Was ist da los bei den 24-Stunden-Shops? Zwei Automatengeschäfte der Kette „Bertie Goods“ haben in Stuttgart überraschend dicht gemacht. Wir haben nachgefragt, was dahintersteckt.

Digital Desk: Jörg Breithut (jbr)

Die Schilder sind abgehängt, die Obstregale leergeräumt und die Kaffeemaschine abgebaut: Nach knapp vier Jahren ist vorerst Schluss mit 24-Stunden-Shoping in Stuttgart. Zwei Selbstbedienungs-Supermärkte der Marke „Bertie Goods“ haben dicht gemacht. Die beiden Filialen – eine im Stuttgarter Westen und eine im Heusteigviertel – haben ihre Pforten geschlossen. Dort gibt es derzeit keine Lebensmittel mehr aus dem Automaten.

 

Doch es ist kein endgültiges Aus: Vor knapp drei Jahren hatte das Start-up Smark zwar Insolvenz am Amtsgericht Stuttgart angemeldet. Das Unternehmen war pleite. Es war nicht mehr genug Geld da, um Ladenmiete und Gehalt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu zahlen. Doch Smark-Gründer Philipp Hoening übernahm die Marke einfach selbst, nachdem kein Käufer gefunden worden war. Hoening und ein Kernteam führen die Marke und die Läden seither mit der ähnlich klingenden Firma Smark Robotics weiter. Das teilte Hoening am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Daher ist die Schließung der Shops auch nicht endgültig. Zumindest der Laden im Stuttgarter Süden soll seine Pforten wieder öffnen. „Der Store im Heusteigviertel wird derzeit umfassend erneuert und öffnet in den kommenden Wochen mit neuer Robotik und Ladenbau wieder“, sagt Hoening. Auch einen Pizza-Automaten soll es dort geben. In rund zwei Wochen soll man in dem Laden schon wieder einkaufen gehen können.

Allerdings wird der Shop unter einem anderen Namen eröffnet. Was genau mit dem „Bertie Goods“-Branding passiert, ist unklar. „Die Marke ist nicht unser Fokus“, sagt Hoening. „Wir sind vor allem Experten im Bereich der Robotik.“ Smark Robotics sei mittlerweile wirtschaftlich auf Erfolgskurs. Es sollen mehrere Läden in Süddeutschland eröffnet werden, unter anderem in Renningen und München.

Leer stehendes Geschäft in Stuttgart-West: Der 24-Stunden-Shop „Bertie Goods“ ist ausgezogen aus dem Laden in der Schwabstraße. Foto: StZN

Die Selbstbedienungsläden boomten wären der Coronakrise . Das lag unter anderem daran, dass Einkaufen kontaktlos möglich war. Die „Bertie-Goods“-Läden waren 24 Stunden am Tag geöffnet und funktionierten ohne Kassiererinnen und Kassierer.

Die Kunden wählten in den Geschäften einfach Mandelmilch, Gummibärchen und Biowein auf einem Touch-Display aus und zahlten per Karte. Ein Roboterarm holte die Lebensmittel aus Kühlfächern in einem Minilager und legte die Waren in einen Korb. Sobald alles eingesammelt war, öffnete sich eine Schiebetür – und die Bestellung ließ sich aus einem Fach nehmen.

Das Automaten-Start-up Smark hatten Philipp Hoening und Maximilian Ehret nach ihrem Studium gegründet. Das Ziel: Mit den Automaten wollten sie Lebensmittel von Landwirten und Metzgern aus der Region in den Mittelpunkt rücken, die ansonsten nicht wettbewerbsfähig gewesen wären, sagten die Betreiber zur Eröffnung im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2020 hatten Investoren mehr als drei Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Damals testeten die Betreiber ihre Robotertechnik noch in der so genannten Kesselkiste, einem Holzhäuschen mitten in der Halle des Hauptbahnhofs – und legten die Lebensmittel teilweise noch selbst in die Einkaufskörbe.

Zwei Jahre später eröffnete im Heusteigviertel der erste Shop, der damals noch „Roberta Goods“ hieß – bevor es Streit um Namensrechte gab und die Filialen in „Bertie Goods“ umbenannt wurden. Kurz darauf eröffnete auch das 24-Stunden-Geschäft in Stuttgart-West am Bismarckplatz in der Schwabstraße, wo zuvor der Obstladen „Früchtle“ beherbergt war. Dort wird allerdings keiner neuer Shop entstehen. Mit der Vermieterin sei man sich nicht einig geworden. Smark Robotics sei gerade auf der Suche nach geeigneten Ladenflächen in Stuttgart.

Anmerkung der Redaktion: Auf mehrere Anfragen der Redaktion hatte Smark zuächst nicht reagiert. Nach der Veröffentlichung des Artikels wandte sich der Smark-Robotics-Chef an die Redaktion. Er teilte mit, dass Smark Robotics die insolvente Firma Smark mitsamt den „Bertie Goods“-Shops übernommen habe, die Läden in Oldenburg und Aalen geöffnet blieben und das Geschäft im Heusteigviertel wieder geöffnet werde. Wir haben den Text mit den Infos aktualisiert.