Wer sind die 23 Abgeordneten, die die AfD in den neu gewählten Landtag von Baden-Württemberg schickt? Wir haben zusammengetragen, was aus öffentlich zugänglichen Quellen über die drei Frauen und 20 Männer herauszufinden ist.

Stuttgart - Wer sind die 23 Abgeordneten, die die AfD in den neu gewählten Landtag von Baden-Württemberg schickt? Nachdem über die beiden direkt gewählten Landtagsabgeordneten berichtet wur de, rücken die 21 übrigen neuen AfD-Abgeordneten in den Fokus.

Bei vielen von ihnen handelt es sich um Quereinsteiger und Politik-Neulinge, andere sind seit vielen Jahren auf Gemeindeebene politisch aktiv und waren früher bei anderen Parteien.

Über einige der AfD-Abgeordneten sind so gut wie keine Informationen verfügbar; einige von ihnen sprechen nicht mit etablierten Medien – äußern sich aber gern beispielsweise über ihren Facebook-Account.

Wir haben nachgeforscht, was aus öffentlich zugänglichen Quellen über die drei Frauen und 20 Männer herauszufinden ist, die künftig die AfD-Wählerinnen und Wähler im baden-württembergischen Landtag vertreten werden. Nachfolgend stellen wir die Abgeordneten vor.

Professor Jörg Meuthen, Wahlkreis Backnang:

Der 54-Jährige gilt als das freundliche Gesicht der Partei. Ursprünglich als Bernd-Lucke-Fan eingetreten, ist Jörg Meuthen mittlerweile Frauke Petrys Co-Sprecher in der Bundespartei. Im Wahlkampf zeigte sich Meuthen stets etwas zurückhaltender als seine Kollegen aus dem Bund oder Land. In seinem Wahlkreis Backnang holte er 19,7 Prozent der Stimmen. Bei der Wahlparty am Sonntag sprach Meuthen auch über die Belastungen des Wahlkampfs: Man habe die AfD „auf jede erdenkliche Weise bekämpft, wir wurden als rechtspopulistisch bezeichnet, was wir nicht sind“. Auch die Etiketten rechtsextrem und fremdenfeindlich wies Meuthen von sich. Meuthen, mittlerweile zum Fraktionschef der neuen Fraktion im Landtag in Stuttgart gewählt, gilt als Gegner der gleichberechtigten Homo-Ehe.Getty

Dr. Heinrich Fiechtner, Wahlkreis Göppingen

Der Onkologe und Palliativmediziner mit einer Praxis in Stuttgart sitzt bereits seit 2014 für die AfD im Stuttgarter Gemeinderat. In seinem Wahlkreis Göppingen holte er am Sonntag 17,4 Prozent. Fiechtner (Jahrgang 1960) ist Vertreter eines erzkonservativen Familienbildes und lehnt die Ganztagsbetreuung von Kindern ab. Auch die „ungesteuerte Einwanderung aus fremden Kulturen“ habe ihn zu seinem Engagement in der AfD bewogen. Fiechtner gilt auch innerhalb der Partei als Rechtsaußen. Empörung löste unter anderem aus, dass er den Stuttgarter OB Fritz Kuhn (Grüne) einmal auf Facebook als „miesen, faschistoid-populistischen Scharfmacher“ bezeichnete und den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ verglich.

