Ein paar Baggerbisse – das ist erst einmal alles, was zum Start der Tunnelbaustelle zu sehen ist. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Ohne Feier hat die Deutsche Bahn mit den Vorarbeiten für den künftigen Pfaffensteigtunnel zwischen dem Flughafen in Echterdingen und Böblingen begonnen. Was dahinter steckt.
Ohne feierliche Zeremonie, was auch bewusster Zurückhaltung im aktuellen Landtagswahlkampf geschuldet ist, hat die Deutsche Bahn mit den vorbereitenden Arbeiten für den Pfaffensteigtunnel begonnen. Der im Bundeshaushalt aktuell auf rund 1,7 Milliarden Euro veranschlagte Tunnel soll die Gäubahn von Böblingen mit einem Schlenker über den Flughafen Stuttgart mit dem künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof verbinden.
Zweiter Abschnitt noch nicht genehmigt
Nördlich des Flughafens und der Autobahn A8 laufen erste Erdarbeiten zur Vorbereitung der Baustelle, insbesondere des geplanten Vortriebs mit zwei Tunnelbohrmaschinen. Erst kürzlich hatten Bund und Bahn die Finanzierungsvereinbarung für den Pfaffensteigtunnel geschlossen, nachdem im Dezember die Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) für den Tunnelabschnitt des Projekts vorlag – einer der beiden Planfeststellungsabschnitte.
Der zweite Abschnitt, der weitgehend oberirdische Anschluss an die Bestandsstrecke bei der S-Bahn-Station Goldberg, ist baurechtlich noch nicht genehmigt. Die Unterlagen dafür hat die Bahn im April 2025 eingereicht.
Zunächst wird auf einer rund drei Hektar großen Fläche der Boden abgetragen. Anschließend werden die Zufahrten zu dieser Fläche hergestellt, eine Lärmschutzwand und Bohrungen vorbereitet. Danach soll der Zugangsschacht für die Tunnelbohrmaschinen entstehen, je eine für jede der beiden nach Fahrtrichtung getrennten Röhren. Dafür werden auch Wirtschaftswege südlich der Echterdinger Straße und nordöstlich der Landesstraße L 1192 gesperrt. Es gibt Umleitungen.
Planung in Rekordzeit
Der Tunnel ist essenziell, um die Gäubahn über den Flughafen an Stuttgart 21 anzubinden. Ursprüngliche, kostengünstigere Varianten wie die Nutzung der bestehenden S-Bahn-Strecke, wurden im Laufe einer jahrzehntelangen Planung verworfen. Das aktuelle Tunnelprojekt wurde hingegen in Rekordzeit geplant, um die geplante Kappung der Gäubahn vom künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof möglichst kurz zu halten.
Der Verlauf des künftigen Tunnels. /Yann Lange
Durch die Verschiebung der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 ist allerdings der Zeitdruck bis zur geplanten Eröffnung des Pfaffensteigtunnels im Jahr 2032 geringer geworden.
Weiter Kritik an dem Projekt
Erst im Oktober 2021 war die DB mit der Vorplanung für den Tunnel beauftragt worden. In einem neuartigen Partnerschaftsmodell aller Projektpartner wurde Ende 2023 das Projekt definitiv auf den Weg gebracht. Im Frühjahr 2024 beziehungsweise 2025 wurden die Planfeststellungsunterlagen für die beiden Bauabschnitte eingereicht.
Der Tunnel, der ein offen gebliebendes Planungsproblem von Stuttgart 21 auf sehr teure Weise lösen soll, steht aber weiter massiv in der Kritik. So hat die S 21 kritisch gegenüberstehende Schutzgemeinschaft Filder wegen einer aus ihrer Sicht falschen Wirtschaftlichkeitsberechnung eine Klage gegen das Vorhaben angekündigt.