Über den neuesten Stand auf Stuttgarts S21-Großbaustelle konnte man sich bei den restlos ausverkauften Tagen der offenen Baustelle ein Bild machen. Was ist schon fertig?
Die Tage der offenen Baustelle haben über das Osterwochenende zahlreiche neugierige Besucherinnen und Besucher an die Stuttgart-21-Baustelle am Hauptbahnhof gelockt. In Zahlen gesprochen: Über drei Tage besuchten insgesamt 82.000 Menschen das Großprojekt. Erstmals konnte man aus nächster Nähe einen Blick in den weit fortgeschrittenen Bau der Bahnhofshalle, des Bonatzbaus sowie auf die Gitterschale seitlich des Planetariums werfen.
Zahlreiche Besuchenden, ob aus der Landeshauptstadt oder dem Umland, waren nicht zum ersten Mal da, sondern nutzen die Tage der offenen Baustelle regelmäßig, um dem jährlichen Baufortschritt des Mega-Projekts zu folgen und die Festivitäten rund um die Baustelle – von Info-Ständen über Live-Musik und Straßenkunst bis hin zu Food-Trucks – mitzunehmen.
Wenn man den Stand an Ostern vergangenen Jahres zum Vergleich heranzieht, hat sich indes einiges getan (wenngleich offenkundig wurde, dass es auch noch viel zu tun gibt): Statt einer unfertigen Bahnhofshalle wie 2025 konnte man nun aus der ebenerdigen Ebene 0 erstmals die volle Kolonnade an Stützen mitsamt Lichtaugen betrachten. Jede von ihnen bringt ein Gewicht von bis zu 1 600 Tonnen auf die Waage, das sind rund 270 Elefanten. Die Gleise mitsamt Schallabsorber sind verlegt, die Montage der Deckenstromschienen ist abgeschlossen und auch Treppen und Aufzüge sind zum Großteil schon montiert.
Bonatzbau ist das Highlight der S21-Baustelle
Auch den sanierten Bonatzbau, der im vergangenen Jahr noch nicht für Besucherinnen und Besucher geöffnet war, konnte man nun frei begehen. Hier hat sich ebenfalls viel getan: Treppen und Aufzüge sind vorhanden, man kann schon erahnen, wo die Toiletten untergebracht werden. Der Estrich, der bekanntermaßen das Ende der Rohbauphase markiert, ist teils in den Innenräumen bereits verlegt worden. Besetzt werden die leeren Flächen an einem Ende mit Gastronomie, am anderen mit einem Supermarkt, einem Schnellrestaurant, der Polizei und Bahnhofsmission. Mittendrin sind Räumlichkeiten für Konferenz- und Besprechungsräume sowie ein 150 Zimmer großes 4-Sterne-Hotel entstanden, das zur Hotelgruppe LHG Lifestyle GmbH gehören soll. Die Bauarbeiten am Bahnhofsturm und seiner Aussichtsplattform sind währenddessen noch in vollem Gange, weshalb ihm aktuell sein bekanntes Alleinstellungsmerkmal, der Mercedesstern, noch fehlt.
Auf dem Bahnhofsdach, Ebene 1 und künftiger Manfred-Rommel-Platz, kann man sich von oben ein genaues Bild von den Lichtaugen machen und sich an Info-Ständen über den Digitalen Knoten Stuttgart, dem Projekt zur Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik in Stuttgart, sowie über das auf ehemaligen Gleisflächen entstehende Rosensteinquartier informieren. Am Ende wird hier auf dem Dach, wo tausende Besucher entlangspazieren, kniehoch Erde aufgeschüttet werden, sodass die ikonische S-21-Begrünung rund um die Lichtaugen arrangiert werden kann.
S21-Haupteingang fast fertig
Die monumentale Gitterschale in Planetariumsnähe, die aus 725 Glasscheiben zusammengesetzt wurde und einen der Haupteingänge zum Bahnhof markiert, ist zu einem beträchtlichen Teil bereits fertiggestellt. Was zum finalen Bild noch fehlt, sind die tatsächlichen Türen, durch die man später – auch direkt von der Haltestelle Staatsgalerie – in den Hauptbahnhof spazieren kann. Letzteres ist bisher ohne Umweg nicht möglich gewesen.
„Wann wird der Bahnhof denn endlich fertig sein?“, fragt sich jemand aus dem Publikum. Diese eine Antwort vermag jedoch keine der Auskunftspersonen vor Ort so richtig geben. Erst vor kurzem ist bekannt geworden, dass das Stuttgart-21-Eröffnungsdatum Ende 2026 verschoben werden muss, inoffiziell heißt es, dass der neue Bahnknoten nicht vor 2029 in Betrieb gehe (wir haben berichtet).