Preisverleihung mit Protesten: Was ist heute in Münster los?

Was ist heute in Münster los? Friedenspreis für die NATO, Proteste, Straßensperrungen und hoher Besuch prägen den Tag in der Innenstadt.
Federico Gambarini/dpaMünster steht heute ganz im Zeichen des Westfälischen Friedenspreises. Am Nachmittag wird die Auszeichnung im historischen Rathaus verliehen. Einer der Preisträger ist in diesem Jahr die NATO. Generalsekretär Mark Rutte nimmt den mit 100.000 Euro dotierten Preis stellvertretend für das Verteidigungsbündnis entgegen, die Laudatio hält Bundeskanzler Friedrich Merz. Seit dem Vormittag prägen Sicherheitsvorkehrungen, Straßensperrungen und Demonstrationen das Bild in der Innenstadt. Am Prinzipalmarkt wurden Absperrgitter aufgebaut, zahlreiche Einsatzkräfte und Polizeihunde sind vor Ort. Prinzipalmarkt und Domplatz bleiben voraussichtlich bis in den Abend hinein gesperrt.
Merz, Rutte und Jetten beim Deutsch-Niederländischen Corps
Vor der Preisverleihung besuchten Bundeskanzler Friedrich Merz, NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten das Deutsch-Niederländische Corps in Münster. Dort trafen sie Soldatinnen und Soldaten. Thema waren unter anderem Drohnen und Drohnenabwehr. Das Corps führt derzeit NATO-Truppen in Estland und Lettland. Anschließend werden Merz und Rutte im historischen Rathaus erwartet. Die Preisverleihung soll um 16 Uhr beginnen. Der Westfälische Friedenspreis wird alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe vergeben. Er erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648, der in Münster und Osnabrück geschlossen wurde und den Dreißigjährigen Krieg beendete.
Proteste gegen die Auszeichnung der NATO
Die Entscheidung, den Friedenspreis an die NATO zu vergeben, sorgt seit Monaten für Diskussionen. Auch heute finden in Münster mehrere Demonstrationen statt. Auf dem Domplatz versammelten sich bereits am Vormittag Gegner der Preisvergabe. Weitere Proteste gibt es auf der Stubengasse und vor dem Deutsch-Niederländischen Corps. Das Friedensforum Münster kritisiert die NATO als Preisträger und argumentiert, militärische Aufrüstung schaffe keinen Frieden. Die Polizei rechnet insgesamt mit bis zu 2.000 Demonstranten in der Stadt. Die Organisatoren verteidigen die Entscheidung. André Vielstädte von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe bezeichnete die Auszeichnung als den „politischsten Friedenspreis“, den die Gesellschaft bislang vergeben habe. Die Debatte darüber, was Frieden heute brauche, sei ausdrücklich erwünscht.
Jugendpreis für socioMovens
Neben der NATO wird die internationale Jugendinitiative „socioMovens – giving Europe a Soul“ ausgezeichnet. Die Dortmunder Organisation erhält den mit 50.000 Euro dotierten Jugendpreis. socioMovens engagiert sich in Mittel- und Osteuropa für soziales Engagement, europäische Verständigung und den Austausch junger Menschen. Insgesamt sind heute 20 Jugendliche aus sechs Nationen in Münster dabei. Bereits am Vormittag kamen Vertreter der Initiative mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. In der Bezirksregierung finden außerdem öffentliche Dialogrunden statt. Dort können Interessierte mit den Jugendpreisträgern über die Frage diskutieren: „Was braucht Frieden heute?“
Einschränkungen für Busse und Innenstadt
Die Veranstaltung hat auch Auswirkungen auf den Verkehr. Mehrere Buslinien fahren wegen der Sperrungen anders als gewohnt. Betroffen sind die Linien 2, 4, 10, 11, 12, 13, 14, 22 und N80. Haltestellen wie Domplatz, Prinzipalmarkt und Klemensstraße fallen zeitweise weg. Auch Händler am Prinzipalmarkt spüren die Auswirkungen. Wegen der Absperrungen seien deutlich weniger Menschen unterwegs, berichtete ein Geschäftsinhaber gegenüber dem WDR. Wer heute in der Innenstadt unterwegs ist, muss daher mit Umleitungen, Sperrungen und einem starken Polizeiaufgebot rechnen.
Preisverleihung ab 16 Uhr
Im historischen Rathaus laufen am Nachmittag die letzten Vorbereitungen. Der Friedenssaal ist vorbereitet, Gäste und Medien werden erwartet. Mit Beginn der Preisverleihung um 16 Uhr wollen WDR und Phoenix live berichten. Begleitet wird der Tag von regnerischem Wetter bei Temperaturen um 19 Grad. Trotz Regen, Protesten und Verkehrseinschränkungen richtet sich die Aufmerksamkeit am Nachmittag vor allem auf das historische Rathaus und auf die umstrittene Auszeichnung der NATO.
