Landtagswahl 2026 Gehring gewinnt Wahlkreis – AfD zieht ein, FDP-Abgeordneter Haußmann raus

Nach der Landtagswahl vertreten CDU, Grüne und erstmals die AfD den Wahlkreis Schorndorf im Landtag. Foto: Gottfried Stoppel

Drei Abgeordnete aus dem Wahlkreis Schorndorf ziehen erneut in den Landtag ein – jedoch mit veränderter politischer Zusammensetzung.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Der CDU-Kandidat Christian Gehring hat im Wahlkreis Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) das Direktmandat von den Grünen zurückerobert. Der Landtagsabgeordnete kommt auf 34,1 Prozent der Erststimmen und liegt mit rund 7200 Stimmen vor dem Grünen-Kandidaten Florian Haßler, der 23,9 Prozent erreicht hat – wie auch die folgende Grafik zeigt:

 

Dahinter folgen Stephan Schwarz (AfD) mit 17,3 Prozent, Jochen Haußmann mit 8,1 Prozent, Peter Hutzel (SPD) mit 8,0 Prozent sowie Avra Emin (Die Linke) mit 4,0 Prozent. Weitere Bewerber waren Dirk Manske (Freie Wähler) mit 2,7 Prozent, Sven Schmidt (Volt) mit 1,2 Prozent und Brigitte Aldinger (die Basis) mit 0,8 Prozent.

Bei den Zweitstimmen zeigt sich dagegen eine andere Verteilung, allerdings auch ein deutlich engeres Bild zwischen den großen Parteien: Die Grünen liegen mit 30,9 Prozent der Stimmen knapp vor der CDU (30,4 Prozent), wie diese Grafik zeigt:

Dahinter folgen AfD (18,1 Prozent), FDP (6,3 Prozent), SPD (5,0 Prozent) und Die Linke (3,3 Prozent). Gegenüber der vergangenen Wahl legt die CDU um 6,2 Prozentpunkte zu, die AfD gewinnt sogar 8,0 Punkte hinzu. Verluste verzeichnen vor allem FDP (-10,0 Punkte) und SPD (-5,4 Punkte), während Grüne (+1,2) und Linke (+0,7) leicht zulegen.

In welchen Gemeinden im Wahlkreis Schorndorf die Grünen und wo die CDU gewonnen hat, zeigt diese Karte:

Neben Christian Gehring (CDU) und Florian Haßler (Grüne) schafft damit auch der AfD-Kandidat Stephan Schwarz den Einzug ins Parlament. FDP-Politiker Jochen Haußmann, der seit 2011 die Liberalen im Landtag vertreten hatte, scheidet dagegen aus.

CDU: „Der Stachel sitzt tief“

Christian Gehring holte für die CDU das Direktmandat. Foto: privat

Bei aller Freude über das errungene Direktmandat zeigte sich Christian Gehring enttäuscht über das landesweite Abschneiden seiner Partei und den Verlauf des Wahlkampfs. „Die Enttäuschung sitzt tief, der Stachel sitzt tief“, gab er zu Protokoll. Zugleich sprach er von einer „Schmutzkampagne“ gegen CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. „Es wurde Schmutz ausgegraben, der sich verfangen hat – diese Art Wahlkampf kennt man sonst eher aus den USA.“

Florian Haßler kommt über die Landesliste der Grünen ins Parlament. Foto: Steffen Schmid

Grünen-Kandidat Florian Haßler wertete das Abschneiden seiner Partei positiv: „Wir haben auf den letzten Metern einen überragenden Wahlkampf geführt – Cem Özdemir und die Partei“, sagte er. Mit Blick auf den Wahlkreis betonte er: „Hier wurde immer ein fairer Wahlkampf geführt, und ich danke den Kandidaten von CDU, FDP und SPD.“ Den Vorwurf einer Schmutzkampagne wies er zurück. Die Schuld den Grünen zuzuschieben, sei „Quatsch“, sagte der 48-jährige Staatssekretär im Staatsministerium. „Da macht man es sich zu einfach. Diese Videos haben wir nicht zu verantworten.“

Stephan Schwarz neu im Landtag

Neu im Landtag: Stephan Schwarz von der AfD Foto: privat

AfD-Kandidat Stephan Schwarz wertete das Ergebnis seiner Partei im Wahlkreis als Bestätigung ihres politischen Kurses. „Ich freue mich riesig über das Wahlergebnis im Wahlkreis Schorndorf“, sagte er. Der Stimmenzuwachs zeige, dass immer mehr Menschen eine klare politische Alternative wollten. Die AfD werde nun „eine starke Stimme der Bürger im Landtag“ sein. Wirtschaftspolitische Fragen seien im Wahlkampf das dominierende Thema gewesen.

Peter Hutzel: „Der Einsatz für unsere Demokratie endet nicht mit dem Wahltag.“ Foto: privat

SPD-Kandidat Peter Hutzel sprach nach der Wahl von einem „enttäuschenden“ SPD-Ergebnis im Land. Sein Abschneiden mit 8,0 Prozent und 5632 Stimmen wertete er zugleich als Bestätigung für persönlichen Einsatz und viele Gespräche vor Ort. „Der Einsatz für unsere Demokratie endet nicht mit dem Wahltag“, erklärte Hutzel.

Für den FDP-Abgeordneten Jochen Haußmann bedeutet die Wahl dagegen das Aus im Landtag nach 15 Jahren. Die Liberalen scheiterten landesweit an der Fünfprozenthürde. „Ein bitteres Ergebnis, das ich befürchtet habe – man stellt sich ja auf verschiedene Szenarien ein“, sagte er. Die zuletzt schwachen Umfragewerte hätten seine Sorge genährt, dass es für die FDP nicht reichen könnte. Seine Gedanken seien nun vor allem bei den Beschäftigten der FDP-Fraktion im Landtag. „Es gilt jetzt, die Fraktion abzuwickeln. Mein persönliches Schicksal steht da nicht im Vordergrund.“

Kleinere Parteien wie FDP, SPD und Linke hätten im Wahlkampf Stimmen verloren, weil sich die öffentliche Aufmerksamkeit stark auf die beiden Spitzenkandidaten konzentriert habe. „Inhalte wurden in der Berichterstattung nur noch sekundär – das hat Stimmen gezogen“, sagte Haußmann.

„Keine Glücksversicherung“

Jochen Haußmann ist künftig nicht mehr im Landtag vertreten. Foto: privat

Besonders bitter sei aus seiner Sicht, dass die FDP nach dem Ergebnis der Briefwahl im Landtag vertreten gewesen wäre. Zunächst wolle er das Ergebnis sacken lassen und dann in Ruhe entscheiden, wie es für ihn weitergehe. Mit einem Zitat des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss fasste er seine Haltung zusammen: „Demokratie ist keine Glücksversicherung.“ Dennoch gelte es, „den Kopf nicht in den Sand zu stecken und nach vorne zu schauen“. Die FDP bleibe eine „starke Kraft mit engagierten Mitgliedern“.

Das Ergebnis zeigt damit eine Verschiebung im politischen Kräfteverhältnis im Wahlkreis. Die CDU gewinnt das Direktmandat zurück, die Grünen bleiben bei den Zweitstimmen knapp stärkste Kraft, und die AfD etabliert sich deutlich als dritte politische Kraft. Der Wahlkreis Schorndorf wird damit weiterhin von drei Abgeordneten im Landtag vertreten – allerdings mit veränderter politischer Zusammensetzung.

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