Bernd Grimmer, Wahlkreis Pforzheim

Haarscharf holte Bernd Grimmer, 65 Jahre alt, am Sonntag mit 24,2 Prozent der Stimmen das Direktmandat für die AfD in Pforzheim - er errang 59 Stimmen mehr als die Kandidatin der Grünen. Grimmer war Anfang der 80er Jahre selbst Gründungsmitglied der Grünen, saß für sie zehn Jahre lang im Gemeinderat. In den Neunzigern wechselte er zu den Freien Wählern. Den Sprung in den Landtag schafft er erst jetzt mit der AfD. „Damit habe ich in keiner Weise gerechnet“, sagt Grimmer einen Tag nach der Wahl. Schließlich habe die AfD eine „maßlose Schmutzkampagne“ der übrigen Parteien im Wahlkampf durchlitten. Er sagt, dass mindestens 70 Prozent der AfD-Wahlplakate zerstört wurden. „Doch zu unserer Freude hat das wenig gewirkt.“ Seinen Erfolg erklärt er sich unter anderem durch seinen Bekanntheitsgrad: „Ich sitze seit mehr als 20 Jahren im Pforzheimer Gemeinderat.“ Seit Juni 2013 ist der promovierte Wirtschaftswissenschaftler AfD-Stadtrat, mittlerweile mit zwei anderen Parteimitgliedern. „Da mich viele in der Stadt kennen, kann keiner sagen, ich sei jetzt plötzlich ein Rassist.“ dpa

Rüdiger Klos, Wahlkreis Mannheim I

Klos (Jahrgang 1960) hat für die AfD das zweite Direktmandat geholt - ausgerechnet in der einstigen SPD-Hochburg Mannheim. Er ist Sohn eines Sudetendeutschen und einer Italienerin, katholisch, verheiratet und hat drei schulpflichtige Kinder. Ansonsten weiß man nicht viel über Klos, der stellvertretender Landessprecher der AfD ist. Mit dem „Mannheimer Morgen“, seiner Heimatzeitung, will Rüdiger Klos nicht sprechen, denn der „MM“ habe die AfD „wie den letzten Dreck“ behandelt. Solange sich die Zeitung nicht von einem Kommentar, der mit „Brauner Soße“ getitelt war, distanziere, stünde er für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Im Wahlkampf gab sich Klos moderat und vertrat den programmatischen Mainstream der Partei. Im Gegensatz zum radikalen deutschnationalen Flügel äußerte er durchaus Vertrauen in die Justiz und die Polizei, sofern man diese vernünftig ausstatten würde. Der Stellenabbau der Polizei müsse rückgängig gemacht werden. Als Gegenfinanzierung müssten die Ausgaben für den „Gender-Wahn“ und für die alternative Energiepolitik gestrichen werden. Eine gewisse Leidenschaft entwickelt der eher ruhig formulierende Klos beim Thema Windkraft. Diese sei ein ökologisches Desaster und ökonomisch ein Schildbürgerstreich. Bis hin zu den durch die Rotoren „massenhaft getöteten Fledermäusen“ führt Klos jedes erdenkliche Argument gegen diese Art von Energiegewinnung an. dpa

Kandidaten aus Main-Tauber, Balingen, Tuttlingen- Donaueschingen, Heilbronn und Singen

Christina Baum, Wahlkreis Main-Tauber-Kreis

Die stellvertretende Landesvorsitzende Christina Baum (Jahrgang 1956) zählt sich zu den Freunden Björn Höckes und darf zum deutschnationalen Flügel der Landespartei gezählt werden. Sie hat bei Höckes regelmäßigen und gut besuchten Demonstrationen in Erfurt gesprochen – unter anderem zu ihrem politischen Lieblingsthema, der Meinungsfreiheit. In ihrem Wahlkreis Main-Tauber sicherte sie sich am Sonntag 17,2 Prozent. Ihr Hauptanliegen ist der Kampf gegen die „Meinungsdiktatur“. Es herrschten hierzulande Verhältnisse, die sie so sogar in der DDR nicht erlebt habe. Baum, die mit ihrem Mann eine Zahnarztpraxis in Lauda-Königshofen betreibt, führte im Wahlkampf als Beispiel für unterdrückte Tatsachen die „Frühsexualisierung unserer Kinder“ an. In den Kindergärten würden Kinder zu homosexuellen Handlungen und Masturbation animiert. Ziel dieser und anderer Maßnahmen der Frühsexualisierung, die von der etablierten Politik betrieben werde, sei „Freiheit für die Pädophilen und Sex ab zwölf Jahren“. Die entsprechenden politischen Grundlinien fänden sich seit 1988 auch im Parteiprogramm der CDU. „Das alles geht nur, weil niemand etwas davon weiß“, so Baum. AfD

