VW will Gehälter bis 2030 einfrieren
: Wäre auch Porsche betroffen?

Volkswagen will die Gehälter seiner weltweit rund 660.000 Beschäftigten offenbar bis 2030 einfrieren. Beträfe das auch Porsche?
Von
Lukas Böhl
Stuttgart
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Porsche AG: ARCHIV - 27.07.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Das Porsche Logo ist auf einem Porsche-Fahrzeug zu sehen. (zu dpa: «Was hinter dem Verkauf von Anteilen bei Porsche steckt») Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Betrifft die Vorgabe auch Porsche?

Christoph Schmidt/dpa

Der Volkswagen-Konzernvorstand will offenbar die Gehälter seiner Beschäftigten weltweit bis zum Jahr 2030 auf dem Niveau von 2026 einfrieren. Darüber berichtet der Europäische und Weltkonzernbetriebsrat (E/WKBR) in einer Mitteilung vom Montag (19. Oktober). Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über die Pläne berichtet.

Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung hat der Konzernvorstand die Personalverantwortlichen weltweit zu „Nullrunden bis 2030“ angewiesen. Die Vorgabe soll bereits seit Anfang Oktober gelten. Bisher seien bei der Planung der Personalkosten sowohl ein Inflationsausgleich als auch mögliche tarifliche Gehaltserhöhungen berücksichtigt worden. Dieser finanzielle Spielraum solle nun entfallen.

Betrifft das auch Porsche?

Der geplante Gehaltsstopp würde sich nach Angaben des Betriebsrats grundsätzlich auf die weltweit rund 660.000 Beschäftigten des Volkswagen-Konzerns erstrecken.

Allein in Deutschland beschäftigt der Autobauer demnach etwa 275.000 Menschen. Davon fallen rund 130.000 unter den VW-Haustarifvertrag.

Die Pläne würden sich laut der Mitteilung jedoch nicht allein auf die Kernmarke Volkswagen beschränken. Auch andere Konzerngesellschaften wären von der weltweiten Vorgabe erfasst.

Ausdrücklich nennt der Betriebsrat in seiner Mitteilung die Unternehmen Audi, MAN und Porsche. Deren große deutsche Gesellschaften fallen demnach unter die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie.

Damit wären von der geplanten Sparvorgabe sowohl Beschäftigte im VW-Haustarif als auch Mitarbeiter anderer Konzernmarken betroffen. Ob es tatsächlich zu ausbleibenden Gehaltserhöhungen kommt, ist allerdings noch offen.

Kann Volkswagen die Gehälter bis 2030 einfrieren?

Der Europäische und Weltkonzernbetriebsrat bezweifelt, dass sich die Pläne tatsächlich umsetzen lassen.

In seiner Mitteilung weist das Gremium darauf hin, dass tarifliche Entgelterhöhungen innerhalb des Volkswagen-Konzerns grundsätzlich dezentral ausgehandelt werden. In Deutschland verhandeln darüber die Arbeitgeberseite und die IG Metall.

Auch international würden entsprechende Vereinbarungen zwischen den jeweils zuständigen Tarifvertragsparteien getroffen. Eine Vorgabe aus Wolfsburg könne diese Verhandlungen nach Auffassung der Arbeitnehmervertretung nicht ersetzen.

Der Betriebsrat rechnet deshalb mit erheblichem Widerstand gegen den Vorstoß. Die internationale Arbeitnehmervertretung bezeichnet die Pläne als „absurd“ und hält eine weltweite Umsetzung für wenig realistisch.

Als Beispiel verweist sie auf Mexiko. Dort scheine die neue Vorgabe aus Wolfsburg bereits keine Bedeutung zu haben, heißt es in der Mitteilung.

Was würden die Nullrunden für die Mitarbeiter bedeuten?

Für die Beschäftigten könnten die geplanten Nullrunden erhebliche finanzielle Folgen haben. Denn während ihre Gehälter bis 2030 unverändert bleiben sollen, dürften die Lebenshaltungskosten weiter steigen.

Der Europäische und Weltkonzernbetriebsrat warnt deshalb ausdrücklich vor Reallohnverlusten.

Sollten sich die Verbraucherpreise in den kommenden Jahren ähnlich entwickeln wie in der jüngeren Vergangenheit, könnten die Beschäftigten nach Einschätzung der Arbeitnehmervertretung Kaufkraftverluste von zehn Prozent oder mehr erleiden.

Wie hoch die tatsächlichen Einbußen ausfallen würden, hängt allerdings von der weiteren Inflationsentwicklung ab.

IG Metall fordert fünf Prozent mehr Gehalt

Die Pläne werden ausgerechnet zu einem Zeitpunkt bekannt, an dem in Deutschland neue Tarifverhandlungen anlaufen.

Wie der Betriebsrat mitteilt, beginnen derzeit sowohl die Tarifrunde für den VW-Haustarif als auch die Verhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. Zusammen betreffen diese rund 275.000 Beschäftigte des Volkswagen-Konzerns in Deutschland.

Für die Beschäftigten im VW-Haustarif fordert die IG Metall eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Nach Angaben des Betriebsrats hatte die Arbeitgeberseite zum Zeitpunkt der Mitteilung noch keine offiziellen Forderungen für die Tarifverhandlungen vorgelegt. Die nun bekannt gewordene konzernweite Vorgabe wertet die Arbeitnehmervertretung als ersten Hinweis auf die Position des Managements.

Ist der Gehaltsstopp bereits beschlossen?

Nach Darstellung des Europäischen und Weltkonzernbetriebsrats gilt die interne Vorgabe für die Personalverantwortlichen bereits seit Anfang Oktober. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gehälter sämtlicher Mitarbeiter bereits verbindlich bis 2030 eingefroren wurden.

Der Betriebsrat betont vielmehr, dass Tarifverhandlungen weiterhin vor Ort stattfinden und die zuständigen Arbeitnehmervertretungen Gehaltserhöhungen einfordern können.

E/WKBR-Präsidentin Daniela Cavallo forderte den Konzernvorstand laut der Mitteilung bereits am Sonntagabend auf, sich gegenüber der Belegschaft zu den Plänen zu erklären. Bis zur Veröffentlichung der Mitteilung am Montag habe eine entsprechende Stellungnahme der Unternehmensspitze gefehlt.

Damit ist zwar bekannt, welche Sparvorgabe der Konzernvorstand nach Angaben des Betriebsrats verfolgt. Ob diese tatsächlich zu jahrelangen Nullrunden für die Beschäftigten führen wird, bleibt jedoch offen.