Esslinger Stimmenkönig Tim Hauser Gelebte Freude am politischen Dialog

Ob auf dem Wochenmarkt oder im Ratssaal: CDU-Fraktionschef Tim Hauser schätzt den Kontakt mit Menschen. Foto: Roberto Bulgrin

Bei der Kommunalwahl wurde Tim Hauser, CDU-Fraktionschef im Esslinger Gemeinderat, Stimmenkönig. Sein Anspruch ist es, dass die Politik den Menschen wieder auf Augenhöhe begegnet. In politischen Debatten ist Hauser in seinem Element.

Die Politik begleitet ihn seit jungen Jahren: Schon im Elternhaus war er als Sohn einer Zeitungsredakteurin und eines Bundestagsabgeordneten ganz nah dran am politischen Geschehen. Später ging Tim Hauser erst in der Jungen Union (JU) seinen Weg, dann hat er im Esslinger Stadtverband, in der Rats- und der Regionalfraktion der CDU sein eigenständiges Profil weiterentwickelt. Dass der 39-jährige Christdemokrat gern mit klarem Kurs vorangeht, haben die Esslingerinnen und Esslinger bei der jüngsten Gemeinderatswahl honoriert: Mit 19 491 Stimmen kürten sie Tim Hauser zum Stimmenkönig unter 372 Kandidatinnen und Kandidaten.

 

„Nicht nur der Verwaltung applaudieren“

Hauser fühlt sich in politischen Debatten sichtlich wohl. Seine Reden liest er nicht hölzern ab, der spontane Dialog ist seine Stärke. Und er scheut sich nicht, klare Kante zu zeigen. Ganz egal, ob er Defizite bei der Digitalisierung, im Bürgerservice oder bei der Unterbringung Geflüchteter moniert: Wo andere lieber den Ball flach halten, legt Hauser den Finger in die Wunde: „Zu kritisieren nur um der Kritik willen kommt nicht in Frage. Mir ist es am liebsten, wenn Dinge funktionieren. Aber wenn etwas schiefläuft, kann ich nicht alles schönreden. Wir wurden nicht gewählt, um der Verwaltung zu applaudieren.“

Sich in schwierigen Zeiten wegzuducken ist für Hauser keine Option: 2019 hatten es die Christdemokraten auf sieben Sitze im Esslinger Gemeinderat gebracht, doch im Frühjahr 2022 verabschiedeten sich Fraktionschef Jörn Lingnau und Stadträtin Regina Hemminger Knall auf Fall zur FDP. Seither war die CDU mit fünf Sitzen nur noch fünftstärkste Kraft im Rat. Hauser hat damals das Ruder in die Hand genommen und die Fraktion neu aufgestellt. Seither hat sich die CDU-Riege weit klarer als zuvor positioniert und bei strittigen Fragen oft eine konstruktiv-kritische Position eingenommen, wodurch man für die Verwaltung weniger kalkulierbar wurde. Von vielen wurde das offenbar goutiert: Bei der Kommunalwahl 2024 hat die CDU mehr als 50 000 Stimmen hinzugewonnen.

Bürgernähe hilft gegen Politikverdrossenheit

Dass er selbst Stimmenkönig wurde, empfindet Tim Hauser als Bestätigung der bisherigen Arbeit, wobei er stets betont: „Die meisten Stimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten zu erhalten, war nur möglich, weil wir eine starke und geschlossene Fraktion und eine ebensolche Kandidatenliste hatten. Wir haben einen sehr intensiven Wahlkampf geführt und unzählige Gespräche vor Ort geführt. Es genügt aber nicht, nur in Wahlkampfzeiten bei den Menschen zu sein. Die Wählerinnen und Wähler haben ein feines Gespür dafür, ob man sich wirklich für sie und ihre Anliegen interessiert. Für mich ist es selbstverständlich, jeden Anruf, jede Mail und jeden Brief zu beantworten. Ich muss unterschiedliche Meinungen kennen und notfalls meine Haltung korrigieren, um zur besten Entscheidung zu kommen.“ Deshalb ist der 39-Jährige oft und gern in der Stadt unterwegs. Er spricht mit den Leuten, möchte Politik greifbar machen und hat kein Problem damit, dass seine Telefonnummer kein Geheimnis ist. Sein Credo: „Ich kann nicht jedem nur zustimmen, und manchmal ist Bürgernähe auch mühsam. Aber sie ist unendlich wichtig für unsere Demokratie. Jedes Gespräch und jeder Versuch, Anregungen in politisches Handeln umzusetzen, hilft gegen Politikverdrossenheit.“

