Der Stuttgarter Luigi Pantisano ist seit einem Jahr Bundestagsabgeordneter für Die Linke. Foto: privat
Luigi Pantisano spielt in der Linken-Fraktion im Bundestag eine wichtige Rolle. Im Parlament provoziert er die AfD, in seinem Wahlkreis berät er Hilfesuchende.
Dort bieten seine Mitarbeiter und er Sozialsprechstunden an, etwa für Mieter, die mit steigenden Wohnkosten zu kämpfen haben. Dieser Schwerpunkt der Parteiarbeit hat Die Linke vor allem für junge Menschen wählbar gemacht und fast in den Landtag gebracht.
Finanziert werden die Beratungsarbeit und spektakuläre Aktionen – etwa der Freikauf von Menschen, die wegen Schwarzfahrens inhaftiert sind, oder der Bargeldtausch von Bezahlkarten für Flüchtlinge – mit einem Teil der Abgeordnetendiät, die sich auf 17700 Euro beläuft. Wie einige Fraktionskollegen behält er nach eigenen Angaben nur 2950 Euro der monatlichen Bezüge. Weil er in dieser Legislaturperiode 1250 Euro Rentenansprüche erwirbt und kostenlos mit der Bahn fahren darf, findet er die reduzierte Diät ausreichend.
Die Gasexplosion in der Köllestraße, in der auch Luigi Pantisano wohnt. Foto: KS-Images.de / Karsten Schmalz
Zu seinen politischen Gegnern gehörte dabei oft der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU). Die beiden lieferten sich im Gemeinderat und in den Ausschüssen wiederholt scharfe Wortwechsel. Pantisano sprach aus, was andere nicht einmal zu denken wagten. Das Verhältnis zwischen OB und dem Abgeordneten ist bis heute getrübt. So musste Pantisano sehr lange warten, dass ihm das Stadtoberhaupt zur Wahl gratulierte. Auch ein Jahr später gehen der OB und seine Gattin dem Abgeordneten, wenn möglich, aus dem Weg.
In der Bundestagsfraktion der Linken gehört Luigi Pantisano inzwischen zur Führungsspitze. Nach dem Zerfall der früheren Fraktion infolge der Abspaltung um Sahra Wagenknecht wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Zugleich leitet er den Arbeitskreises Wohnen, Klima und Verkehr. Pantisano ist auch Arbeitgeber. In seinen Büros in Berlin, Stuttgart und Konstanz beschäftigt er elf Mitarbeiter.
Lob von Heidi Reichinnek
Fraktionschefin Heidi Reichinnek beschreibt ihn als Vermittler innerhalb der Fraktion. Sie sei froh, „dass Luigi immer daran gearbeitet hat, die verschiedenen Anforderungen, Vorstellungen und Wünsche unter einen Hut zu bringen“. Auch wenn Diskussionen hitzig seien, schaffe er es, auf das Wesentliche zu fokussieren, konstruktiv zusammenzuführen und Leute einzubinden. Die von Parteichefin Ines Schwerdtner ausgerufene „revolutionäre Freundlichkeit“ habe Pantisano „wie kaum ein Zweiter in die Tat umgesetzt und vor allem dabei geholfen, auch die ältesten Gräben zuzuschütten“.
Nach Außen gibt sich Pantisano deutlich konfrontativer. Im Bundestag gerät er regelmäßig mit Abgeordneten der AfD aneinander, die er wiederholt als „Faschisten und Rassisten“ bezeichnete. Zwischenrufe, Beschimpfungen und Ordnungsrufe gehören zu seiner parlamentarischen Bilanz. Einmal hob er demonstrativ seinen deutschen und seinen italienischen Reisepass hoch, um zu zeigen, dass beides zusammen gehöre. Die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner schien vorgewarnt worden zu sein. Vor seiner Rede über die Krise bei der Firma Bosch kündigte sie den schwäbischen Abgeordneten mit Migrationsgeschichte als „Herr Partisano“ an.
Zielscheibe von Rechtsextremisten
Für rechte Politiker ist der „Stuttgarter Partisan“ mit seinen Provokationen eine willkommene Projektionsfläche. Der sächsische AfD-Abgeordnete Martin Reichart verbreitete einmal ein manipuliertes KI-Bild, das Pantisano aggressiv erscheinen ließ. Er ging dagegen juristisch vor und gewann. Bedrohungen und Beleidigungen in sozialen Netzwerken gehören zum Alltag. Noch steht er nicht unter Polizeischutz. Sein Bruder Alfonso Pantisano schon. Den Queerbeauftragten des Berliner Senats hassen die Rechten noch mehr als dessen kleinen Bruder.
Zwei Abgeordnete aus Stuttgart
Simone Fischer Neben Luigi Pantisano schaffte es auch Simone Fischer von den Grünen aus Stuttgart in den Bundestag. Sie ist die erste kleinwüchsige Abgeordnete im Bundestag. Auch sie werden wir in einem Porträt vorstellen.