CDU-Landesparteichef Manuel Hagel Wie Manuel Hagel bei der Landtagswahl die AfD schlagen will

Manuel Hagel (CDU) will Baden-Württembergs nächster Ministerpräsident werden. Foto: Lichtgut/Lichtgut

Manuel Hagel will 2026 Regierungschef in Baden-Württemberg werden. Im Interview erzählt er, was er von Papst Franziskus und von Winfried Kretschmann mitnimmt.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Bei der Landtagswahl im März 2026 will Manuel Hagel die Macht im Land für die CDU zurückerobern und Ministerpräsident werden. Was er sich von Winfried Kretschmann abschauen und was er ganz anders machen will.

 

Herr Hagel, an diesem Samstag wird Papst Franziskus beerdigt. Was ist der wichtigste politische Akzent seiner Amtszeit?

Laudato si’ – in der Enzyklika hat Papst Franziskus die Idee eines christlich inspirierten Umweltschutzes niedergeschrieben. Er hat uns immer wieder den Spiegel vorgehalten und wichtigen Themen neue Aufmerksamkeit verliehen. Ich hoffe, dass sein sensibler Blick für die Ärmsten erhalten bleibt.

Das hängt vom Nachfolger ab. Braucht die katholische Kirche einen Reformer oder einen Bewahrer an der Spitze?

Einen bewahrenden Reformer ...

...keinen reformierenden Bewahrer? ...

... auf jeden Fall einen, der sich auf die einladende Botschaft des Evangeliums besinnt. Im Gebot der Nächstenliebe gibt es uns mit, dass wir die Menschen so akzeptieren, wie sie sind. Das ist heute, in einer sich verändernden Gesellschaft, unfassbar wichtig.

Rom ist weit – Stuttgart nah. Sie wollen Winfried Kretschmann beerben. Welche Scheibe schneiden Sie sich bei ihm ab?

Winfried Kretschmann zeigt, dass man mit Anstand, Verlässlichkeit und einem festen Wertefundament Politik machen kann. Auf sein Wort ist Verlass. Er ist pragmatisch und nimmt sich selbst nicht zu wichtig.

Was machen Sie auf keinen Fall wie er?

Manchmal dauert es etwas zu lange, bis er übereinander bekommt, was die Menschen im Land denken und wie das zu den Überzeugungen seiner eigenen Partei passt – das ist aber vielleicht eher ein Problem der Grünen.

Ihr Ziel: schnell sein und straff führen?

Ja, Demokratie muss Handlungsfähigkeit, Entscheidungsfreude und Veränderungswillen beweisen. Die Menschen haben feine Antennen. Sie spüren eine teilweise Hyperpolitisierung von Nebensächlichkeiten.

Das müssen Sie erklären.

Viele Menschen finden doch, dass öffentlichen Debatten zu oft wenig mit ihrem Leben zu tun haben. Das müssen wir ändern. Ich will mich stark um die leise Mitte kümmern. Das ist im Übrigen das beste Mittel, um die AfD zu schlagen: sich nicht nur empören oder moralisieren. Wir müssen die Probleme klein machen, die die AfD groß machen.

Sind wir beim Thema Migration?

Auch, aber nicht nur. Als ich meine Lehre bei der Sparkasse Ulm begonnen habe, konnte sich ein Ehepaar – er Facharbeiter, sie Krankenschwester – ein Eigenheim leisten. Das ist heute kaum mehr möglich. Wir müssen die Rahmenbedingungen ändern, damit das wieder geht. Bei den Nachbarn in Europa sind die bürokratiebedingten Baunebenkosten niedriger. Regulierungen und Standards zu senken, ist möglich und kostet kein Geld.

Was würden Sie tun, um der Autoindustrie bei der Transformation zu helfen?

