Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt bei aktuellen Umfragen bis zu 41 % der Stimmen. Würde das für eine Alleinregierung reichen?

Digital Desk: Lukas Böhl (lbö)

Wenige Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut aktuellen Umfragewerten von bis zu 41 % deutlich vorn. Die CDU schafft es gerade mal auf 25 bis 26 %. Weit dahinter liegen Linke (12 bis 13 %), SPD (7 %) und Grüne (4 %). Während die traditionelle Koalitionsbildung durch die strikte Ablehnung aller anderen Parteien blockiert scheint, rückt eine Frage ins Zentrum der Debatte: Könnte die AfD tatsächlich eine Alleinregierung bilden?

 

Wann die 41 % reichen könnten

In Deutschland ist für eine Alleinregierung nicht zwingend die absolute Mehrheit der Wählerstimmen (über 50 %) erforderlich. Entscheidend ist letztlich die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Und hier kommt die 5-Prozent-Hürde ins Spiel. Geht man nach den neuesten Umfragewerten, würden mehrere Parteien den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt verpassen. Darunter die Grünen, FDP und das BSW. Je mehr Parteien an der Hürde scheitern, desto weniger Stimmen benötigt die stärkste Partei für die Mehrheit der Mandate. Experten gehen davon aus, dass der AfD unter den aktuellen Bedingungen bereits ein Ergebnis von etwa 43 bis 45 % reichen könnte, um ohne Partner in Sachsen-Anhalt zu regieren.

CDU hält an Brandmauer fest

Das politische Patt in Sachsen-Anhalt resultiert vor allem aus der sogenannten Brandmauer. CDU, SPD, Linke und Grüne haben eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen. Da die AfD-Landesgruppe unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ebenfalls signalisiert hat, keine Kompromisse einzugehen, bleibt der Partei faktisch nur der Weg zur absoluten Mehrheit, um Regierungsverantwortung zu übernehmen. Sollte die AfD stärkste Kraft werden, aber die absolute Mehrheit verfehlen, droht eine langwierige Regierungsbildung oder eine Minderheitsregierung unter Führung der CDU, sofern diese eine Mehrheit gegen die AfD organisieren kann. Hierfür müssten nach den aktuellen Umfragewerten CDU, SPD, Grüne und Linke zusammenarbeiten.

Parlamentsreform im April

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat bereits im April 2026 auf die Umfragehochs mit einer umfassenden Parlamentsreform reagiert. Diese soll vor allem die Arbeitsfähigkeit des Landtags und anderer Verfassungsorgane auch bei stärkerer politischer Fragmentierung sichern. Kernpunkte sind eine Stärkung des Landesverfassungsgerichts, klarere Regeln für Wahltermine, Präsidium und konstituierende Sitzung, eine Rückkehr zu strengeren Immunitätsregeln für Abgeordnete sowie neue Vorgaben gegen politische Blockaden. Außerdem werden der Pensionsfonds verfassungsrechtlich abgesichert, die Landeszentrale für politische Bildung gesetzlich verankert, neue Gedenktage am 8. Mai und 17. Juni eingeführt und Regeln zu Abgeordnetenmitarbeitern, Fraktionsfinanzen und Feiertagsschutz angepasst. Ziel ist insgesamt, Parlament, Verfassungsgericht und demokratische Verfahren robuster gegen Blockaden und Vertrauensverluste zu machen.