Stefan Herre, Wahlkreis Balingen

Der 24-Jährige - und künftig jüngste Landtagsabgeordnete – hat nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker einen Handwerks- und einen Industriemeister absolviert, gründete ein IT-Startup und arbeitete bis zuletzt als selbstständiger Berater. Für seinen Wahlkreis Balingen erhielt Stefan Herre 18,1 Prozent der Stimmen. Auf Facebook hat er unter anderem die Seiten „Patriotische Plattform – Sachsen“ und „Pegida BW – Stuttgart“ mit einem „Like“ markiert. In einem Artikel des „Schwarzwälder Boten“ sagte er, er sei politisch schon immer interessiert gewesen, ein „klassischer CDU-Befürworter“. Vor fünf Jahren sei er kurz davor gewesen, in die Junge Union einzutreten – bis es zur Griechenland- und Eurokrise kam. Weil man in der CDU, so Herre, über die Eurorettungs-Politik der Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr offen habe diskutieren dürfen, sei er zur „Wahlalternative 2013“ gestoßen – dem Vorgänger der AfD. „Asyl braucht Grenzen“, sagte Herre in dem Bericht, „wir müssen entscheiden, wer unser Land betreten darf.“ Dringend notwendig sei angesichts des demografischen Wandels ein Einwanderungsgesetz, das regeln soll, „welche Menschen wir hier in Deutschland brauchen und wollen“. Für die Auswahl müsse es klare Kriterien geben – etwa Qualifizierung, Vermögen, aber auch Vorstrafen. Vorbilder dafür seien etwa Australien, die USA und Kanada. „Wir sind keine rechtsradikalen Spinner, wir sind besorgte Bürger“, lautete Herres Selbsteinschätzung, und: „Ich sehe uns als CSU für den Rest Deutschlands.“ AfD

Lars Patrick Berg, Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen

Berg ist ähnlich wie Meuthen dem moderateren Flügel der Partei zuzuordnen. Der falsche Weg sei es aber, Meinungen von Parteimitgliedern zu unterdrücken. „Oberstes Prinzip ist es, dass alle Mitglieder angehört werden“, erklärt Berg, „danach muss in der Sache hart diskutiert werden, um eine gemeinsam Position zu finden.“ Und er wiederholt: das alles müsse hinter verschlossenen Türen geschehen. Offensichtlich soll in Baden-Württemberg ein Szenario wie in Thüringen vermieden werden, wo nach der Landtagswahl Ende 2014 die AfD-Fraktion in einem schmutzigen Grabenkrieg versank und sich schließlich gespalten hat. Für seinen Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen fuhr er 15,9 Prozent der Stimmen ein. Auf der Internetplattform Facebook ist er beliebt: Die offizielle Seite des 49-Jährigen hat knapp 2400 Likes. Dort postet er unter anderem Stichworte, für die aus seiner Sicht Grün-Rot steht – und die gegen deren Politik spreche: „Veggieday, Dieselverbot, Naive Willkommenskultur, Beschlagnahme von privaten Immobilien, Abschaffung des Gymnasiums“. Die SWR-Elefantenrunde am vergangenen Donnerstag kommentiere er mit: „Übliches AfD-Bashing von CDU-Wolf, Kretschmann und Co. Auch der kleine SPD-Nils voll in Fahrt. Fazit: Hohle Phrasen und sonst nichts. Bedauerlich...” Auf Facebook hat Berg als Beruf „Oberstleutnant in Reserve“ angegeben, bis Sommer 2014 war er ein knappes Jahr als Pressesprecher im Landratsamt in Sigmaringen tätig. Anschließend wechselte er als Pressesprecher für die AfD ins Europaparlament nach Brüssel.

