Das Deutschlandticket erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
6,4 Millionen Nutzer gab es 2023 zum Start des Deutschlandtickets, trotz zweier Preiserhöhungen sind es heute mehr als 14 Millionen. Die Linkspartei fordert deutlich geringere Preise.
Das Deutschlandticket, das im Mai 2025 eingeführt deutschlandweit in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs gültige Abonnement, erfreut sich auch knapp drei Jahre nach dem Verkaufsstart großer Beliebtheit. Das geht aus detaillierten Angaben der Bundesregierung auf eine Anfrage des Stuttgarter Bundestagsabgeordneten Luigi Pantisano (Die Linke) hervor, die unserer Redaktion vorliegen.
Trotz stabiler Verkaufszahlen übt der Verkehrspolitiker Kritik an den Rahmenbedingungen für das Ticket. „Statt diesen Erfolg auszubauen, verweigern Bund und Länder bis heute eine ausreichende Finanzierung“, so Pantisano.
Folgen des neuen Preissprungs noch unklar
Pantisano und einige Fraktionskollegen hatten den Bund nach Verkaufszahlen gefragt, aufgeschlüsselt nach Monaten und Bundesländern. Die regionale Verteilung lieferte Verkehrsstaatssekretär Ulrich Lange (CSU) allerdings nicht. Rund 6,4 Millionen Abos waren nach dem Verkaufsstart im Mai 2023 bundesweit im Umlauf. Damals kostete das Angebot 49 Euro pro Monat. Bereits im September knackte das Ticket die Zehn-Millionen-Marke, zum Ende des Jahres 2023 nutzten 11,6 Millionen Fahrgäste das Angebot.
Im Jahr 2024 setzte sich der Aufwärtstrend fort. Im März waren es bereits zwölf Millionen Nutzer, im April 13,7 Millionen. Nicht wenige Experten befürchteten ein Ende dieser Entwicklung spätestens zum Jahreswechsel 24/25. Zu diesem Zeitpunkt stieg der Preis auf 58 Euro.
Die bundesweiten Verkaufszahlen seit Einführung des Deutschlandtickets. Foto: Yann Lange/Lange
Dass dieser Anstieg die Kunden in Scharen vertrieb, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Aus den 13,7 Millionen Abonnenten im Dezember 2024 wurden je 13,6 Millionen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2025. Im März lag dann die Zahl der nun für 58 Euro je Monaten verkauften Tickets mit 13,9 Millionen rund 200 000 über der vom Dezember 2024, als der Fahrschein noch neun Euro günstiger war.
Seit April 2025 liegen die Verkaufszahlen konstant bei mehr als 14 Millionen, mit je 14,7 Millionen Abos waren der Oktober und November 2025 die bislang verkaufsstärksten Monate. Ob die Kundschaft trotz des abermaligen Preissprungs Ende 2025, dieses Mal von 58 auf 63 Euro, weiter bei der Stange bleiben, geht aus der Antwort der Bundesregierung nicht hervor. Für die ersten Monate des Jahres 2026 liefert sie keine Zahlen.
„Erstmal ist erfreulich, dass die Zahlen für das Deutschlandticket nicht zurückgehen, obwohl Bund und Länder viel dafür getan haben, indem sie das Ticket immer teurer machen“, sagt Luigi Pantisano und erinnert daran, dass stolze 21 Millionen im Juli 2022 das in der Corona-Pandemie eingeführte 9-Euro-Ticket nutzten, das als Vorläufer des Deutschlandtickets gilt.
Die Zahl zeige, das das Potenzial über den 14,5 Millionen Menschen liege, die Ende 2025 ein Abo abgeschlossen hatten. „ Ein 9-Euro-Ticket wäre der erste Schritt für eine spürbare Entlastung im Geldbeutel. Das 9-Euro-Ticket war echte Freiheit, weil die Menschen endlich selbst entscheiden konnten, ob sie Bus oder Auto fahren wollen“. Die Linke fordere die Wiedereinführung.
Finanzierung steht nur bis 2030
In zähen Verhandlungen hatten sich Bund und Länder im November vergangenen Jahres auf die Fortführung des Angebots und eine Finanzierung der Einnahmenausfälle bei den Verkehrsverbünden bis 2030 geeinigt. Bis dahin schießen der Bund und die Länder pro Jahr je 1,5 Milliarden Euro zu. Allerdings reicht das aus Sicht der Verkehrsverbünde nicht aus, die vor Ort die Einnahmen aus den Ticketverkäufen an die Verkehrsunternehmen verteilen.
Im Bereich des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) führt das Deutschlandticket und die Festlegung seines Preises durch die Verkehrsminister dazu, dass der Verbund nur noch bei 20 Prozent seines Angebots die Preisgestaltung selbst in der Hand hat. Zum 1. September sollen für dieses Ticketsegment die Preise im Schnitt um 5,9 Prozent steigen. Gleichzeitig kündigt VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt eine Offensive zur Gewinnung von Neukunden und dichtere Kontrollen gegen das Schwarzfahren an.
Luigi Pantisano will einen anderen Weg beschreiten und beklagt, die hohen Ticketpreise aber auch die allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten „für viele zur Belastungsprobe“ würden. „Mit der Reaktivierung der Vermögensteuer hätte Baden-Württemberg zusätzliche 14,5 Milliarden Euro im Landeshaushalt – genug Geld für ein günstiges Busticket für alle“, sagt Pantisano.