Nach Preissteigerungen im ersten Halbjahr: Werden Flugtickets noch teurer?

Wird Fliegen jetzt noch teurer?
Jordi Boixareu/ZUMA Press Wire/dpaDie Bundesregierung rechnet mit steigenden Kerosin- und damit möglicherweise auch höheren Ticketpreisen, sollte der Iran-Krieg länger andauern. Einen Versorgungsengpass bei Flugtreibstoff sieht sie derzeit allerdings nicht.
Die Preise für internationale Flugtickets lagen im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 8,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Innerdeutsche Flüge verteuerten sich sogar um 9,5 Prozent. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Besonders deutlich stiegen die Preise für Economy-Flüge nach Mittelamerika mit 12,5 Prozent sowie für Flüge ins europäische Ausland mit 11,5 Prozent.
Angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten stellt sich damit die Frage, ob Flugreisen noch einmal teurer werden. Die Bundesregierung sieht dabei vor allem die weitere Entwicklung des Konflikts mit Iran als einen entscheidenden Faktor.
In einem am Freitag veröffentlichten Fragen-und-Antworten-Papier zu Energiepreisen und Energieversorgung erklärt die Bundesregierung, für die Kosten von Flugtickets seien zahlreiche Faktoren verantwortlich. Zugleich stellt sie einen Zusammenhang mit den Kerosinpreisen her: Je länger der Konflikt andauere, desto stärker könnten Kerosinpreise und in der Folge auch Ticketpreise steigen.
Kerosin deutlich teurer geworden
Wie stark der Kostendruck beim Flugtreibstoff zuletzt zugenommen hat, zeigen ebenfalls Daten des Statistischen Bundesamtes. Importierter Flugturbinenkraftstoff aus Kerosin kostete im Juli 2026 62,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein gegenüber Juni stiegen die Importpreise dafür um 14,1 Prozent.
Eine direkte Aussage darüber, in welchem Umfang solche Kostensteigerungen bei den Fluggesellschaften letztlich auf die Ticketpreise durchschlagen, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Airlines kalkulieren ihre Preise unter anderem anhand von Treibstoffkosten, Nachfrage, Auslastung, Wettbewerb und weiteren Betriebskosten.
Hinzu kommt: Flugpreise schwanken stark. Im August beispielsweise lagen sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 8,0 Prozent niedriger als noch im Juli. Das ist jedoch ein Vergleich zum unmittelbar vorherigen Monat und widerspricht daher nicht der deutlichen Verteuerung im längerfristigen Vorjahresvergleich.
Bundesregierung sieht derzeit keinen Kerosinmangel
Zumindest bei der Verfügbarkeit von Flugtreibstoff gibt die Bundesregierung Entwarnung. Die physische Versorgung mit Kerosin sei in Deutschland derzeit gesichert. Deutschland habe gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur strategische Ölreserven freigegeben. Darunter befinde sich auch Flugbenzin. Weitere Reserven stünden zur Verfügung.
Zudem werde Kerosin in deutschen Raffinerien aus Rohöl hergestellt. Nur rund sechs Prozent der deutschen Rohölimporte kämen aus dem Nahen Osten. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen nach Angaben der Bundesregierung Norwegen, die USA, Libyen und Großbritannien. Sollten sich Engpässe bei der Kerosinversorgung abzeichnen, wollen Bundesregierung und EU reagieren. Derzeit sei dies aber nicht notwendig.
Luftverkehrsteuer seit Juli gesenkt
Gleichzeitig gibt es einen Faktor, der den Preisdruck zumindest teilweise abfedern könnte: Seit dem 1. Juli ist die Luftverkehrsteuer in Deutschland niedriger. Je nach Entfernung wurde sie um 2,50 bis 11,40 Euro pro Passagier reduziert. Für Kurzstrecken sank der Steuersatz beispielsweise von 15,53 auf 13,03 Euro, für Langstrecken von 70,83 auf 59,43 Euro.
Ob die Entlastung tatsächlich vollständig bei den Passagieren ankommt, ist jedoch offen. Die Bundesregierung weist selbst darauf hin, dass die Entscheidung über die Weitergabe der niedrigeren Steuer bei den Fluggesellschaften liegt. Die Steuersenkung könne Belastungen abfedern und weitere Preissteigerungen verhindern, garantiere aber keine entsprechend niedrigeren Ticketpreise.
Damit bleibt die weitere Entwicklung für Reisende schwer vorherzusagen. Eine Kerosinknappheit besteht nach Angaben der Bundesregierung derzeit nicht. Die deutlich gestiegenen Treibstoffkosten erhöhen jedoch den Kostendruck auf die Airlines. Entscheidend dürfte deshalb sein, wie sich die Energiepreise und insbesondere der Konflikt mit Iran in den kommenden Monaten entwickeln.