Rainer Podeswa, Wahlkreis Heilbronn

Der Heilbronner ist Vorstand bei dem Automobilzulieferer Beru. Podeswa (Jahrgang 1957) erhielt im Wahlkreis Heilbronn 18,2 Prozent der Stimmen. Er hat eine eigene Website, auf der rechts oben das Logo der AfD prangert. Auf www.rainer-podeswa.de teilt er seine politischen Positionen: „Für ein Ende der Massenzuwanderung und des Asylmissbrauchs“ oder „für ein differenziertes, leistungsorientiertes Bildungssystem – gegen Frühsexualisierung und Genderwahn“. Auf dem AfD-Landesparteitag sagte Podeswa: „Die Gender-Ideologie ist der geistige Ausfluss von Spinnern mit einem kommunistischen Heile-Welt Bild, welches selbst Karl Marx nicht verstanden hätte.“ Er kritisierte, dass „Frauen mit Privilegien, Förderprogrammen und Sonderrechten zu Lasten von Männern ausgestattet werden“. Auf seiner Facebookseite spricht Podeswa von Flüchtlingen als „Analphabeten aus Steinzeitkulturen“. AfD

Wolfgang Gedeon, Wahlkreis Singen

Wolfgang Gedeon ist Autor der 2012 erschienenen Streitschrift „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“. Bereits die Kapitelüberschriften deuten an, worum es geht, etwa „Die Fälle Liu Xiaobo und Horst Mahler – Ist eine strafrechtliche Verfolgung von „Holocaust-Leugnung“ legitim?“, „Allgemeiner Sex- und spezieller Schwulenkult (Über Sexualismus und Homosexualismus)“, „Multi-Kulti-Ideologie, Zuwanderungslobbyismus und Fremdenkult (Über Migrationismus, Migrantismus und Xenomanie)“ oder „Strategisches Vorgehen der Migrationisten“. In seinem Wahlkreis Singen erhielt Gedeon 15,7 Prozent der Stimmen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung wurde Gedeon laut eines Artikels im „Südkurier“ von dem SPD-Kreisvorsitzenden in Singen Tobias Volz gefragt, ob dieser sich selbst schon mal ein Bild in einem hiesigen Flüchtlingsheim gemacht habe. Das verneinte Gedeon: „Es ist nicht meine Aufgabe, in ein Flüchtlingslager zu gehen.“ Und die Politik von Angela Merkel sei „eine Form von Wahnsinn“. AfD

Die Kandidaten aus Ulm, Eppingen, Kehl und Calw

Daniel Rottmann, Wahlkreis Ulm

Der 46-Jährige ist in Freudenstadt aufgewachsen. Rottmann studierte evangelische Theologie in Mittelhessen und ließ sich anschließend zum Buchhändler ausbilden. Fünf Jahre war er Filialleiter, mittlerweile arbeitet er im Einzelhandel. Rottmann ist ledig und gab in der „Südwestpresse“ als Interessen Politik, Bücher, Filme, Schach und Tanzen an. Er sorgte für Furore, als er im Wahlkampf auf Facebook ein Bild der Weißen Rose teilte und darunter schrieb: „Diesem kämpferischen Geist sehen wir uns in Ulm verpflichtet. Damals wie heute lief in Deutschland etwas aus dem Ruder, lasst uns gemeinsam dagegen antreten.“ In einem Interview mit der „Südwestpresse“ sagte er: „Das wirklich Faszinierende an der Weißen Rose ist, dass sie erkannt hat, dass Dinge falsch laufen und sie das dann auch benannt hat. Für uns hat das echten Vorbild-Charakter. Wir wollen kritische Punkte finden und ansprechen.“ Zur Flüchtlingspolitik meinte Rottmann, dass man momentan die Grenzen dicht machen müsste, da der „Massenansturm“ sonst noch größer werden könnte. Rottmann spricht sich in dem Interview zudem gegen den Bildungsplan, gegen Gemeinschaftsschulen und gegen die Energiewende aus: „Der Umstieg war total überstürzt. Wir als AfD sind für ein zehnjähriges Moratorium mit dem aktuellen Energiemix.“ Zum Bildungsplan sagte er: „Da geht es um die Gender-Ideologie. Da drängt sich uns der Verdacht auf, dass es um eine Nivellierung der Geschlechter geht. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sollen negiert werden. Das würde den Kampf der Geschlechter eher verstärken.“AfD

