Am Sonntag wird gewählt – in einigen Kommunen im Kreis Esslingen nicht nur der Landtag. Foto: Silas Stein/picture alliance/dpa
30 Kandidatinnen und Kandidaten wollen für den Kreis Esslingen in den Landtag. Drei Bürgermeister haben keine Konkurrenz. Auf einen wartet derweil ein Herausforderer.
Gewählt wird am nächsten Sonntag in allen 44 Esslinger Kreiskommunen. Mehr als 360 000 Bürgerinnen und Bürger sind dabei aufgerufen, über die Zusammensetzung des 18. Landtags von Baden-Württemberg abzustimmen. Damit aber nicht genug. Vier Gemeinden nutzen die Gelegenheit und haben die anstehende Bürgermeisterwahl auf den gleichen Termin gelegt.
Zum einen werden dadurch Kosten gespart. Zum anderen müssen die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer nur einmal ran – dafür aber dann länger auszählen. Das gilt für das „Personal“ in Esslingen ebenfalls. Dort findet ein Bürgerentscheid über den künftigen Standort der Stadtbücherei statt.
Erstmals zwei Stimmen bei einer Landtagswahl
Nimmt man es genau, ist das Rennen um die Landtagsmandate im und für den Kreis Esslingen ein Massenauflauf. Insgesamt wetteifern 30 Kandidatinnen und Kandidaten um Stimmen für sich – oder zumindest für ihre Partei. Die Wahlkreise 7 (Esslingen), 8 (Kirchheim) und 9 (Nürtingen) sind dabei „echte“ Landkreis-Wahlkreise.
Dem Wahlkreis 10 (Göppingen) wiederum gehört – schon seit geraumer Zeit und aus Proporzgründen – die Filsgemeinde Reichenbach an, weshalb auch dessen Abgeordnete in ihrer Parlamentsarbeit den Kreis Esslingen auf dem Schirm haben sollten.
Doch ganz gleich in welchem Wahlkreis es ans Abstimmen geht, zwei Neuerungen im Vergleich zur Landtagswahl 2021 gibt es. Jeder und jede hat, wie bei der Bundestagswahl, dieses Mal zwei Stimmen. Und: Erstmals sind bei diesem Urnengang auch 16- und 17-Jährige wahlberechtigt.
Zwölf Frauen und 18 Männer ringen um die Mandate
Im Wahlkreis 7 haben zwei Kandidatinnen und fünf Kandidaten ihren Hut in den Ring geworden: Andrea Lindlohr (Grüne), Andreas Deuschle (CDU), Nicolas Fink (SPD), Tobias Wirth (FDP), Stephan Köthe (AfD), Martin Auerbach (Die Linke) und Anita Marinovic-Maticevic (Volt).
Im Wahlkreis 8 sind es drei Frauen und sechs Männer: Andreas Schwarz (Grüne), Natalie Pfau-Weller (CDU), Tonja Brinks (SPD), Nicole Falkenstein (FDP), Markus Berthold(AfD), Anıl Beşli (Die Linke), Heinrich Brinker (BSW), Marvin Clauß (Volt) und Bernd Rieg (Werteunion).
Im Wahlkreis 9 treten drei Bewerberinnen und fünf Bewerber an: Clara Schweizer (Grüne), Maren Steege (CDU), Tim Reeth (SPD), Dennis Birnstock (FDP), Felix Schneider (AfD), Clara Meier (Die Linke), Raphael Fehlen (Volt) und Matthias Rogge (Werteunion).
Vier Kandidatinnen und zwei Kandidaten gibt es derweil im Wahlkreis 10: Mariska Ott (Grüne), Sarah Schweizer (CDU), Sabrina Hartmann (SPD), Peter Körber (FDP), Sandro Scheer (AfD) und Alexandra Bürger (Linke).
