Hohe Spritpreise
: Wann wird Benzin wieder billiger?

Die hohen Kraftstoffpreise belasten Verbraucher und Wirtschaft. Gibt es Hoffnung auf sinkende Preise?
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Zapfsäule: ARCHIV - 06.09.2020, Bayern, München: Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto. (zu dpa: «Spritpreise: Linke beklagt «Unfähigkeit der Bundesregierung»») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die hohen Spritpreise belasten Autofahrer in Deutschland.

Sven Hoppe/dpa

Die Spritpreise in Deutschland bleiben auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Autofahrer zahlten Anfang September im bundesweiten Durchschnitt 2,259 Euro für einen Liter Super E10. Diesel kostete sogar 2,321 Euro je Liter. Allein binnen einer Woche verteuerte sich E10 damit um 7,6 Cent, Diesel um 8,9 Cent. Doch wann können Autofahrer wieder mit niedrigeren Preisen rechnen? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht – und selbst ein Ende des Iran-Konflikts wäre keine Garantie dafür, dass Benzin und Diesel schnell wieder deutlich billiger werden.

Das zeigt eine aktuelle Analyse des ADAC. Zwar hängt der jüngste Preisanstieg auch mit dem Rohölpreis zusammen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zuletzt knapp 100 US-Dollar. Nach Ansicht des Automobilclubs reichen Rohölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs jedoch nicht aus, um die derzeitigen Preise an den Tankstellen vollständig zu erklären.

Besonders deutlich wird das beim Benzin. Super E10 erreiche immer neue Höchststände, obwohl der Rohölpreis von früheren Rekordwerten noch weit entfernt sei, schreibt der ADAC. Der Club sieht deshalb insbesondere bei Raffinerien und im Großhandel weiteren Erklärungsbedarf und fordert mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ende des Iran-Konflikts würde nicht automatisch reichen

Mit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 waren die Preise für Benzin und Diesel massiv gestiegen. Der Konflikt und seine Folgen für die internationalen Energiemärkte spielen damit zweifellos eine wichtige Rolle.

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Aus der aktuellen ADAC-Einschätzung folgt allerdings auch: Wenn Ölpreis und Wechselkurs die heutigen Tankstellenpreise nur teilweise erklären, lässt sich umgekehrt nicht davon ausgehen, dass ein Ende des Konflikts automatisch zu einer ebenso starken Verbilligung führt.

Eine Entspannung im Nahen Osten könnte den Ölmarkt beruhigen und damit einen wichtigen Preistreiber abschwächen. Wie viel davon tatsächlich an deutschen Tankstellen ankommt, hängt aber auch von anderen Faktoren ab: von den Preisen für fertige Kraftstoffe auf den internationalen Märkten, Raffineriekapazitäten, Transportkosten, Margen im Großhandel und schließlich von der Preispolitik der Mineralölunternehmen und Tankstellen.

Gerade bei diesen Bereichen sieht der ADAC derzeit offene Fragen. Deshalb lässt sich auch kein seriöser Zeitpunkt nennen, zu dem der Liter Benzin wieder deutlich unter zwei Euro fallen wird. Dafür müssten nicht nur die Rohölpreise sinken, sondern auch die derzeit hohen Aufschläge in den nachgelagerten Marktstufen zurückgehen.

Kommt ein neuer Tankrabatt?

Eine Möglichkeit, die Preise unabhängig vom Ölmarkt kurzfristig zu drücken, wäre eine erneute Steuersenkung. Genau dieses Instrument hatte die Bundesregierung bereits eingesetzt. Vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 wurde die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter reduziert. Weil dadurch zugleich weniger Mehrwertsteuer anfiel, sollte die Entlastung für Verbraucher insgesamt rund 17 Cent pro Liter betragen. Nach Einschätzung von Monopolkommission und Bundeskartellamt wurde die Steuersenkung zu einem großen Teil an die Kunden weitergegeben.

Seit dem 1. Juli ist dieser Tankrabatt allerdings Geschichte. Eine neue Steuersenkung hat die Bundesregierung bislang nicht beschlossen.

Festlegen will sie sich derzeit nicht. In einer im August veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage erklärte die Bundesregierung, über mögliche weitere Maßnahmen werde unter Berücksichtigung der Entwicklung der Energiepreise, der Haushaltslage sowie der klima- und europarechtlichen Vorgaben entschieden.

Auch auf ihrer eigenen Informationsseite bleibt die Regierung zurückhaltend. Sie beobachte die Kraftstoffpreisentwicklung und sei bei möglichen weiteren Maßnahmen jederzeit handlungsfähig. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass das Bundeskartellamt die Preisgestaltung mehrerer Raffinerien untersucht. Eine erneute Senkung der Energiesteuer wird damit zwar nicht ausgeschlossen – angekündigt ist sie aber ebenfalls nicht.