Thomas-Axel Palka, Wahlkreis Eppingen

Der ehemalige Techniker, der mittlerweile in Rente ist, holte in seinem Wahlkreis Eppingen 18,3 Prozent der Stimmen. Im Netz ist wenig von ihm zu finden – abgesehen von seiner Facebook-Seite. Dort schreibt Palka mit Blick auf die Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Von sowas werden wir regiert! WEG! Einfach nur weg damit!“ Politische Gegner bezeichnet er als „linke Bakterien“. Den Drogenfund beim Grünen-Politiker Volker Beck kommentierte Palka: „Und diese Leute regieren uns, echt Grüne, entweder drogensüchtig, schwul, lesbisch, Kommunisten oder beschränkt. Die kümmern sich um Familienpolitik. Es wird Zeit, dass solche Leute wegkommen.“ Er verweist auch auf eine Seite, die unter anderem für das Ansehen der rechtsradikalen NPD kämpft. Dem Link zufolge sei das Oktoberfestattentat 1980 vom Bundesnachrichtendienst verübt worden, um die Tat der rechten Szene anlasten und die NPD stoppen zu können. AfD

Stefan Räpple, Wahlkreis Kehl

Der 34-jährige Stefan Räpple hat in Freiburg eine Hypnose-Praxis mit dem Namen „Räpple Hypnose“. Als seine Anwendungsgebiete nennt er Abnehmen, Nichtraucher-Hypnose und eine Blockadenlösung: „Ich kann Ihnen kein Blanko-Heilversprechen geben. Jedoch: Dort, wo Sie sich auf Hypnose einlassen, in diesen Bereichen wird Ihnen in jedem Fall geholfen werden“, wirbt er. In seinem Wahlkreis Kehl erhielt er 15 Prozent der Stimmen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bohlsbach, bei der auch Parteichefin Frauke Petry zu Gast war, sagte Räpple: „Wir lassen nicht zu, dass weiter Politik gegen das Volk gemacht wird. Wir leben nur in einer halben Demokratie.“ Die meisten Flüchtlinge seien illegale Einwanderer. Und er verteidigte seine Chefin Petry: Einen Schießbefehl an der Grenze habe sie nie gefordert. Auf Facebook hat Räpple bereits eine offizielle Seite mit knapp 430 Likes. Dort bestätigt er unter anderem, dass die AfD für die Abschaffung des Klimaschutzes ist, sowie die AfD sich für eine Abschaffung der Gleichstellungsbeauftragten in Behörden ausspricht – Firmen dagegen „dürften mit ihrem Geld machen, was sie wollen“. Räpple war einer der AfD-Landtagskandidaten, der sich intensiv für eine Wahlbeobachtung einsetzte. AfD

Dr. Heinrich Kuhn, Wahlkreis Calw

Der Altensteiger, der für den Wahlkreis Calw mit 19,1 Prozent in den Landtag einzieht, machte bisher vor allem mit Äußerungen zum Klimawandel auf sich aufmerksam. Bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte Kuhn, der Klimawandel sei lediglich die Erfindung einer amerikanischen Werbeagentur, die im Jahr 1986 aus dem CO2-Ausstoß Profit schlagen wollte: „Es konnte nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass der Klimawandel durch CO2 stattgefunden hat.“ Er halte generell Windkraft im Süden für ineffizient und unwirtschaftlich. Abschließend meinte er: „Wir sind einer irrsinnigen Werbestrategie auf den Leim gegangen. Das müssen wir jetzt mit der Verschandelung unserer Landschaft büßen.“ In einem Leserbrief an die „Junge Freiheit“ schrieb er im Jahr 2013 über Schwangerschaftsabbrüche als „Sterbehilfe von nahezu 10 Millionen Ungeborenen“. Heinrich Kuhn (Jahrgang 1940) zieht als ältester Abgeordneter in den Landtag ein. Der Tradition folgend, muss er daher zur konstituierenden Sitzung am 11. Mai einladen und leitet diese bis zur Wahl des Landtagspräsidenten und der Stellvertreter.AfD

