Umstrittene Satzung in Marbach: Spezieller Schutz von Bäumen in der Stadt: Signale stehen auf Rot

Die Eiche vor der Bank hat eine Diskussion um den Baumschutz ausgelöst.
Archiv (Werner Kuhnle)Was ein einziges Gewächs manchmal bewirken kann: Der Kampf um die Erhaltung einer mehr als 100 Jahre alten Eiche vor der Marbacher Volksbank hat unter Naturschützern den Ehrgeiz befeuert, nach einem Weg zu suchen, generell solche Baumriesen in der Stadt vor Übergriffen bewahren zu können. Des Rätsels Lösung sollte die Einführung einer Schutzverordnung sein. Der Ball wurde von den Grünen im Gemeinderat aufgenommen. Die Fraktion fordert von der Verwaltung, einen entsprechenden Entwurf zu erarbeiten.
Keine Unterstützung für die Grünen
Während allerdings entgegen der ursprünglichen Absicht der Volksbank die Eiche letztlich nicht gefällt wurde und das Kreditinstitut die Pläne für einen Abriss ihres vorhandenen Gebäudes samt Neubau einer Filiale plus 25 Wohnungen abgeblasen hat, scheint der Antrag der Grünen kaum Erfolgsaussichten zu haben. Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat in seiner jüngsten Sitzung zwar keinen Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat abgegeben. Doch die Stimmungslage war mehr als deutlich: Die Freien Wähler, die CDU sowie SPD-Fraktionschef Ernst Morlock sprachen sich unmissverständlich gegen die Satzung aus. Für die Position der Grünen griff außerhalb der eigenen Fraktion niemand Partei.
Trotz der Vorbehalte gegen das Regelwerk strichen auch die Kritiker heraus, dass ihnen die Bäume in der Stadt am Herzen liegen. Allerdings schaffe man mit einer neuen Satzung ein Mehr an Bürokratie, gab Morlock zu bedenken. Dabei sei eine schlanke Verwaltung das Ziel. „Ich halte grundsätzlich nichts von einer Verbotspolitik“, betonte zudem Florian Petschl (CDU). Er befürchte auch, dass vor Inkrafttreten der Vorgaben auf die Schnelle Fakten geschaffen würden und eine Rodungswelle einsetze, die eigentliche Intention also konterkariert würde. Martin Mistele (Freie Wähler) vermutet obendrein, dass auch weniger Bäume gepflanzt würden, wenn damit perspektivisch Gängeleien für die Eigentümer verbunden sein könnten. Davon abgesehen sei es übergriffig, wenn beispielsweise Anrainer beim eigenen Garten hineinreden könnten und sagten: „Beim Nachbar steht ein schöner Baum, den würde ich gerne weiter anschauen.“
Kommune fürchtet, in Nachbarschaftsstreitigkeiten gezogen zu werden
Die Bevormundung der Bürger hatte auch die Stadtverwaltung als Argument gegen die Satzung ins Feld geführt. Es gebe gewisse Umstände wie Verschattungen, die ein Grund dafür sein könnten, einen über die Jahre immer weiter hochgeschossenen Baum irgendwann zu stutzen, erklärte Bauamtsleiter Dieter Wanner. Wenn die Bürger in solchen Fällen bei größeren Gewächsen immer das Okay der Stadt einholen müssten, sei das ein „sehr großer Eingriff in die Privatsphäre“. Überdies könne man als Kommune in Nachbarschaftsstreitigkeiten hineingezogen werden, müsste im Prinzip jeden Baum erfassen, um bei Beschwerden über eine Fällung überhaupt beurteilen zu können, wo das Gewächs in welcher Größe stand. Und mit dem Bestand auf städtischer Fläche gehe man ohnehin schon jetzt verantwortungsvoll um. „Wenn man sieht, was da alles dahinter steckt, stehen aus unserer Sicht Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis“, fasste Bürgermeister Jan Trost zusammen. „Wir müssen die Menschen überzeugen von etwas, das gut ist. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg“, betonte er.
Die Grünen zeigten sich aufgeschlossen für Alternativen. „Wir möchten im Kern dazu beitragen, dass schützenswerte Bäume in unserer Stadt erhalten bleiben“, konstatierte Matthias Laukenmann. „Aus unserer Sicht ist dabei die Erarbeitung eines Satzung der aussichtsreichste Weg. Wir sind aber auch offen andere Wege“, beteuerte er. Tatsache sei aber auch, dass die Eiche bei der Volksbank selbst ein Passus im Bebauungsplan nicht gerettet hätte , wonach sie zwingend zu erhalten sei. Und laut ortskundigen Experten rede man am Ende in Marbach über 25 bis 50 Bäume im privaten Bereich, die nicht angetastet werden sollten. Dies scheine vom bürokratischen Aufwand her bewältigbar.