Familienunternehmer Stihl: AfD würde das Land an die Wand fahren

Eine Stimme mit Gewicht: der Familienunternehmer und Aufsichtsratschef des Motorsägenherstellers Stihl, Nikolas Stihl. Foto: Gottfried Stoppel

Die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) wollen sich weiterhin von der AfD abgrenzen. Der Familienunternehmer Stihl wählt noch schärfere Worte. Im Handwerk ist die Lage diffiziler.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Im Streit um einen Austausch mit der AfD muss der Verband der Familienunternehmer auch im Südwesten Gegenwind aus der Wirtschaft hinnehmen. Die von der CDU sogenannte Brandmauer soll nicht durchlöchert werden. Nur hinter vorgehaltener Hand werden Unterschiede deutlich.

 

„Keinen Kontakt und keinen Austausch“

Oliver Barta ist Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-württemberg (UBW) Foto: Roberto Bulgrin/Bulgrin

Die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) bleiben bei ihrer klaren Ablehnung eines Kontakts zur AfD: „Wir pflegen einen intensiven und konstruktiven Austausch mit den Kräften der demokratischen Mitte“, sagt Hauptgeschäftsführer Oliver Barta. „Mit der AfD gibt es keinen Kontakt und keinen Austausch, wir laden Vertreter der Partei auch nicht zu Veranstaltungen ein.“ Die AfD sei in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall und vom Bundesamt für Verfassungsschutz als in Teilen gesichert rechtsextrem eingestuft. Erschwerend kämen „ die wirtschaftspolitischen Positionen hinzu, wo wir mit dieser Partei nicht zusammenkommen“. Dies fange bei der Haltung zu EU und Euro an, gehe weiter über energiepolitische Fragen und ende nicht beim Konflikt um das garantierte Rentenniveau, denn da hat die AfD im Bundestagswahlprogramm 70 Prozent statt der von der Bundesregierung angestrebten 48 Prozent gefordert.

Abseits der Eindämmung illegaler Migration „sind wir für eine nennenswerte, intensive Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, was sich nicht mit Positionen verträgt, wonach alle nicht hier Geborenen remigriert werden sollen, was in Teilen der Partei gefordert wird“, ergänzt ein UBW-Sprecher. Obwohl es in Details womöglich Überschneidungen gebe, „sind wir in ganz zentralen Fragen, auch was die Grundlagen unserer sozialen Marktwirtschaft angeht, ziemlich weit auseinander“. Deshalb „sehen wir gerade keine Veranlassung, irgendwas an der Position zu ändern“.

„Deutschland wäre innerhalb kürzester Zeit ruiniert“

Einer der führenden Unternehmer im Land, Nikolas Stihl, warnt: „Wenn die AfD an die Regierung käme, würde Deutschland sehr viel schneller an die Wand fahren, als wir es heute tun“, so der Aufsichtsratschef des Motorsägenherstellers Stihl in der „Süddeutschen Zeitung“. „Das ganze Wirtschaftsprogramm der AfD ist völliger Blödsinn, damit wäre Deutschland innerhalb kürzester Zeit ruiniert.“ Und er appelliert an die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmer, „Dinge beim Namen zu nennen“.

Die CDU-Konkurrenz soll nicht hoffähig gemacht werden

Auch im Unternehmerlager gibt es mutmaßlich Einzelstimmen, die sich für einen engeren Austausch mit der AfD aussprechen, doch spüren die Verbände zumeist keinen Druck, deswegen ihre Positionen zu revidieren. Eher schon fürchtet man, die guten Kontakte zur CDU zu beschädigen, indem man ihre Konkurrenz hoffähig macht. Noch diffiziler ist die Lage im Handwerk, wo es mehr Unterstützer der AfD geben dürfte. So hält sich die Verbandsseite im Land bedeckt, auch aus Sorge vor unerwünschten Wirkungen. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands im deutschen Handwerk, wendet sich gegen die ganze Debatte: „Das ist nicht die Aufgabe von Wirtschaftsvertretung, über politische Brandmauern zu entscheiden.“

Ein Verbandsbeschluss mit breiter Zustimmung

Der Verband der Familienunternehmer verteidigt seine jüngste Einladung: „Dass wir mit einzelnen AfD-Fachpolitikern ins Gespräch kommen, ohne ihnen eine Bühne zu geben, haben wir im Frühjahr mit unserem Bundesvorstand, unseren Landesvorsitzenden und Kommissionsvorsitzenden beschlossen – die Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft unterstützen dieses Vorgehen.“ Der neue Vorsitzende des Verbands in Baden-Württemberg, der Reutlinger Robin Morgenstern, äußerte sich auf Anfrage nicht dazu. Der Drogeriekonzern Rossmann und der Konzern Vorwerk haben ihre Mitgliedschaft im Verband beendet.

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