Die Kandidaten aus Schwetzingen, Neckarsulm, Schwäbisch Hall, Bruchsal und Wiesloch

Klaus-Günther Voigtmann, Wahlkreis Schwetzingen

Der 70-jährige Wirtschaftsingenieur war bis zu seiner Rente Unternehmensberater. Er hat vier Kinder und ist verheiratet. Voigtmann hatte sich bereits im Jahr 2013 für die AfD zur Bundestagswahl aufstellen lassen. In jüngeren Jahren war er von 1972 bis 1975 Mitglied der SPD. Voigtmann wirbt auf der Internetplattform „abgeordnetenwatch.de“ damit, dass er sich im Falle eines Bundestagsmandates vor allem für ein Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung eingesetzt hätte, sowie eine komplette Veröffentlichung von Nebeneinkünften und für eine „unverzügliche Veröffentlichung aller Parteispenden über 10 000 Euro“. Im Wahlkampf zur Landtagswahl war er auf „abgeordnetenwatch.de“ nicht mehr aktiv. Auch sonst sind im Netz wenig aktuelle Informationen oder Presseartikel zu ihm zu finden.AfD

Carola Wolle, Wahlkreis Neckarsulm

Die Diplom-Kauffrau führt in Heilbronn ein Unternehmen im Bereich Heizung und Klima mit drei Mitarbeitern. Sie hat einen Sohn. Mit 52 Jahren ist sie Polit-Neuling in der AfD, der sie sich in deren Gründungsjahr 2013 als Mitglied angeschlossen hat. Öffentliche Auftritte des AfD-Mitbegründers Bernd Lucke haben sie überzeugt, sagt sie. Auf Facebook teilt Wolle unter anderem Zeitungsbeiträge, in denen darüber berichtet wird, dass Asylbewerber Drogen verkauft haben. Sie kommentiert dies mit: „Alles Einzelfälle…“ Das Thema Schulpolitik steht für Carola Wolle ganz oben auf der Dringlichkeitsliste für das neue Landesparlament, sagte sie der „Südwestpresse“. Laut der „Heilbronner Stimme“ sagte sie bei einer Wahlkampfveranstaltung zum Bildungsplan: „Frühkindliche Masturbation mittels Doktorspielen soll dort vermittelt werden“ – für Kinder zwischen null bis vier Jahren. Sexualkunde soll ab der ersten Klasse unterrichtet werden, wobei Sexualpraktiken „en détail“ eine Rolle spielten. Tatsächlich nimmt Wolle dabei Bezug auf ein Konzept der WHO und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, in dem die sexuelle Entwicklung von Kindern beschrieben wird: Es geht darum, dass Doktorspiele nicht verurteilt werden – nicht aber um die Anleitung dazu. Zudem sagte sie laut der „Heilbronner Stimme“ bei der Wahlkampfveranstaltung, dass Windräder auch in Naturschutzgebieten zugelassen werden. Tatsächlich bezeichnet der Windenergieerlass aber Naturschutzgebiete explizit als tabu. AfD

Udo Stein, Wahlkreis Schwäbisch Hall

Auf der Skala der „weit gefächerten Weltbilder“ innerhalb der „Alternative für Deutschland“ stufte sich der 32-jährige Udo Stein in der „Südwestpresse“ selbst als „konservativ-liberal“ ein. Gegen eine perfide Hetze auf dem Rücken von Flüchtlingen, wie sie von der NPD betrieben wird, grenze er sich ab – sei jedoch „darüber schockiert“, was passiere, wenn man sich als AfD-Mitglied auch mit der Flüchtlingsfrage kritisch auseinandersetze und sofort mit der „Nazi-Keule“ bedacht werde. Auf seiner Facebook-Seite schreibt Stein so gut wie nichts selbst, sondern teilt vor allem Fotos der AfD in anderen Bundesländern, sowie von der „Jungen Freiheit“ .AfD

