Wenig Grund für optimistische Züge: Regionalpräsident Thomas Bopp, Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber, Verkehrsminister Winfried Hermann und OB Frank Nopper (von links) nach ihren Beratungen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Nachdem die Bahn am Dienstag vorgestellt hat, wie sie in mehreren Schritten Stuttgart 21 bis Dezember 2026 in Betrieb nehmen will, sieht sie sich zum Teil heftigem Widerspruch ausgesetzt. OB Nopper droht damit, „ungemütlich“ zu werden.
Die Bahn wird im Oktober 2025 mit Testfahrten auf den Strecken von Stuttgart 21 beginnen, im Laufe des Jahres 2026 könnten auch erste Züge mit Passagieren im Tiefbahnhof halten, ehe das Gesamtprojekt im Dezember 2026 in Gänze eröffnet werden soll. Dieses Konzept hat DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber am Dienstag beim Lenkungskreis der Projektpartner vorgestellt – und sich im Nachgang einige Kritik anhören müssen. Die Kosten für die Verzögerung bezifferte Huber auf 100 Millionen Euro und versicherte, dies werde den aktuell geltenden Finanzierungsrahmen von 11,453 Milliarden Euro nicht sprengen.
Kopfbahnhof als „letzte Rettung“?
Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), ein über die Jahre beharrlicher Kritiker des Projekts, konnte seine Skepsis nur mühsam kaschieren. „Auch die stufenweise Inbetriebnahme ist ein sehr komplizierter Prozess“, sagte er im Anschluss an den Lenkungskreis. „Einstweilen bleibt es also beim Dezember 2026“, sagte der Minister vieldeutig. Der Kopfbahnhof sei in der Übergangsphase die „letzte Rettung“. Er sei froh, dass die Bahn Abstand „von einer überstürzten Inbetriebnahme“ genommen habe.
Der Stuttgarter OB Frank Nopper (CDU) erinnerte zum wiederholten Mal daran, dass die Stadt dringend die oberirdischen Gleisflächen für den Städtebau benötige. Die nun eingestandene Verzögerung sei „ernüchternd und enttäuschend“. An die Adresse von Berthold Huber sagte der Rathaus-Chef im Wiederholungsfall werde er „nicht nur ungeduldig sondern ungemütlich“.
Stuttgart sieht sich ausgebremst
Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) räumte ein, dass der neuerliche Verzug für das Stuttgarter Städtebauprojekt sehr schlecht sei. Allerdings biete die Verschiebung der Eröffnung zum einen die Möglichkeit, die neue Infrastruktur ausführlicher zu testen und zum anderen, Stuttgart 21 zusammen mit dem Flughafenbahnhof in Betrieb zu nehmen, der auch erst 2026 fertig werden soll.
Die Sitzung des Lenkungskreis war von Protesten begleitet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Deutliche Kritik kam auch aus der Bundes- und der Landespolitik. Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, nannte das Bahn-Konzept „eine Fahrplan-Spekulation ohne konkrete Aussagen“. Er sei „von der Idee, einzelne Züge in den Tiefbahnhof fahren zu lassen, noch nicht überzeugt.“ Gastel hätte sich konkretere Aussagen gewünscht. Die Bahn „hat sich nicht festgelegt, wann welche Relation vor Dezember 2026 auf neuer Infrastruktur bedient werden soll“. Der verkehrspolitische Sprecher der Landtags-SPD, Jan-Peter Röderer, erklärte, „ dass diese Verzögerung der Schadensbegrenzung dient“. Dafür ließ er Verständnis durchscheinen. „Eine Teileröffnung würde das Chaos für die Fahrgäste auf die Spitze treiben“.
Projektgegner bezweifeln das neue Eröffnungsdatum
Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, das am Rande der Lenkungskreissitzung demonstrierte, sprach von der „nächsten Runde Märchenstunde“. Es werde auch 2026 keine Stuttgart-21-Eröffnung geben, prognostizieren die Kritiker. „Die Bahn und ihre Projektpartner in Stadt und Land setzen ihr Täuschungsspiel fort, wie gehabt“.