Gemeinderatswahl in Sindelfingen AfD gewinnt, politische Mitte und Linke müssen Federn lassen

Häppchenweise erscheinen an einer Leinwand im Sindelfinger Rathaus die Ergebnisse der Gemeinderatswahl. Foto: Dudenhöffer

Die Gemeinderatswahl in Sindelfingen bestätigt größtenteils den Bundestrend der Parteien: Die AfD verdreifacht ihren Sitzanteil. Neu im Gremium ist das Bündnis der Vielfalt. Sitze verloren haben Grüne, Freie Wähler, SPD und Linke. Die FDP legt zu.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Leicht verändert geht der Sindelfinger Gemeinderat in die neue Wahlperiode. Während AfD, CDU, FDP und das Bündnis der Vielfalt teils deutlich Stimmen gewinnt und als Wahlsieger gesehen werden können, müssen Freie Wähler (FWS), Grüne, SPD und Die Linke Niederlagen hinnehmen und verlieren Sitze. Erstmalig einziehen wird Serdar Şevik vom Bündnis der Vielfalt, einer neuen Gruppierung mit fast ausschließlich türkischstämmigen Kandidatinnen und Kandidaten.

 

Dass sich der Gemeinderat politisch und personell etwas verändert, liegt allerdings mehrheitlich am Wahlerfolg der AfD. Diese hat sich von 2,24 Prozent im Jahr 2019 auf nun 8,12 Prozent stark verbessert. Damit ist die Rechtsaußenpartei mit drei statt einem Sitz im Gemeinderat vertreten. Neu im Rat sind Andreas Schaab und Hans-Peter Vögele. Seinen Sitz verteidigt hat Winfried Meffert. Für die AfD bedeutet dies, dass sie wohl den Fraktionsstatus erhalten und in somit auch in den Ausschüssen vertreten sein wird.

SPD sieht sich alleingelassen

Während bei der Sindelfinger AfD gegen 18 Uhr, als das vorläufige Wahlergebnis vorlag, wahrscheinlich die Sektkorken geknallt haben, blicken Sozialdemokraten wie Axel Finkelnburg enttäuscht drein. Den Stimmenschwund verglichen zu 2019 von rund 16 auf 14,76 Prozent erklärt sich der SPD-Fraktionschef durch einen Umstand: „Wir hatten keinen Rückenwind aus der Bundespolitik. Nach den Europawahlergebnissen hatte ich noch Schlimmeres erwartet.“ Angesichts einer AfD, die sich verdreifacht hat, hofft der Stadtrat auf eine interfraktionelle Zusammenarbeit: „Ich hoffe auf einen Block aus SPD, FWS, Grüne, FDP und Linke. Die AfD-Stadträte müssen sich nun beweisen, ob sie sich konstruktiv einbringen können.“

SPD und Linke müssen Federn lassen

„Viel Aufwand für wenig Ertrag“ könnte nach der Gemeinderatswahl auch das Motto der Linken sein. Wie sein Ratskollege Finkelnburg steht auch Richard Pitterle an einem der weißen Stehtische. Vor ihm werden auf einer Leinwand im Rathaus in regelmäßigen Abständen die aktualisierten Stimmenverhältnisse angezeigt. Warum die Linke in Zeiten von Wohnungsnot, Inflation und Rechtsruck nicht stärker abschneidet, liegt laut Pitterle an Entwicklungen im Bund: „Leider konnten wir uns nicht vom Bundestrend absetzen und die Abspaltung des Wagenknecht-Lagers hinter uns lassen.“ 3,37 statt 4,16 Prozent bedeutet einen Sitz weniger. Weil Ursula Merz nicht mehr dabei sein wird, wird Pitterle bald zum Alleinkämpfer. Eine Rolle, die der Stadtrat erst annehmen muss: „Mal sehen, was möglich sein wird als Einzelkämpfer.“

Christdemokraten und Liberale sehen sich als Gewinner

Zu den Gewinnern der Kommunalwahl können sich CDU und FDP zählen. Dementsprechend zufrieden zeigt sich Walter Arnold, CDU-Stadtrat, bei der Präsentation der Ergebnisse im Rathaus: „Wir sind zufrieden. Vielleicht hätte auch noch ein Sitz mehr rausspringen können. Die Bürger haben uns dennoch gestärkt aus der Wahl hervorgehen lassen.“ Als Grund für den Zugewinn von 25,82 auf dieses Jahr 26,86 Prozent sieht Walter „eine sachorientierte Politik“ ohne parteipolitisches Geplänkel. Mit elf Sitzen bildet die CDU erneut die größte Fraktion.

Gegen die AfD positionieren

Immer wieder aktualisiert FDP-Frontmann Max Reinhardt auf seinem Smartphone die Website mit den Ergebnissen. Sein strahlendes Gesicht verrät: Die Liberalen haben sich verbessert von 9,56 auf 11,32 Prozent. „Das Ergebnis ist großartig. Wir haben einen Sitz hinzugewonnen“, sagt der Darmsheimer. Warum die FDP zulegte? Reinhardt ist sich sicher: „Kommunale Themen adressieren und stadtbekannte Persönlichkeiten aufstellen, ist das Erfolgsrezept.“ Die Kooperation mit den Ratskollegen bis zur Linken will Reinhardt ausbauen: „Wir brauchen einen Block, der sich der AfD entgegenstellt.“

Der OB erwartet kontroversere Diskussionen

Viel Arbeit wartet auf den neuen Gemeinderat. OB Bernd Vöhringer (CDU) rechnet zwar mit „heißen Debatten“, hofft aber, dass die grundsätzlich harmonische Arbeit zwischen Verwaltung und Räten weitergehe.

Gemeinderat in Sindelfingen

Wahlberechtigte: 44 289

Wahlbeteiligung:
 54,14 Prozent

Stimmverteilung:
 CDU 26,86 %, Grüne 16,53%, FWS 15,63 %, SPD 14,76 %, FDP 11,32 %, AfD 8,12 %, Vielfalt 3,41 %, Linke 3,37 %

Sitzverteilung
 (in Klammern Sitze von 2019): CDU 11 (11), SPD 6 (7), FWS 6 (8),Grüne 7 (10), FDP 5 (4), AfD 3 (1), Linke 1 (2), Vielfalt 1 (0)

Gewählt wurden: CDU
:
Maike Stahl, Walter Arnold, Alexander Baisch, Steffen Vietz, Hermann Ayasse, Felix Koch, Ulrike Rapp, Tobias Ehret, Heidrun Struckmann-Walz, Ralf Binz, Andreas Bonhage Grüne:
Simone Müller-Roth, Sabine Kober, Sabine Mundle, Ulrich Hensinger, Lena Richter, Lukas Voigt, Christian Sommer FWS: Dorothee Kadauke, Ulrich Röhm, Ingo Sika, Thomas Buck, Kai Hammami, Thomas Jaskolka SPD:
Axel Finkelnburg, Sabine Duffner, Birgit Wohland-Braun, Sarah Kupke, Martin Wenger, Samet Mutlu FDP:
Maximilian Reinhardt, Andreas Knapp, Andreas Beyer, Michael Reinert, Götz Basse AfD:
Winfried Meffert, Andreas Schaab,Hans-Peter Vögele Vielfalt:
Serdar Sevik Linke: Richard Pitterle

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