Rainer Balzer, Wahlkreis Bruchsal

Der 55-Jährige ist promovierter Maschinenbauer, war länger in der Industrie tätig und wurde dann Lehrer an einer Beruflichen Schule in Wiesloch. Seit 1992 arbeitet er als zudem als Dozent an der Dualen Hochschule. Er ist verheiratet, von Kindern erfährt man auf der entsprechenden AfD-Kreishomepage nichts. Laut der Website schaut Balzer in seiner Freizeit „unsere schöne Welt als Flieger von oben an“, malt gerne oder gestaltet modernen Schmuck. Bis Balzer im Jahr 2013 in die AfD eintrat, war er politisch aktiv in der CDU, ehemals noch in der Jungen Union. Balzer zog mit 19,7 Prozent für seinen Wahlkreis in den Landtag ein.AfD

Claudia Martin, Wahlkreis Wiesloch

Die Erzieherin hat mit 18,6 Prozent der Stimmen ein Zweitmandat ergattern können. Im Netz findet man wenig zu ihr – lediglich ein Statement zum Wahlergebnis. „Das hat mich wie ein Schlag getroffen“, sagte Claudia Martin der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Dass sie selbst gewählt werden könnte, „damit habe ich nicht gerechnet“. Im Landtag wolle sie sich vor allem ihren beiden Kernthemen Bildung und Familie widmen. Die 46-jährige Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohns stammt aus dem Erzgebirge, absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und zog 1994 in die Rhein-Neckar-Region. Hier arbeitet sie in einem Walldorfer Kindergarten.AfD

Die Kandidaten aus dem Enzkreis, aus Hohenlohe, Hechingen-Münsingen und Heidenheim

Bernd Gögel, Wahlkreis Enzkreis

Der 64-Jährige ist selbstständiger Speditionskaufmann und holte im Enzkreis 19,2 Prozent der Stimmen. In einem Interview mit „Regio-News“ sagte er, dass ihm das Thema Innere Sicherheit besonders am Herzen liege: „Auch Kleinstdelikte müssen geahndet werden und Täter müssen ohne Rücksicht auf Hautfarbe, Religion oder Staatsangehörigkeit, mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden.“ In der Flüchtlingspolitik verlangt er, eine sofortige Entscheidung bezüglich der gerechten Verteilung der bereits eingereisten Menschen. Sollte dies nicht bis Ende März 2016 gelingen, müsse Deutschland seine Grenzen schließen und die ankommenden Menschen in Lagern an der Grenze menschenwürdig versorgen und in die Herkunftsländer oder die Lager in der Nähe der Herkunftsländer zurückbringen. Als Abgeordneter wolle er sich dafür einsetzen, dass die tatsächlich entstandenen und noch entstehenden Kosten für die Versorgung und Betreuung von Asylbewerbern von der Bundesregierung übernommen werden und gesetzlich abgesichert werden. „Es geht hier um das Prinzip ‚Wer bestellt, der bezahlt‘“, sagte er „Regio-News“. Zudem wolle er für einen freien Internetzugang im öffentlichem Raum kämpfen und für die teils „katastrophalen Verkehrswege“. In der Bildungspolitik spricht er sich für eine „ideologiefreie Pädagogik“ aus und für die „Wiederherstellung der akademischen Freiheit an den Universitäten, die diese durch die Bologna-Reform eingebüßt haben“. AfD

