Automobilindustrie: Doch kein Verbrennerverbot?

Kippt das Verbrennerverbot?
Sebastian Kahnert/dpaEigentlich schien die Sache längst entschieden: Ab 2035 sollten in der EU praktisch keine neuen Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zugelassen werden. So wurde es 2023 beschlossen. Doch inzwischen gibt es erheblichen politischen Widerstand gegen die Regelung. Vor allem Deutschland setzt sich dafür ein, dass Verbrenner auch nach 2035 eine Zukunft haben.
Jetzt kommt Bewegung in die Debatte. Deutschland und Frankreich haben sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen weitgehend auf eine gemeinsame Position verständigt. Die beiden Länder wollen die CO₂-Vorgaben für neue Autos deutlich lockern. Das ist ein wichtiger Schritt, aber noch keine endgültige Entscheidung.
Was soll sich ändern?
Nach geltendem EU-Recht müssen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen neuer Autos ab 2035 um 100 Prozent gegenüber 2021 sinken. Das würde das Aus für die meisten neuen Benziner und Diesel bedeuten.
Die EU-Kommission hatte bereits Ende 2025 vorgeschlagen, das Ziel auf 90 Prozent zu senken. Die verbleibenden Emissionen sollten die Hersteller allerdings ausgleichen müssen, etwa durch den Einsatz klimafreundlichen Stahls oder nachhaltiger Kraftstoffe.
Deutschland und Frankreich wollen nun offenbar noch weitergehen. Nach ihrem Kompromiss sollen die Hersteller die CO₂-Emissionen ebenfalls nur um 90 Prozent reduzieren müssen – ohne die verbleibenden zehn Prozent zusätzlich auszugleichen.
Kann ich nach 2035 noch einen Benziner kaufen?
Sollte der Vorschlag umgesetzt werden, könnten auch nach 2035 neue Autos mit Verbrennungsmotor verkauft werden. Allerdings nicht unbegrenzt. Denn die Hersteller müssten weiterhin strenge CO₂-Grenzwerte für ihre gesamte Neuwagenflotte einhalten. Wie viele Benziner und Diesel sie tatsächlich anbieten könnten, wäre deshalb von ihren übrigen Fahrzeugverkäufen abhängig.
Ob es dann noch günstige Verbrenner gibt, ist ebenfalls unklar. Hersteller könnten sich auf wenige, besonders profitable Modelle konzentrieren.
Wann fällt die endgültige Entscheidung?
Noch ist die Lockerung nicht beschlossen. Deutschland und Frankreich können die EU-Regeln nicht allein ändern. Dafür braucht es eine Einigung auf europäischer Ebene. Sowohl das Europäische Parlament als auch die EU-Mitgliedstaaten müssen einer Gesetzesänderung zustimmen. Eine Abstimmung im EU-Parlament wird im November erwartet. Anschließend könnten weitere Verhandlungen notwendig werden.
