Gekommen, um zu bleiben? Dietmar Allgaier, der Interimspräsident des VfB Stuttgart, hat eine persönliche Entscheidung getroffen. Foto: Baumann/Julia Rahn
Als er vor wenigen Monaten Vereinschef wurde, betrachtete sich Dietmar Allgaier (58) selbst nur als Übergangslösung für den VfB Stuttgart. Doch jetzt hat sich die Situation für ihn verändert. Wir beleuchten die Hintergründe.
Natürlich bereitet es ihm ungeheuren Spaß. Vom ersten Tag an. Daraus hat Dietmar Allgaier nie einen Hehl gemacht, seit er im vergangenen August zum Interimspräsidenten des VfB Stuttgart durch den Vereinsbeirat bestellt wurde. Der 58-Jährige genießt seine Repräsentationsaufgaben, sei es in Auswärtsspielen bei Real Madrid und Juventus Turin in der Champions League oder beim Doublegewinner Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga.
Man muss Allgaier aber auch nicht dazu zwingen, sich bei den anderen VfB-Abteilungen blicken zu lassen. Wie kürzlich bei einem Fest der Leichtathleten. Der Landrat mag den Umgang mit Menschen und er scheut sich auch nicht vor der Arbeit, die ein Verein mit bald 120 000 Mitgliedern mit sich bringt – wären da nur nicht die vielen Verpflichtungen und Herausforderungen im Landkreis Ludwigsburg. Bisher war der Nachfolger des abgewählten Claus Vogt jedenfalls der Überzeugung, Hauptberuf und Ehrenamt unter den gegebenen Rahmenbedingungen langfristig nicht vereinbaren zu können. Das hat er zunächst mehrfach betont und eine weitere Kandidatur als VfB-Präsident ausgeschlossen.
Doch die Situation hat sich für Allgaier verändert. Nach Informationen unserer Redaktion wird er sich beim Wahlausschuss als Präsidentschaftskandidat bewerben. Auf Anfrage wollte sich der CDU-Kommunalpolitiker jedoch nicht zu seinem Sinneswandel äußern. Er beabsichtigt, seine Entscheidung an diesem Freitag zuerst den VfB-Mitgliedern gegenüber zu erklären.
Dietmar Allgaier (Dritter von rechts) kürzlich bei einer Scheckübergabe für das VfB-Nachwuchsleistungszentrum mit dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn
Dem Vernehmen nach sind die Weichen allerdings gestellt. Allgaier soll bereits mit den Vertretern der betroffenen Kreistagsfraktionen gesprochen haben. Sie hatten bereits vor wenigen Monaten die Entscheidung des Kornwestheimers akzeptiert, vorübergehend das Präsidentenamt beim VfB zu übernehmen. Nun sollen sie für den Fall seiner Wahl deutlich gemacht haben, dass eines für die nächsten Jahre stets klar sein müsse: Der Ludwigsburger Landkreis habe Vorrang – selbst, wenn Allgaier in der Öffentlichkeit mittlerweile mehr als Vereinschef denn als Verwaltungschef wahrgenommen wird. Zudem soll es grünes Licht aus dem Regierungspräsidium, der zuständigen Rechtsaufsichtsbehörde, geben. Denn die Tätigkeit beim VfB ist für einen Landrat genehmigungspflichtig, schon allein wegen der Aufwandsentschädigung, die bezahlt wird.
Bleibt noch der VfB und der damit verbundene Arbeitsaufwand im Präsidium. Das will gut organisiert und verteilt sein. Doch auch hier ist eine Lösung angedacht. Zum einen sollen nach der Mitgliederversammlung am 22. März nächsten Jahres wieder drei Personen im Präsidium sitzen, im Moment sind es mit Allgaier und Andreas Grupp nur zwei. Zum anderen soll das Personal auf der Geschäftsstelle des VfB e. V. aufgestockt werden.
Zurzeit arbeiten drei Angestellte hauptamtlich in diesem Bereich. Einer davon ist Marco Fischer, der Referent des Präsidenten. In Zukunft soll eine weitere Stelle dazukommen, voraussichtlich in leitender Funktion. Das wäre im Falle einer Wahl nicht nur für Allgaier eine Entlastung. Sondern von dieser strukturellen Veränderung sollen in Zukunft alle potenziellen Kandidaten profitieren, da die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, dass der Zeitaufwand für einen Präsidiumsposten beim VfB enorm ist, wenn man den umfassenden Aufgaben gerecht werden will.
Allgaier will das – und er will auch den Anspruch erfüllen, den Verein weiterzuentwickeln. In der Stadtgesellschaft, in der Region und auf dem eigenen Clubgelände. Dafür hat er bisher einige Urlaubstage geopfert. Während seinem Engagement für den VfB hat er dann viel Zuspruch erhalten. Er ist der Mann, der mit seiner unaufgeregten Art den VfB nach einer turbulenten Phase in vereinspolitisch ruhiges Fahrwasser gebracht hat. Er ist auch derjenige, der den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der VfB AG zu einem frühen Zeitpunkt zurück in den VfB e. V. geholt hat. Immer wieder kam in diesen Zusammenhängen dann offenbar die Frage, warum er denn nicht weitermache.
Zuletzt verstärkten sich die Stimmen, die Allgaier aufforderten, den VfB möglichst weiter zu führen. Aus zeitlichen Gründen schien es nicht zu gehen. Doch in dem Interimspräsidenten begann es zu grummeln, da er Gefallen an dem VfB-Amt gefunden hat. Es sollen Gespräche mit der Familie gefolgt sein sowie ein inneres Ringen. Denn weder das Berufs- noch das Privatleben sollen leiden – und eines war für Allgaier von Anfang an klar: Seinen Job als Landrat (seit Januar 2020 und auf acht Jahre gewählt) will er nicht aufgeben.
Im Gegenteil. Allgaier, der seine Wahl zum VfB-Präsidenten keinesfalls als Selbstläufer erachtet, möchte seinen Hauptberuf noch eine ganze Weile mit vollem Eifer ausüben. Was nicht nur mit der finanziellen Absicherung im Alter zu tun hat. Der 58-Jährige hat, wie er in den vergangenen Jahren bei seinen Auftritten vermittelt und versichert hat, auch viel Spaß als Landrat.