Wirtschaft und AfD Klartext in Sachen AfD

In der Generaldebatte übte die AfD-Vorsitzende Alice Weidel scharfe Kritik am Wirtschaftskurs von Kanzler Friedrich Merz. Foto: Michael Kappeler/dpa

Auch für die deutsche Wirtschaft gilt: Kontaktverbote in Richtung AfD sind noch keine Lösung, kommentiert Rainer Pörtner.

Politik/Baden-Württemberg: Rainer Pörtner (pö)

Seit mehreren Jahren mühen sich die demokratischen Parteien mit der Frage ab, wie sie es mit der AfD halten sollen. Sie haben eine „Brandmauer“ errichtet, an der allerdings schon einige Risse und Abbruchstellen zu erkennen sind. Jetzt hat die „Brandmauer“-Debatte mit voller Wucht auch die Wirtschaft erfasst.

 

„Die Familienunternehmer“ – ein nicht unwichtiger, aber auch nicht herausragend wichtiger Verband – hat das Konzept der „Brandmauer“ für gescheitert erklärt. Er hat für sich beschlossen, das bisher geltende Kontaktverbot gegenüber der AfD aufzuheben. Erste Firmen, wie der Drogeriekonzern von Dirk Rossmann, kündigen nun ihre Mitgliedschaft in der Lobbyorganisation.

Eine totale Kontaktsperre ist eine Illusion

Die Wirtschaft zeigt sich in der Frage, ob sie mit der AfD reden soll, genauso zerrissen wie die Politik. Die Unternehmer und Manager stecken im selben Dilemma wie die klassischen Parteien. Brandmauern, Kontaktverbote, Empörungsrufe – das alles hat das Aufwachsen der AfD nicht verhindert.

In der Alternative für Deutschland tummeln sich Rechtsextremisten und Verfassungsfeinde in großer Zahl. Sie ist eine Gefahr für Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Deshalb muss das Ziel auch von Wirtschaftsführern schon aus blankem Eigeninteresse sein, den Unterstützerkreis der AfD zu schmälern und nicht zu vergrößern. Gleichzeitig hat die Partei inzwischen bundesweit eine Wählerunterstützung auf dem Niveau der Unionsparteien, im Osten Deutschlands ist sie noch weit stärker. Die Idee, eine totale Kontaktsperre zwischen Wirtschaft und AfD wäre möglich, ist eine Illusion – und damit kein guter Ratschlag.

Jedes Anbiedern und Gemeinmachen verbietet sich

Es nutzt also nichts, jedes Gespräch zu verweigern. Viel entscheidender ist die innere Haltung, mit der solche Gespräche geführt werden – und was aus ihnen folgt. Jedes Anbiedern und Gemeinmachen verbietet sich. Denn eine AfD in Regierungsverantwortung wäre Gift für Unternehmer wie Arbeitnehmer. Der nationalistische, ausländer- und freiheitsfeindliche Kurs der AfD würde die Grundlagen des Wohlstands zerstören.

Die deutsche Wirtschaft muss sich auch immer ihrer historischen Verantwortung bewusst sein: in den 1930er Jahren waren es Industrielle wie Thyssen, die Adolf Hitler die Steigbügel zur Macht hielten und damit schwerste Schuld auf sich luden. Profitinteresse darf deshalb nie wieder den Blick für das gesellschaftliche Ganze verstellen.

Aktuell ist nicht zu übersehen, dass viele Wirtschaftslenker politisch heimatlos sind. Die FDP, einst lautstarker Vertreter von Unternehmensinteressen, ist bundesweit kaum noch wahrnehmbar. Gleichzeitig sind viele Firmenchefs enttäuscht von der Union um Friedrich Merz. Wenn AfD-Chefin Alice Weidel dem Kanzler im Bundestag die Leviten liest ob seiner dürftigen ökonomischen Bilanz, kann sie sich der stillen Zustimmung vieler in der Wirtschaft gewiss sein.

„Das ganze Wirtschaftsprogramm der AfD ist völliger Blödsinn“

Aus dem Frust über Friedrich Merz darf aber keine Annäherung an Alice Weidel werden. Die Wirtschaft täte gut daran, ruhig Klartext zu sprechen für die eigenen Interessen und gegen den Kurs von Schwarz-Rot, aber genauso laut und klar zu sein, wenn es um die AfD geht.

Der Unternehmer Nikolas Stihl hat gerade vorgeführt, dass man beides gleichzeitig tun kann. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung kritisierte er die Bundesregierung scharf („Die Politik liefert nicht“) und fand gleichzeitig deutliche Worte zur AfD. „Das ganze Wirtschaftsprogramm der AfD ist völliger Blödsinn“, so der Mann der Motorsägen, „damit wäre Deutschland innerhalb kürzester Zeit ruiniert.“

So ist es.

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