Dass er als Stimmenkönig des Esslinger Gemeinderats dem populären Sozialdemokraten Wolfgang Drexler nachgefolgt ist, sieht Hauser als Verpflichtung: „Dieses Vertrauen muss jeden Tag neu verdient werden.“ Als Vorsitzender der stärksten Ratsfraktion darf er künftig als Erster und nicht wie bisher als Fünfter nach der Verwaltung das Wort ergreifen. Doch das ändere nichts Wesentliches: „Wichtig ist nicht, wann man zu Wort kommt, sondern was man zu sagen hat. Meine Haltung bleibt dieselbe.“

„Politik muss zu den Menschen gehen“

Gleichwohl ist ihm bewusst, dass er als Stimmenkönig und Vorsitzender der stärksten Ratsfraktion noch stärker im Fokus stehen wird. In einem Gemeinderat, dem künftig zehn statt bisher sieben unterschiedliche politische Kräfte angehören, wird die Mehrheitsfindung nicht einfacher. Hauser möchte mit seiner Fraktion noch stärker inhaltliche Akzente setzen und dafür sorgen, dass die Stimme der Bürgerinnen und Bürger mehr Gewicht bekommt: „Die Menschen müssen wieder das Gefühl haben, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet. Kommunalpolitik muss nah an den Menschen sein. Diese Nähe ist zuletzt etwas verloren gegangen.“ Das beobachtet er auf allen Ebenen.

Deshalb bemüht sich Hauser um die Bundestagskandidatur seiner Partei. Dass sich viele dabei an seinen Vater Otto Hauser erinnern, der den Wahlkreis Esslingen einst im Bundestag vertreten hatte, überrascht Tim Hauser nicht. Gleichwohl betont er: „Mein Vater hat viel geleistet und erreicht, aber ich bin ich, und mein Vater ist mein Vater. Als er zum ersten Mal gewählt wurde, war ich noch nicht geboren. Als er aus dem Bundestag ausgeschieden ist, war ich 14. Ich bin viel stärker kommunalpolitisch geprägt und fände es reizvoll, Kommunal- und Bundespolitik stärker zu verzahnen. Politik muss zu den Menschen gehen, nicht umgekehrt.“

Biografische Notizen

Persönliches
 Tim Hauser wurde 1984 in Esslingen geboren und ist dort auch zur Schule gegangen. Bis heute lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Esslingen. Nach dem Studium hat er zunächst als Unternehmensberater gearbeitet, inzwischen ist er Regierungsdirektor im Innenministerium des Landes.

Politisches
 Seit jungen Jahren engagiert sich Tim Hauser politisch. Er war in der Jungen Union aktiv, als deren Vorsitzender er in Esslingen jahrelang politische Akzente gesetzt hat. Als Kreisvorsitzender der JU stand er für einen selbstbewusst-konstruktiven Kurs der Jugendorganisation. Heute ist er Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Esslingen. 2019 wurde Tim Hauser mit 11 308 Stimmen in den Esslinger Gemeinderat gewählt. Nachdem sich der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Jörn Lingnau 2022 überraschend zur FDP verabschiedet hatte, übernahm Hauser als jüngstes Fraktionsmitglied die Führung der CDU-Riege, mit der er rasch ein neues, eigenständiges Profil entwickelte, das vielen bis dahin gefehlt hatte. Bei der Kommunalwahl 2024 wurde der 39-Jährige mit 19 491 Stimmen Esslinger Stimmenkönig. Aus der Regionalwahl ging die CDU im Kreis Esslingen mit Hauser als Spitzenkandidat auch als Gewinner hervor. 

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen CDU Kommunalwahl Gemeinderat