Pünktlichkeit und Sauberkeit Stuttgart liegt im Bahn-Ranking weit hinten – Der Sieger fährt auf Mininetz

Der Landessieger ist – nicht aus der Region Stuttgart (links).Die Schwäbische Albbahn (rechts) sticht alle anderen Netze aus. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat seine Bilanz der Qualität im Schienennahverkehr vorgestellt. Vor allem rund um Stuttgart gibt es keine guten Nachrichten.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Bei der Qualität des vom Land bestellten Schienennahverkehrs in Baden-Württemberg gibt es keine Trendwende. Laut dem jetzt vom Landesverkehrsministerium veröffentlichten Qualitätsranking der 32 Regionalnetze im Land, ist auch im ersten Halbjahr 2025 die Pünktlichkeit gesunken. Das sind aktuellsten Daten.

 

Bis auf ein einziges untersuchtes Netz ist zudem die Sauberkeit bei sämtlichen Bahnbetreibern im Land – von der Deutschen Bahn (DB), über Arverio und SWEG bis zu den Schweizerischen Bundesbahnen – erneut schlechter geworden.

Die Bauarbeiten rund um Stuttgart 21 machen sich bemerkbar. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Stuttgart 21 hinterlässt Spuren

Besonders in der Region Stuttgart machen sich die Bauarbeiten rund um Stuttgart 21, insbesondere der aufwendige Umbau für eine digitale Signaltechnik negativ bemerkbar.

Unter den zwölf Netzen mit der schlechtesten Gesamtqualität berühren sechs den Stuttgarter Hauptbahnhof, darunter auf dem vorletzten Platz die Murrbahn mit der Verbindung Stuttgart-Crailsheim-Nürnberg und auf dem drittletzten Platz das Netz Neckartal unter anderem mit den Linien Tübingen-Stuttgart-Heilbronn-Osterburken sowie von Stuttgart nach Pforzheim beziehungsweise nach Bruchsal.

Das Land bewertet die Netze mit einer Punkteskala zu den Themen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Zugkapazität, Sauberkeit und Gesamtzufriedenheit der Fahrgäste. 100 Punkte würden bedeuten, dass die Vorgaben des Landes komplett erfüllt werden.

Unpünktliche Züge rund um Stuttgart

Während beim Thema Pünktlichkeit die Spitzenreiter mehr als 90 Punkte einsammeln, erreichen die Netze rund um Stuttgart bestenfalls um die 75 Punkte. Das genannte Netz Neckartal sowie das Netz Franken/Enz (Stuttgart-Würzburg und Karlsruhe-Aalen) erreichen mit jeweils rund 68 Pünktlichkeits-Punkten mit die schlechtesten Werte in Baden-Württemberg. Nur ein Netz rund um Karlsruhe liegt noch darunter.

Für die weitere Entwicklung im Jahr 2026 ist das Landesverkehrsministerium pessimistisch. Grund sei vor allem die weiter zunehmende Zahl an Baustellen, um die marode und veraltete Infrastruktur zu sanieren. „Vor allem die Baustellen-Kommunikation muss verbessert und fahrgastfreundlich werden“, sagt Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Gesamtpunktzahl immerhin leicht besser

Ein paar Lichtblicke gibt es aber. So hat sich die durchschnittlich erreichte Punktzahl in der Gesamtbewertung von rund 45 auf 48 von 100 möglichen Bewertungspunkten leicht verbessert. Das liegt zum Beispiel daran, dass die Zuverlässigkeit besser wurde, etwa weil weniger Fahrzeuge defekt waren.

Einige Bahnen wie die Ermstal- und Ammertalbahn (Herrenberg-Tübingen-Bad Urach) konnten sich auch klar verbessern. Absteiger des Jahres war hingegen die von DB Regio betriebene S-Bahn Rhein Neckar, wo beide Netze ein sattes Minus verzeichnet haben.

Der Sieger ist eher eine Bimmelbahn

Selbst der Sieger des Jahres, die Schwäbische Albbahn, ist letztlich ein Beispiel dafür, wie weit der Weg im Land noch ist. Denn diese Bahn betreibt nur ein Mininetz. Zwischen Amstetten und Gerstetten fährt sie lediglich Freizeitverkehr und auf der zweiten Strecke Ulm-Schelklingen-Gammertingen. Insgesamt fährt man nur wenige Züge – laut Ausschreibung sind es 225 000 Fahrplankilometer im Jahr. Zum Vergleich: Die größeren Stuttgarter Netze umfassen mehr als vier Millionen Fahrplankilometer.

Immerhin hat nun erstmals ein deutsches Unternehmen den traditionellen Spitzenreiter Schweizerische Bundesbahnen (SBB) mit ihrem Netz Klettgau und der fast komplett innerhalb der Schweiz liegenden, aber zum deutschen Schienennetz gehörenden Strecke zwischen Erzingen und Schaffhausen, auf den zweiten Platz verwiesen.

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