Wege am Stuttgarter Hauptbahnhof Fernwanderweg: S-21-Gegner loben OB Nopper

Wegen der Stuttgart-21-Baustelle werden Reisende am Hauptbahnhof auf weite Wege geschickt. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Die Region dringt auf kürzere Wege durch die S-21-Baustelle, der Stuttgarter OB wartet mit einem eigenen Vorschlag auf – und bekommt Beifall von unerwarteter Seite.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Die Erkenntnis erstreckt sich weit über die politischen Lager: die Situation für Reisende am Stuttgarter Hauptbahnhof, die wegen Stuttgart 21 weite Umwege auf sich nehmen müssen, muss dringend verbessert werden. Dass die Bahn in einem zeitintensiven Prozess ein neues Inbetriebnahmekonzept für Stuttgart 21 austüftelt, das auch für Verkürzungen der langen Wege sorgen könnte, erhöht den Handlungsdruck.

 

Als „Fernwanderweg“ wird die provisorische Route rund um die Baustelle verspottet, über die Fahrgäste zwischen Innenstadt, S-Bahn und den Gleisen des Kopfbahnhofs geleitet werden. Der Begriff steht inzwischen sinnbildlich für die Erschwernisse am Bahnhof.

Die Grünen haben am Mittwoch im Verkehrsausschuss der Region Stuttgart breite Unterstützung für ihren Vorstoß erfahren, der Verband möge sich bei der Deutschen Bahn für kürzere Wege stark machen. Sie wollen prüfen lassen, ob ein bereits gebauter Personentunnel unter dem künftigen Tiefbahnhof vorzeitig genutzt werden kann. Allerdings müsste dabei ein erheblicher Höhenunterschied überwunden werden.

Taugt der neue Personentunnel unter dem Tiefbahnhof als Abkürzung zu den Gleisen? Foto: Deutsche Bahn

Auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper hat sich zu Wort gemeldet– mit einem anderen Ansatz. Das Stadtoberhaupt fordert, die Verbindung zu den heutigen Gleisen „kürzer, schneller und komfortabler“ zu machen. Den Tunnel-Vorschlag hält das Rathaus für wenig sinnvoll. Stattdessen setzt Nopper auf eine Wegeführung durch den sanierten Bonatzbau. Damit würden auch Königstraße, Stadtbahn und Bushaltestellen besser angebunden.

Stuttgart-21-Gegner fordern Sanierung des Kopfbahnhofs

Bemerkenswert ist die Resonanz aus dem Lager der Projektgegner. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 begrüßt, dass Nopper „eine Forderung aus der Bürgerbewegung“ aufgegriffen habe. Tausende Reisende müssten täglich eine Wegstrecke von „vier Fußballfeldlängen“ zu ihren Zügen zurücklegen – das sei seit Jahren eine Zumutung. Zugleich lobt das Bündnis Noppers Absage an die Tunnelidee der Grünen: Ein solcher Weg wäre ein „unterirdischer Gang mit viel Rauf und Runter und kaum barrierefrei zu realisieren.“

Damit endet aber auch schon die neue Eintracht zwischen Frank Nopper und den Projektgegnern. Die fordern, der OB solle von der DB ein Konzept einfordern, wie der Kopfbahnhof saniert werden könne, „um die Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten und die Situation bei Pünktlichkeit und Zugausfällen nicht weiter zu verschlimmern“.

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