Syrische Großfamilie Kriminelle Großfamilie: Über eine Million Euro Haftkosten
Nach der Ausreise der berüchtigten syrischen Großfamilie aus Stuttgart im Herbst hat das Justizministerium nun eine bemerkenswerte Rechnung aufgemacht.
Nach der Ausreise der berüchtigten syrischen Großfamilie aus Stuttgart im Herbst hat das Justizministerium nun eine bemerkenswerte Rechnung aufgemacht.
Erleichterung und Empörung gleichermaßen – die von der Justiz geförderte Ausreise der syrischen Großfamilie, die in den vergangenen Jahren für 160 Straftaten, insbesondere Gewaltdelikte, verantwortlich gemacht wurde, hatte im Herbst einige Emotionen ausgelöst. Jetzt, zum Jahresende, hat Landesjustizministerin Marion Gentges (CDU) noch einmal eine detaillierte Rechnung vorgelegt. Dass den 17 Familienmitgliedern ein Handgeld mitgegeben worden war, um sie zur freiwilligen Ausreise zu bewegen, hatte teils für heftige Kritik gesorgt.
Das Justizministerium hatte die Kostenrechnung auf Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Daniel Lindenschmid erstellt, der nach seinen Worten ausloten will, „mit welchen finanziellen Aufwendungen auch bei künftigen Ausreiseprojekten zu rechnen ist“. Demnach hat die sogenannte kontrollierte Ausreise von 17 Personen nach Syrien genau 45.228,57 Euro gekostet. Davon entfallen 11.885,48 Euro auf Flugkosten, 5430,04 Euro für den Transport von fünf Häftlingen zum Flieger, 4261,95 Euro für eine Dokumentenbeschaffung. Dazu kommen 23.000 Euro Handgeld, genannt Förderungsbetrag. Vier Familienmitglieder bekamen je 1000 Euro, die anderen 13 einen rechnerischen Anteil von 1461,54 Euro.
„Die kontrollierte Ausreise war die schnellste und kostengünstigste Lösung, die Familie außer Landes zu bringen, und damit Sicherheit im Land herzustellen“, stellt dazu Siegfried Lorek (CDU) fest, Staatssekretär für Migration im Justizministerium. Eine rechtlich weitaus schwerer durchsetzbare Abschiebung wäre wesentlich teurer gekommen. Noch dazu im Vergleich zu den Haftkosten einzelner Familienmitglieder.
Ein Tag in Haft wird mit etwa 180 Euro veranschlagt – für Infrastruktur, Personalkosten, Verpflegung. Fünf zeitweise inhaftierte Familienmitglieder, die nunmehr ausgereist sind, haben demnach seit 2021 statistisch Kosten von 478.228 Euro produziert. Einer von ihnen war wegen einer Messerstecherei im November 2023 am Mailänder Platz zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt worden. „Natürlich sind das auch rechnerische Größen, die Kosten haben wir trotzdem von Anfang an so klar kommuniziert“, sagt Staatssekretär Lorek.
Doch diese rechnerischen Kosten, die beispielsweise auch bei Polizeieinsätzen bei Bundesligaspielen oder Großdemonstrationen statistisch herangezogen werden, sind bemerkenswert. Gerade im Falle dreier Brüder, die noch im Lande sind und in Strafhaft sitzen. Sie waren im Ende Juni 2025 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, weil sie im Juli 2024 in der Königstraße eine Gruppe mit einem Messer angegriffen hatten. Deren Haftkostenkonto wird derzeit auf 575.280 Euro taxiert – und damit kommt die Familie, zusammen mit den entlassenen Brüdern, auf mehr eine Million Euro. Für das Trio kommen noch Kosten für 2026 und 2027 dazu: Allein der Älteste würde bei frühester Haftentlassung im Oktober 2027, vorsichtig geschätzt, weitere 115.000 Euro rechnerische Kosten verbuchen.