Anton Baron, Wahlkreis Hohenlohe

Der 28-Jährige ist der Sohn von russlanddeutschen Heimkehrern. Der Wirtschaftsingenieur ist bei einem Künzelsauer Unternehmen als Produktmanager angestellt und hat eine feste Freundin. Bei der AfD ist er seit Ende 2014 Mitglied. In seinem Wahlkreis Hohenlohe erhielt er 17,1 Prozent der Stimmen. „Wir sind nicht so, wie wir in den Medien dargestellt werden“, verteidigte Baron in der „Südwestpresse“ seine Partei. In den Medien würden immer nur Leute rausgepickt, die mal was Falsches gesagt haben, und das würde dann groß inszeniert. Allerdings sei die Äußerung von Frauke Petry über Waffeneinsatz gegen Flüchtlinge auch für ihn ein Schlag ins Gesicht gewesen, weil sie viel von der Überzeugungsarbeit gefährdet habe, die er bei den Wählern geleistet habe. Der „Südwestpresse“ sagte er, dass ihn die Griechenlandkrise und die Pläne zur Energiewende überzeugt hatten, bei der AfD einzutreten. Es habe ihn „maßlos geärgert“, wie da über die Köpfe der Leute hinweg bestimmt werde. Die Rettungspakete für Griechenland seien wirtschaftlicher Unfug gewesen. AfD

Hans Peter Stauch, Wahlkreis Hechingen-Münsingen

„Wie die Jungfrau zum Kind“ sei Hans Peter Stauch zum Mandat gekommen – das sagte er am Dienstag dem „Reutlinger General-Anzeiger“. Weil die AfD-Kandidatin Carola Wolle zugleich im Wahlkreis 20 angetreten war und dort ein noch besseres Ergebnis erzielt hatte, fällt ihr im Wahlkreis Hechingen-Münsingen gewonnenes Mandat an den Ersatzkandidaten. Für Stauch ist die Politik Neuland: Der 63-jährige, geschiedene Servicetechniker gab zu: „Das ist ein Sprung in ein ganz neues Metier“. Wofür er sich politisch einsetzen will, wisse er aber sehr genau, verweist der 63-Jährige auf sein mehrjähriges Engagement in der AfD. Gleich 2013 sei er in die Partei eingetreten, er habe die AfD bei der Bundestagswahl und bei der Europawahl aktiv unterstützt. Und als ihm der Posten des Ersatzbewerbers für den Landtags-Wahlkreis 61 angetragen wurde, habe er Ja gesagt. Direkte Demokratie nach dem Schweizer Vorbild, gesteuerte Zuwanderung nach Bedarf und Qualifikation, ein „Verbot aller politischen religiösen Aktivitäten, die aus dem Ausland finanziert werden“ – diese Themen seien ihm wichtig. AfD

Heiner Merz, Wahlkreis Heidenheim

Der gebürtige Beinsteiner Heiner Merz (53) absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, später studierte er an der Universität Stuttgart Informatik und BWL. Er sitzt bereits seit 2014 als AfD-Vertreter im Gemeinderat von Fellbach. In Heidenheim trat Merz gegen den Kultusminister Andreas Stoch (SPD) an und sicherte sich 17,2 Prozent. Im Wahlkampf kritisierte er immer wieder Stochs Bildungsplan, in dem die Schüler auch über unterschiedliche sexuelle Ausrichtungen informiert werden sollen. „Statt einer Überbetonung des Sexuellen soll die Zeit lieber für ordentlichen Matheunterricht genutzt werden“, kommentierte Merz in einer Pressemitteilung. Wenn Stoch sexuelle Vielfalt ein „echtes Herzensanliegen“ sei, solle der Kultusminister doch auf den Lehrplan der Waldorfschule Einfluss nehmen, sagte Merz – denn dort gingen die Kinder des Kultusministers auf die Schule.AfDEmil Sänze, Wahlkreis Rottweil: Der 64-Jährige Rentner arbeitete bis zum Jahr 2014 als Betriebswirtschaftler bei der BMW-Bank. Als Pensionär trat Sänze der AfD bei. Bis dahin sei er immer Wähler der FDP gewesen, sagte Sänze dem „Schwarzwälder Boten“ im Januar 2015. In seinem Wahlkreis Rottweil erhielt er 16,4 Prozent der Stimmen. Sänze präsentierte sich im Wahlkampf als tendenziell zurückhaltender AfDler: Von Pegida halte er nichts, sagte er, nachdem er sich selbst in Dresden ein Bild davon gemacht habe. Bei der Bewegung seien Leute dabei, denen er nicht folgen wolle, auch deren Sprache gefalle ihm nicht. AfD

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