Drei Bürgermeister stehen vor der Wiederwahl
Vier Gemeinden im Kreis Esslingen nutzen die Gunst des Tages und wählen am 8. März auch ihren Bürgermeister neu, wobei die Betonung – dem Weltfrauentag zum Trotz – auf Bürgermeister liegt. Die Amtszeiten von Ralf Barth in Denkendorf (8095 Wahlberechtigte), Roman Weiß in Erkenbrechtsweiler (1702 Wahlberechtigte), Simon Blessing in Frickenhausen(6993 Wahlberechtigte) und Matthias Ruckh in Wolfschlugen(5001 Wahlberechtigte) gehen demnächst zu Ende.
Ralf Barth, Simon Blessing und Roman Weiß (von links) haben keine Konkurrenz. Fotos: Rudel/privat/Thomas Blank.com
Alle Rathauschefs treten wieder an, wobei auf den 37-jährigen Barth, auf den 52-jährigen Weiß und auf den 55-jährigen Blessing keine Herausforderer warten. In Frickenhausen hätte es zwar einen zweiten Kandidaten geben können, dessen Unterlagen kurz vor Toreschluss im Rathausbriefkasten gelandet sind. Allerdings war die Bewerbung unvollständig und wurde deshalb abgelehnt.
Wolfschlugens Schultes hat einen Konkurrenten
Anders lief es in Wolfschlugen, wo zwei Schreiben mit den korrekten Anlagen fristgerecht eingingen: Der amtierende Schultes hatte bereits zu Beginn der Bewerbungsphase erklärt, dass er eine dritte Amtszeit anstrebt. Allerdings muss sich der 55 Jahre alte Ruckh einem Duell mit dem ihm gut bekannten Lothar Hihn stellen.
Hihn sitzt seit fast zwölf Jahren für die Unabhängige Wählervereinigung im Wolfschlugener Gemeinderat. Der 49-Jährige ist Wirtschaftsingenieur und arbeitet bei Mercedes im globalen Einkauf. Nach eigenen Worten reizt ihn die „berufliche Umorientierung“, zumal er in der Kommune „den Weitblick vermisst“. Er sei immer wieder auf eine Kandidatur angesprochen worden und wolle sich den Herausforderungen, vor denen die Gemeinde stehe, stellen.
Im Pfleghof bleiben oder ins Kögel-Gebäude umziehen?
Eine zweite Abstimmung gibt es am Sonntag auch in Esslingen, wo – abermals – darüber entscheiden wird, wie – oder besser gesagt, wo – es mit der Stadtbücherei weitergeht. Im Juni 2025 hat der Gemeinderat den Umzug ins ehemalige Modehaus Kögel beschlossen, was nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren aber wieder in Frage steht.
Stimmt die einfache Mehrheit, vorausgesetzt, dass diese mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten ausmacht, beim Bürgerentscheid mit „Ja“, wird der Ratsbeschluss aufgehoben und die Bücherei verbleibt im Bebenhäuser Pfleghof.
Unterschiedliche Zahlen bei den Wahlberechtigten
Voraussetzung Wahlrecht ist nicht gleich Wahlrecht – oder besser gesagt, nicht bei jeder Wahl sind die Voraussetzungen die gleichen, um wählen zu dürfen. Das zeigt sich unter anderem beim Wahlalter. Während etwa bei Bundestagswahlen nach wie vor eine Altersgrenze von 18 Jahren gilt, ist das bei Landtags- und Kommunalwahlen in jedem Bundesland anders geregelt. Bei Europawahlen wiederum dürfen 16-Jährige bereits überall wählen.
Landtagswahl Erstmals dürfen am Sonntag auch Jugendliche ab dem vollendeten 16. Lebensjahr bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg abstimmen. Bei kommunalen Wahlen ist das schon seit 2014 der Fall. Dennoch ist die Zahl der Wahlberechtigten am 8. März bei den vier Bürgermeisterwahlen im Landkreis und beim Esslinger Bürgerentscheid höher als bei der Landtagswahl.
EU-Bürger Der Grund dafür liegt in einer weiteren Beschränkung sowohl bei der Bundestagswahl wie auch bei Landtagswahlen. Während hierzulande lebende EU-Bürger auf kommunaler sowie auf europäischer Ebene stimmberechtigt sind, sind sie das in Bund und Land nicht.