In den beiden Wahlkreisen des Landkreises Ludwigsburg setzen sich wie erwartet die CDU-Kandidaten Steffen Bilger und Fabian Gramling durch. AfD und Linke legen deutlich zu. Wie war die Stimmung an der Basis?

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Die Gewinner seien die Ränder, sagt der FDP-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, Oliver Martin, zum Ergebnis der Bundestagswahl. Die ersten Reaktionen der Kandidaten aus den beiden Wahlkreisen im Landkreis Ludwigsburg sind so unterschiedlich wie die Ergebnisse der Bundesparteien.

 

Wahlkreis Ludwigsburg

Im Wahlkreis Ludwigsburg jubeln Martin Hess (AfD) und Nadja Schmidt (Die Linke), bei Steffen Bilger (CDU) ist die Freude am Sonntagabend eher verhalten, ebenso wie bei Sandra Detzer (Grüne). Der Gerlinger Macit Karaahmetoğlu wird wohl weiterhin für die SPD im Bundestag sitzen können. Das schwache Ergebnis seiner Partei hat der Jurist erwartet, es sei aber besser als zu befürchten gewesen war. Das schlechte Abschneiden kreidet er nicht Bundeskanzler Olaf Scholz an: „Keine Regierung der Welt hätte das unter den Umständen besser machen können“, sagt Karaahmetoğlu.

Der FDP-Mann Oliver Martin aus Ludwigsburg hat schon vor dem Wahltag mit einer Zitterpartie gerechnet. Ganz gleich, ob es am Ende für den Bundestagseinzug reichen werde – die Partei müsse sich neu formieren. „Ich finde es besser, wenn man breiter aufgestellt ist“, sagte Martin am Sonntagabend. Wahlgewinner Martin Hess (AfD), der in Berlin lebt, spricht von einem „politischen Erdbeben“. Die AfD sei nun Volkspartei, und etwaige Brandmauern ignorierten den Willen des Souveräns.

Steffen Bilger (Mitte) mit seiner Ehefrau und dem Rainer Wieland, dem Vorsitzenden des Verbands Region Stuttgart. Foto: Werner Kuhnle

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sieht die Ludwigsburgerin Nadja Schmidt (Die Linke) in der Mobilisierung gegen Rechts das Erfolgsgeheimnis ihrer Partei. Aber auch die Klarheit innerhalb der Partei habe geholfen, nachdem einige Abgeordnete zum BSW abgewandert waren.

Bilger würde Grüne als Partner nicht ausschließen

Sandra Detzer (Grüne) aus Heidelberg wird wohl erneut in den Bundestag einziehen. Aus ihrer Sicht sei Spitzenkandidat Robert Habeck den richtigen Weg gegangen, nicht Extremmeinungen zu vertreten. Deshalb habe man jedoch vielleicht auch Wähler an Die Linke verloren.

Der Ludwigsburger Steffen Bilger (CDU) verteidigt sein Direktmandat, überschwänglich fällt die Freude aber nicht aus, weil die CDU unter 30 Prozent blieb. Welche Koalition sich bilde, bleibe abzuwarten. Bilger ist kein Freund davon, die Grünen als Partner von vornherein auszuschließen.

Wahlkreis Neckar-Zaber

Jubel auf der einen Seite, Frust auf der anderen – die Stimmungen schwankten am Wahlabend auch bei den Kandidaten des Wahlkreises Neckar-Zaber. Zuversichtlich blickte der Platzhirsch und aktuelle CDU-Bundestagsabgeordnete Fabian Gramling aus Steinheim gegen 18.30 Uhr in den Abend. „Wir sind mit Abstand stärkste Kraft, auch wenn wir uns noch einen Schucker mehr erhofft hatten.“ Mit wem der designierte Kanzler Friedrich Merz eine Koalition bilden solle, darüber wollte Gramling nicht spekulieren.

„Schwer“ sei die Stimmung bei den Sozialdemokraten, auch wenn die Niederlage nicht unerwartet eingetreten sei, berichtete der SPD-Kandidat Mario Sickinger aus Beilstein. Wähler neigten zu den Rändern, wenn es ihnen schlecht gehe. Die SPD müsse ihre „gute Sozialpolitik“, die sie auch geleistet habe, mehr in den Vordergrund rücken.

Der Jubel bei den Linken Foto: Werner Kuhnle

Auf die Bürger, denen es schlecht gehe, habe man bundesweit in rund 500 000 Haustürgesprächen gehört und deren Sorgen ernst genommen, erklärte die Linken-Kandidatin Julia Schlembach aus Sachsenheim. „Ich freue mich über das Ergebnis total.“ Die Mitgliederzahlen hätten sich im Kreis Ludwigsburg auf knapp 300 verdoppelt.

Als Wahlsieger fühlt sich auch Dieter Glatting von der AfD. Die Gründe für den Erfolg? „Die schlechte Politik der anderen“, sagt der Fachmann für Kernenergie-Sicherheit aus Lauffen, der die AfD-Fraktion in Berlin berät. Bildung, Rente, Gesundheit, Infrastruktur: in diesen Politikfeldern zeige sich, dass das Land marode sei.

Frustrierter FDP-Kandidat: „Sind als Wirtschaftspartei abgestraft worden“

Zufrieden mit dem Wahlergebnis seiner Partei zeigte sich der Freiberger Grünen-Kandidat Lars Schweizer. „Wir sind stabil geblieben.“ Robert Habeck sei ein „absolutes Zugpferd“ gewesen, und man habe seit dem Ampel-Aus 55 000 neue Mitglieder.

Und die FDP? „Wir sind natürlich frustriert“, sagt der Kandidat Andrey Belkin, Pharmaberater aus Erdmannhausen. „Der wirtschaftliche Aufschwung ist ausgeblieben – deshalb sind wir als Wirtschaftspartei abgestraft worden.“ So mancher enttäuschte FDP-Wähler sei deshalb zur CDU oder zur AfD abgewandert.

Ergebnisse der Wahlkreise (WK) im Landkreis Ludwigsburg

WK Ludwigsburg
Bei den Erststimmen siegte Steffen Bilger (CDU, 36,5 %) vor Martin Hess (AfD, 16,9 %), Sandra Detzer (Grüne, 16 %), Macit Karaahmetoğlu (SPD, 15,2 %), Nadja Schmidt (Linke, 6,2 %) und Oliver Martin (FDP, 5,1 %). Bei den Zweitstimmen: CDU 32 %, AfD 16,9 %, SPD 15,1 %, Grüne 14,9 %, Linke 6,9 %, FDP 6,4 %, BSW 4 %. 

WK Neckar-Zaber
Fabian Gramling (CDU, 39,3 %) vor Dieter Glatting (AfD, 19,5 %), Mario Sickinger (SPD, 15 %), Lars Schweizer (Grüne, 11,6 %), Julia Schlembach (Linke, 5,1 %) und Andrey Belkin (FDP, 4 %). Zweitstimmen: CDU 33,2 %, AfD 20,3 %, SPD, 14,4 %, Grüne 12,1 %, FDP 6,3 %, Linke 5,3 %, BSW 3,8 % (Stand 327 von 328 Wahllokalen).