gebäude längst verschwunden sein. Das Areal des alten Bahnhofs in Montabaur war für den Abriss vorgesehen. Doch Peter und Regina setzten sich dafür ein, dass zumindest ein Teil der Geschichte erhalten bleibt – das alte Stellwerkhäuschen.
Von
Katrin Jokic
Stuttgart
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Dieses Haus würde gar nicht mehr stehen, hätten es Peter und Regina nicht gerettet.

SWR

Heute fällt vor allem die rot-weiße Fassade mit dem großen Schriftzug „Montabaur“ ins Auge. Sie erinnert an die ursprüngliche Funktion des rund 110 Jahre alten Gebäudes. Bis in die 1950er Jahre wurden hier Weichen gestellt und Schranken bedient, später diente es noch als Schrankenposten. Mit dem Rückbau der Bahnstrecke im Jahr 2000 verlor das Häuschen endgültig seine Funktion – und verfiel.

Eine Idee mit Geschichte

Entdeckt wurde das Gebäude von Regina und Peters Tochter. Sie brachte ihre Eltern auf die Idee, das Stellwerk zu retten. Für Peter, ehemaliger Geschichtslehrer, war schnell klar: Das ist mehr als nur ein Bauprojekt.

Es war die Chance, ein Stück Stadtgeschichte zu bewahren – und selbst Teil davon zu werden.

Vom großen Haus zum kompakten Wohnen

Früher lebten Peter und Regina auf rund 290 Quadratmetern. Im Ruhestand wollten sie sich bewusst verkleinern. 2012 kauften sie das Stellwerk und begannen mit der aufwendigen Umgestaltung.

Aus insgesamt etwa 90 Quadratmetern Wohnfläche entstand ihr neues Zuhause. Das eigentliche Stellwerk bietet dabei nur rund 25 Quadratmeter. Hinzu kommen ein moderner Anbau und ein besonderer Blickfang im Garten.

Die Investition war erheblich: Mehr als 300.000 Euro steckte das Paar in den Umbau. Ein Teil der Arbeiten wurde in Eigenleistung erledigt, etwa das Entrümpeln des Gebäudes, das zuvor rund zehn Jahre lang dem Vandalismus ausgesetzt war.

Der Zeitplan verschob sich mehrfach. Erst 2020 konnten Peter und Regina schließlich einziehen.

Modernes Wohnen im historischen Kern

Damit das kleine Stellwerk überhaupt bewohnbar wurde, ließen sie einen u-förmigen Anbau errichten. Dieser umschließt das ursprüngliche Gebäude und schafft zusätzlichen Raum.

Im Anbau befinden sich Küche, Garage und Werkstatt. Das historische Stellwerk selbst beherbergt heute Wohn- und Schlafbereich, im Dachgeschoss hat Peter seinen Arbeitsplatz eingerichtet.

Ein überdachter Innenhof verbindet die Bereiche miteinander und ermöglicht es, auch bei kühleren Temperaturen draußen zu sitzen.

Traumhaft Wohnen - Die ARD Room Tour

Zu sehen ist das außergewöhnliche Zuhause auch in der Sendung „Traumhaft Wohnen – Die ARD Room Tour“, die am Montag, 23. März 2026, um 21 Uhr im SWR läuft. Die Folge wurde bereits am 11. Februar 2024 auf dem YouTube-Kanal des Formats veröffentlicht.

Weitere Episoden in dieser Ausgabe von „Traumhaft Wohnen – Die ARD Room Tour“:

  • Wie zwei Männer in einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus ein kleines Paradies geschaffen haben
  • Vom 70er-Jahre-Haus zum farbenfrohen Boho-Traum
  • Ein Waggon als besonderes Extra

    Ein Highlight steht im Garten: ein alter Waggon. Ihn aufzustellen war allerdings alles andere als einfach. Der Bebauungsplan musste angepasst werden, zudem gelten klare Vorgaben.

    So ist der Waggon offiziell als Lagerraum deklariert und fest auf der Schiene verschweißt. Perspektivisch möchte Peter dort seine Büchersammlung unterbringen.

    Ein Zuhause mit Bedeutung

    Aus einem verlassenen, fast vergessenen Bahnhäuschen ist so ein ungewöhnliches Zuhause entstanden. Für Peter und Regina ist es nicht nur ein Wohnort, sondern auch ein persönliches Projekt – und ein Beitrag dazu, ein Stück lokaler Geschichte zu erhalten.