Stuttgarter Autokonzern: „Einfallslos und falsches Signal“ – IG Metall ruft zu Protest bei Mercedes auf

DIe IG Metall ruft am Freitag, 3. Juli zur bundesweiten Protestaktion an den Standorten von Mercedes-Benz auf. In Sindelfingen und Untertürkheim gibt es öffentliche Kundgebungen.
www.imago-images.de- IG Metall ruft am Freitag zu Protesten bei Mercedes in Sindelfingen und Untertürkheim auf.
- Auslöser sind verschärfte Einsparungen der „Produktivitätsoffensive für Deutschland“.
- Tarifliche Sonderzahlung von 18,4 Prozent wird auf nächstes Jahr verschoben.
- Kritik am Plan: mehr arbeiten ohne Lohnausgleich – Betriebsräte lehnen das ab.
- Gefordert werden Schutz von Sozialstandards, 35-Stunden-Woche, Boni, Jobs und Standorte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Gewerkschaft IG Metall ruft die Mitarbeiter von Mercedes-Benz zu Protesten gegen den jüngst verschärften Sparkurs des Stuttgarter Automobilkonzerns auf. Laut Angaben der Gewerkschaft finden an diesem Freitagmorgen öffentliche Kundgebungen in Sindelfingen und Untertürkheim statt. Zusätzlich werde es am Mittag auch eine digitale Versammlung für die Beschäftigten geben.
Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender von Mercedes am Standort Untertürkheim, fordert vom Unternehmen eine faire Lastenverteilung und Mitbestimmung in Zeiten der Transformation. Er kritisiert: „In der aktuellen Situation wird erneut versucht, die Lasten nach unten zu verlagern. Die Beschäftigten sollen verzichten, während die strategischen Entscheidungen anderswo getroffen wurden.“
Auslöser ist „Produktivitätsoffensive für Deutschland“
Hintergrund ist eine Verkündung von Mercedes-CEO Ola Källenius und der Personalchefin Britta Seeger. Diese hatten sich vergangene Woche mit einer Videobotschaft an die Beschäftigten gewandt, um sie über die „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ und damit einhergehend weitere Einsparmaßnahmen zu unterrichten.
+++ Mercedes-Chef Ola Källenius stellt sich am 21. Juli den Fragen unserer Redaktion und der Leser. Unter diesem Link können Sie sich für den Abend anmelden. +++
Källenius und Seeger teilten unter anderem mit, dass die tarifliche Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent nicht wie geplant mit dem Juli-Gehalt ausgezahlt werde. Den sogenannten Transformationsbaustein erhalten die rund 90.000 Tarifbeschäftigten seit 2021. Nun hat der Mercedes-Vorstand beschlossen, dass dieser erst im kommenden Jahr überwiesen wird. Und das im Alleingang, ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat, wie dieser kurz nach der Verkündung klar machte. Möglich macht das ein Passus, der besagt, dass in wirtschaftlichen Krisen die Sonderzahlung verschoben oder sogar ausgesetzt werden kann.

Ola Källenius und Britta Seeger: Der Mercedes-CEO und die Personalchefin des Konzerns wendeten sich in einem Video an die Belegschaft in Deutschland und informierten die Mitarbeiter über Einschneidungen.
dpa, Bernd Weißbrod/dpaMercedes-Betriebsratsvorsitzender Ergun Lümali widerspricht
Außerdem verschärfte die Videobotschaft die Debatte um längere Arbeitszeiten, ohne entsprechenden Lohnausgleich. Mit der Idee, die Arbeitszeit in Deutschland zu verlängern, hatte im Vorfeld bereits der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Martin Brudermüller geliebäugelt. Inzwischen haben auch der Mercedes-Boss und die Personalchefin dazu Farbe bekannt. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Der direkteste und aus Management-Sicht fairste Weg? „Wir müssen in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten.“
Dem widerspricht nun der Betriebsratsvorsitzende von Sindelfingen, Ergun Lümali: „Die Zukunft von Mercedes-Benz entscheidet sich nicht über längere Arbeitszeiten oder gekürzte Leistungen.“ Diese Debatte auf dem Rücken der Beschäftigten zu führen, sei einfallslos und ein falsches Signal, so Lümali, der gleichzeitig auch dem Gesamtbetriebsrat von Mercedes vorsteht.
Im Fokus der Proteste bei Mercedes sollen deshalb folgende Punkte stehen:
- Schutz tariflicher Sozialstandards
- Verteidigung der 35-Stunden-Woche
- Erhalt von Sonderzahlungen
- Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten
Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, Liane Papaioannou betonte: „Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind real.“ Was sie aber aktuell erlebe, sei eine einseitige Verschiebung der Lasten auf die Beschäftigten. „Wer jetzt Sozialstandards, Arbeitszeit und Entgelt angreift, riskiert den Betriebsfrieden“, sagt Papaioannou.
Zumindest ganz ohne Auswirkung auf die Führungsriege bleibt der verschärfte Sparkurs nicht. In derselben Videobotschaft sagte Personalchefin Seeger: „Auch die Führungskräfte leisten ihren Beitrag.“ Zusätzlich zu den Nullrunden bei den Gehältern in den vergangenen beiden Jahren sei ein Bonussystem vereinbart worden, das die Gehälter noch stärker mit dem Unternehmenserfolg verknüpfe.
Dahinter verbirgt sich das sogenannte Performance Management. Dieses wurde Anfang des Jahres zunächst als Pilotprojekt auf der Hierarchieebene E1 und E2 eingeführt. Führungskräfte werden dabei stärker anhand ihrer individuellen Leistung beurteilt. Wer seine Ziele nicht erreicht, muss künftig mit einem geringeren Bonus rechnen.

