Klimageld bleibt aus: Was die neuen Entlastungen 2026 für Ihren Geldbeutel bedeuten

Was plant die Bundesregierung anstelle des Klimageldes?
dpaLange Zeit war ein sogenanntes Klimageld im Gespräch, welches Bürgerinnen und Bürger in Deutschland für Mehrausgaben zum Klimaschutz finanziell entlasten sollte. Mit der neuen Bundesregierung rückte eine Auszahlung jedoch in den Hintergrund. Stattdessen setzt die große Koalition auf andere Maßnahmen. Der aktuelle Stand im Überblick.
Ursprung: Das Klimageld der Ampelkoalition
Das Klimageld war ein Kernprojekt der Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP. Es sollte Bürgerinnen und Bürger für steigende CO₂-Preise entschädigen und soziale Härten abfedern. Die Idee: Jeder Mensch in Deutschland sollte einmal jährlich einen festen Betrag erhalten, unabhängig vom Einkommen und finanziert aus den Einnahmen des CO₂-Preises. Im Gespräch waren bei Parteien, Verbänden und NGOs Forderungen zwischen 100 und 320 Euro als Auszahlung auf das eigene Konto.
Zum Vergleich: Österreich hatte 2022 mit der „Ökosozialen Steuerreform“ und dem Klimabonus ein ähnliches Modell eingeführt. 2024 erhielten österreichische Bürgerinnen und Bürger dafür zwischen 145 und 290 Euro im Jahr.
Lange Zeit fehlte in Deutschland dafür die technische Grundlage, welche Ende 2024 geschaffen wurde. Über die Verknüpfung von Steuer-ID und IBAN sollte das Bundeszentralamt für Steuern das Geld direkt auszahlen. Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD) sprach damals davon, dass der „Basismechanismus“ 2025 einsatzbereit sein sollte. Doch trotz dieser Vorarbeit kam die Auszahlung nie. Über die Auszahlung und Finanzierung lagen die Meinungsverschiedenheiten der Parteien, insbesondere zwischen den Grünen und der FDP zu weit auseinander. Die Ampel-Regierung hatte unter Finanzminister Lindner (FDP) laut der Wirtschaftswoche auch die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung bereits für andere Projekte im Klima- und Transformationsfonds verplant. Die Entscheidung über eine Auszahlung verzögerte sich dadurch und fiel in die Legislaturperiode der neuen Bundesregierung.
Kurswechsel: Die neue große Koalition setzt auf Strompreissenkung
Im Koalitionsvertrag der neuen schwarz-roten Regierung (Union und SPD) wird das Klimageld nicht mehr erwähnt. Stattdessen verfolgt die aktuelle Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz ein anderes Konzept: Bürgerinnen und Bürger sollen für den CO₂-Preis unter anderem über sinkende Strompreise entlastet werden. Ermöglicht werden soll dies über den Wegfall der Gasspeicherumlage, was sich neben den Gaspreisen auch auf den Strompreis auswirke. Gleichzeitig bleibt die Senkung der Stromsteuer dauerhaft bestehen und der Bund übernimmt 6,5 Milliarden Euro der Netzentgelte. Haushalte, die Strom und Gas beziehen, sollen nach Angaben der Bundesregierung ab Anfang 2026 dadurch durchschnittlich bis zu 150 Euro im Jahr sparen können (bei 20.000 kWh Jahresverbrauch). Zur Einordnung: In Deutschland liegt der durchschnittliche Stromverbrauch im Jahr für einen Zwei-Personen-Haushalt laut ADAC bei 1900 bis 2700 kWh, der Gasverbrauch schwankt nach Angaben von Gasag je nach Quadratmeter-Anzahl und Art der Immobilie stark zwischen 7000 und 35.000 kWh.
Studie: Haushalte mit höherem Einkommen im Vorteil
Das Institut der Deutschen Wirtschaft sieht darin eine bürokratiearme Lösung, die breite Zustimmung findet: 84 % der Befragten befürworteten laut IW-Umfrage 2024 die Entlastung über den Strompreis, im Gegensatz zu 55 % Zustimmung für das Klimageld. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die befragten Bürgerinnen und Bürger dabei annahmen, dass Klimageld und Strompreissenkung sie finanziell in gleicher Höhe entlasten. Tatsächlich fällt die Entlastung über die Stromrechnung bei gleichem Verteilungsbudget jedoch geringer aus, was bei genauerer Information die Zustimmung vermutlich verändern würde.
Das IW betont, dass die Strompreissenkung ökonomisch sinnvoll sei: Sie reduziere Kosten in energieintensiven Branchen, stärke den Standort sowie die Wettbewerbsfähigkeit und setze Anreize für klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen und E-Autos.
Allerdings würden im Vergleich der beiden Maßnahmen Haushalte mit höherem Stromverbrauch und Einkommen bei den aktuellen Plänen der Bundesregierung profitieren. Beim Klimageld wären nach Angaben des Instituts Haushalte mit niedrigem Einkommen stärker im Vorteil gewesen. Alternative Rückverteilungsmechanismen wie die Erhöhung der Pendlerpauschale, eine Absenkung der Einkommenssteuer oder Förderprogramme würden besserverdienende Haushalte laut IW jedoch noch stärker entlasten.
Opposition: Linke und Grüne fordern weiter Klimageld
Teile der Opposition scheinen das Klimageld noch nicht gänzlich aufgegeben zu haben. Die Linke forderte zuletzt auch in einem Bundestagsantrag vom 7. Juli 2025 die sofortige Einführung eines sozialen Klimageldes. Dem Vorschlag zufolge soll es 320 Euro pro Person rückwirkend ab 1. Januar 2025 geben und die Höhe jährlich an den CO₂-Preis angepasst werden. Finanziert werden solle dies aus Einnahmen der Emissionshandelssysteme (BEHG, EU ETS 1 und 2). Der Direktauszahlungsmechanismus solle zudem technisch so weiterentwickelt werden, dass künftig eine automatisch einkommensabhängige Auszahlung möglich ist.
Auch die Grünen setzen sich weiter für das Klimageld ein. Sie betonen dabei auch die soziale Gerechtigkeit eines pauschalen Ausgleichs. Johannes Wagner (Bündnis 90 Die Grünen) machte sich in der Bundestagssitzung am 20.September 2025 nochmals dafür stark: „Alle bekommen Geld aus einem Topf, in den vor allem Reiche einzahlen, weil die mehr CO₂ verbrauchen. Das ist einfach, gerecht und wirksam.“
Dirk Brandes von der AfD sprach dem CO₂-Preis in der Sitzung insgesamt seinen Nutzen ab und forderte, die Bepreisung gänzlich abzuschaffen: „Dann brauchen wir nichts wieder zurückumzuverteilen.“
Hintergrund: Der CO₂-Preis
Um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und die globale Erwärmung zu begrenzen, soll der CO₂-Preis dazu beitragen, die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren und eine nachhaltige Zukunft zu sichern. Die Einführung der CO₂-Bepreisung begann 2021 mit 25 Euro pro Tonne. Der Preis pro Tonne Kohlendioxid stieg zum Jahreswechsel von ehemals 45 auf 55 Euro an. 2026 erhöht sich der Preis pro Tonne Kohlendioxid laut ADAC um bis zu 10 Euro. Dies hat unter anderem auch Auswirkungen auf die Spritpreise und Heizkosten.
Die Einnahmen aus der CO₂-Abgabe fließen zweckgebunden direkt in den Klima- und Transformationsfonds, welcher Projekte zur Wirtschaftsförderung und zum Klimaschutz finanziert.