Transformation braucht Taktgefühl. Zum ehrlichen Ton gehört: Die Hebel des Landes sind da überschaubar. Wir können beim Bund und in Europa für Technologieoffenheit, Standort- und Wettbewerbsfähigkeit werben. Und dafür, dass die EU sowohl mit den USA als auch mit China eine Entspannungspolitik betreibt. Wir haben kein Interesse an einem Handelskrieg. Der Zero-for-Zero-Vorschlag von Ursula von der Leyen im Zollstreit mit den USA war richtig. Wir müssen auf Freihandel setzen und neue Freihandelszonen schaffen. Wie beim Mercosur-Abkommen, das uns einen riesigen Markt in Südamerika erschließen kann. Unsere Antwort auf Trump ist ein starkes Europa.

Es fällt auf, dass etwa Mercedes-Benz Produktion nach Ungarn verlagert. Welche Hebel sehen Sie, Abwanderungen zu verhindern?

Wir müssen in Fragen von Wettbewerbs- und Standortfähigkeit, bei Genehmigungs- und Planungsprozessen schneller werden. Deshalb wollen wir öfter das Instrument der Legalplanung anwenden, also Projekte per Gesetz realisieren, nicht über den Verwaltungsweg. Das hat bei Tesla in Brandenburg geklappt und bei der Messe in Stuttgart. Wir als CDU können uns vorstellen, zweimal im Jahr große Legalplanungspakete mit hohem Tempo im Landtag zu verabschieden, um so Genehmigungen innerhalb von Monaten statt Jahren zu erteilen.

Berlin will 500 Milliarden Euro in Infrastruktur investieren. Welchen Anteil muss Baden-Württemberg bekommen?

Einen großen! Die neue Bundesregierung wird die Mittelverteilung einzelgesetzlich regeln und ihre Verwendung genau beschreiben. Wir konzentrieren uns darauf, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu straffen, damit wir möglichst schnell ins Bauen kommen. Wir machen uns in der Koalition über ein Entlastungspaket Gedanken und sind uns einig, dass die Schuldenbremse gilt und es keinen Nachtragshaushalt gibt.

Wie gut kennen Sie eigentlich den künftigen Kanzler?

Wolfgang Schäuble hat uns 2009 bekannt gemacht. Friedrich Merz ist immer für Argumente offen und an Begründungen interessiert. Er ist beharrlich und lässt sich nicht entmutigen. Ich schätze an ihm, dass er aus ganzem Herzen Familienmensch ist und dieses Leben nicht nur aus Akten, sondern tatsächlich kennt.

Von sich selbst sagen Sie auch, Ihr Antrieb, Politik zu machen, seien Ihre Söhne. Was leitet sich politisch daraus ab?

Chancengleichheit ist mir wichtig. Jeder Euro, den wir jetzt in die Hand nehmen, muss in die Zukunft fließen – etwa in Bildung. Ich hätte mir auch gewünscht, dass eine Rentenreform schon im Koalitionsvertrag verankert wird. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die künftige Koalition hat eine Rentenkommission eingesetzt. Die muss liefern. Die Rentenreform sind wir unseren Kindern jetzt schuldig, nicht irgendwann.

Über Pensionen redet niemand. Gibt es da keinen Reformbedarf?

Wir brauchen weniger Regeln, nicht mehr Beamte. Wir haben ein gesamtstaatliches Versprechen abgegeben, das den Staat jetzt auf allen Ebenen überfordert. Wir stehen kurz vor einem Bürokratieinfarkt. Wenn wir nicht endlich Standards senken, läuft uns das immer mehr aus dem Ruder. Ziel muss ein moderner, schlanker, agiler Staat sein. Es geht um Effektivität und Funktionalität – nicht um mehr Stellen. Der Bund geht da jetzt ran, das ist goldrichtig und ein Vorbild für das, was wir im Land tun wollen.

Wie beschreiben Sie möglichen Wählern Ihren politischen Kern in drei Sätzen?

Ich bin junger Familienpapa. Wenn ich meinen Kindern Gute Nacht sage, frage ich mich, in welchem Land sie einmal leben werden. Ich möchte, dass unsere Kinder und Enkel in Sicherheit und Wohlstand leben und ihr Talent entfalten können.

Wie oft sagen Sie Ihren Kindern Gute Nacht?

Immer wenn ich abends Heim komme. Es ist jeden Kilometer wert, um einen Blick ins Kinderzimmer zu werfen – auch wenn alle schon schlafen.

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