Zoe Mayer hatte den Ausschnitt eines Interviews von Manuel Hagel aus dem Jahr 2018 geteilt und kritische Fragen zu den darin getätigten Aussagen aufgeworfen. Die CDU wirft ihr die Initiierung einer „Kampagne“ vor. Foto: Michael Kappeler/dpa, imago/dts Nachrichtenagentur
Die Debatte über das umstrittene Video von Manuel Hagel aus dem Jahr 2018 hat die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer angestoßen. Den CDU-Vorwurf einer „Kampagne“ weist sie zurück.
Florian Dürr
11.03.2026 - 17:36 Uhr
Thomas Strobl zeigte sich auch zwei Tage nach der knapp verlorenen Landtagswahl spürbar verärgert: „Das hätten die Kretschmann-Grünen nicht gemacht“, sagte er am Dienstagabend in der Talkshow „Markus Lanz“ mit Blick auf das umstrittene Video des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel aus dem Jahr 2018 im Rahmen eines Interviews. Dieses hatte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (Wahlkreis Karlsruhe) knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl geteilt.
Gar vom „grünen Gift“, das nun das politische Klima beeinflusse, sprach der baden-württembergische Innenminister in der Sendung – und sagte: „Die Grünen brauchen eine Entgiftungskur.“ Das Teilen des kurzen Clips habe dazu geführt, dass sein Parteikollege im Netz in die Nähe eines Pädophilen oder einer schwäbischen Version des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gerückt worden sei. Initiiert worden sei die „Schmutzkampagne“, wie die Aktion von mehreren CDU-Politikern genannt wird, von Zoe Mayer. Die grüne Parteiführung oder Spitzenkandidat Cem Özdemir hätten das Ganze stoppen und nicht einfach weiterlaufen lassen sollen, sagt Strobl.
Manuel Hagel bezeichnete seine Äußerungen selbst als „Mist“
Die Grünen-Abgeordnete hätte sich aber vermutlich gar nicht davon abhalten lassen: „Was ich in meinem Video gesagt habe, würde ich wahrscheinlich wieder so sagen – und dafür übernehme ich auch die Verantwortung“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Für die Beleidigungen und Hassnachrichten aber trage sie keine Verantwortung: „Davon grenze ich mich klar ab, und da hat Herr Hagel mein vollstes Mitgefühl. Auch wenn die Familie mit reingezogen wird, verurteile ich das.“
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir wusste im Vorfeld wohl nichts von dem Video. Foto: AFP
Seine damaligen Bemerkungen über einen Schulbesuch bei einer überwiegend mit Mädchen besetzten Realschulklasse („Da gibt es für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine“) und eine junge Schülerin („braune Haare, rehbraune Augen“) bezeichnete Hagel selbst als „Mist“ und berichtete, dass seine Frau ihm dafür schon damals im Jahr 2018 „den Kopf gewaschen“ habe.
Grünen-Politikerin Zoe Mayer: „Ich würde es wahrscheinlich wieder so tun“
Zoe Mayer hatte zu dem geteilten Video kritische Fragen aufgeworfen: „Würde eine weibliche Politikerin genauso über ein Klassenzimmer sprechen, in dem 80 Prozent Jungen sitzen?“ Oder: „Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt? Warum muss es um das Aussehen dieses minderjährigen Mädchens gehen, wenn doch eigentlich ihre Frage im Mittelpunkt steht? Und was sendet das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen, die sich in der Politik engagieren wollen?“
Die Grünen-Abgeordnete sagt auch heute inmitten der aufgeheizten Debatte: „Ich würde es wahrscheinlich wieder so tun.“ Die Vorwürfe aus der CDU, die Aktion sei möglicherweise mit dem Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir abgesprochen gewesen, weist sie zurück. Sie sei zwar genau an jenem Freitag, an dem sie den Clip zugeschickt bekommen hatte, mit Özdemir bei einem Wahlkampfauftritt in Karlsruhe gewesen, aber „ich wusste da noch gar nicht, ob wir überhaupt dazu was machen, deshalb hatte ich auch nicht das Bedürfnis, das mit Cem zu besprechen. Erst am Montag fiel mit meinem Mitarbeiter die Entscheidung, es zu veröffentlichen“.
Grünen-Chefin Franziska Brantner wehrt sich bei Markus Lanz
Sie sei eine selbstständige Abgeordnete, treffe eigenständige Entscheidungen und sei „keine Geisterfahrerin bei den Grünen“, aber das sei eben ein persönliches Thema, „weil ich kurz zuvor selbst ein Video über meine Erfahrungen mit anzüglichen Kommentaren von Männern veröffentlicht hatte und mir als Reaktion darauf dieser Clip zugespielt wurde“. Dass das Teilen des Videos diese Dynamik entwickele, sei nicht vorherzusehen gewesen: „Das Video ist viral gegangen, weil der Inhalt interessant war, nicht weil ich es hochgeladen habe“, sagt sie.
Auch Grünen-Chefin Franziska Brantner stellte bei „Markus Lanz“ noch einmal klar, dass ihre Parteikollegin Mayer etwas geteilt hatte, was ohnehin schon öffentlich verfügbar war. „Dann wird aber tagelang diese junge Frau angegriffen. Und das ist immer der gleiche Reflex: Wenn Frauen diese Themen ansprechen, dann werden die Frauen diejenigen, die attackiert werden.“