Ironischer Ehrungsvorschlag Stuttgarts letzter CDU-Abgeordneter stichelt gegen Chef seiner Kreispartei

CDU-Mann Löffler macht einen ironischen Ehrungsvorschlag. Foto: Lichtgut

In Bundes- und Landtag ist die Stuttgarter CDU bald ohne Mandat. Wie der Noch-Parlamentarier Reinhard Löffler deswegen mit dem Chef der Kreispartei abrechnet.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Gut drei Wochen gehört Reinhard Löffler (71) noch dem Landtag an, dann stellt die Stuttgarter CDU dort – wie bereits im Bundestag – keinen einzigen Abgeordneten mehr. Keinen ihrer vier Kandidaten hat die Kreispartei bei der Wahl im März durchgebracht. Löffler, der es beim letzten Mal als einziger geschafft hatte, wäre gerne noch einmal angetreten, wurde aber nicht mehr nominiert.

 

Begründung trieft vor Ironie und Sarkasmus

Nun stichelt der Veteran auf ungewöhnliche Weise gegen den CDU-Kreischef Maximilian Mörseburg, den er mangels Erfolg eigentlich für rücktrittsreif hält. Er schlägt den 34-Jährigen für die höchste Auszeichnung der Seniorenunion vor, die Konrad-Adenauer-Medaille in Gold.

Per Abgeordneten-Briefbogen liefert er dem Kreisvorstand dafür eine Begründung, die vor Ironie und Sarkasmus nur so trieft. Zu ehren, so Löffler, sei Mörseburg für die Art und Weise, wie er mit dem „historischen Einschnitt“ umgehe. Als Kreischef beweise er, „dass man auch ohne Mandat in Land oder Bund selbstbewusst auftreten und die Dinge mit großer innerer Gelassenheit bewerten kann“. So spreche er von einem „großartigen Wahlkampf“ mit überzeugenden Kandidaten, ohne sich vom Ausgang irritieren zu lassen.

„Schmutzkampagne der Grünen“ für Misserfolg verantwortlich

Eine selbstkritische Aufarbeitung erspare er der Partei durch seine „schnell und klar“ gewonnene Erkenntnis, dass eine „Schmutzkampagne der Grünen“ für den Misserfolg verantwortlich sei. Auch sein Ratschlag, die Koalition mit den Grünen im Zweifel platzen zu lassen, zeuge von politischer Weitsicht. Fazit: Für seine „Gelassenheit gegenüber Wahlergebnissen“ und die Vermeidung „einer langwierigen ... innerparteilichen Debatte“ habe Mörseburg die Medaille allemal verdient. So schelmisch sich das alles liest, Löffler meint es ernst: In der nächsten Sitzung, beantragt er, möge der Kreisvorstand seinen Vorschlag beraten.

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