Delikatessen im Heusteigviertel in Stuttgart: Für die Épicerie Fine kam das Ende abrupt – und doch zur rechten Zeit

Cornelia Hebener: Von der Käsetheke an den Schreibtisch – um ihre Geschichte aufzuschreiben.
/Kathrin HaasisCornelia Hebener will jetzt ein Buch schreiben. „Über die Épi“, wie sie ihr Delikatessen-Geschäft im Stuttgarter Heusteigviertel liebevoll nennt, soll es dabei gehen, übers Kochen, über „eine Kiste voller Erinnerungen“, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln. Dafür hat die 75-Jährige jetzt Zeit. Bis zum 15. Dezember stand sie noch fast täglich in der Épicerie Fine. Daube provençal, Bouchée à la Reine mit Maishühnchen und Pilzen oder Boeuf-carottes mit gebackener Thymianpolenta servierte sie in der Olgastraße als Mittagstisch. Die Glasvitrine war mit Käse gefüllt, die Regale mit Weinflaschen, Senf und anderen Delikatessen aus Frankreich. Baguettes, Croissants und bunte Macarons verkaufte sie – und dieses Jahr schließlich ihr Inventar. Das Ende kam etwas abrupt, aber nicht ungelegen.
Das Delikatessen-Geschäft in der Olgastraße eröffnete 2002
Ein Sturz warf Cornelia Hebener aus der Bahn, ihre Lunge versagte fast den Dienst. Wochenlang lag sie im Krankenhaus. „Das hat mein Leben auf den Kopf gestellt“, sagt sie. Mehr als 22 Jahre lang führte sie die Épicerie Fine. Auf der Suche sei sie damals gewesen, erzählt sie, und dann auf den „bezaubernden Laden“ in ihrer Nachbarschaft in der Olgastraße gestoßen. Statt mit Marketing beschäftigte sie sich nun mit dem Import von Lebensmitteln, jedes Wochenende ging es nach Frankreich zum Einkaufen. Ein paar Jahre später führte sie den Mittagstisch ein. Dabei konnte Cornelia Hebener gar nicht kochen, dafür war ihr Mann immer zuständig gewesen. Kochbücher und Kochrezepte habe sie deshalb gebüffelt. „Es ging ganz gut“, sagt sie. Der Ehrgeiz, „etwas Ordentliches auf den Tisch zu bringen und gescheiten Wein“ auszuschenken, trieb sie an.

Sehr schön gelegen: die Épicerie Fine an der Olgastraße – aufgenommen vor fünf Jahren.
Foto: Lichtgut/Leif PiechowskiDie Bouillabaisse war eine ihrer Spezialitäten, Kalbsbäckchen gehörten zu ihrem Repertoire oder Garnelen in Piment d’Espelette-Butter mit Caponata. Wenn die Gäste „es mal wieder so lecker“ fanden, das hat der Autodidaktin „viel gegeben“. Aber in den vergangenen zwei Jahren habe sich der Geschmack geändert, findet Cornelia Hebener. In der Épi wurde gekocht und gegessen wie in Frankreich, mit Teller, Besteck und einem Glas Wein und nicht im Vorbeigehen. Doch dafür hatten immer weniger Menschen Zeit. Die Umsatzzahlen seien zurückgegangen und damit bei ihr auch „der Spaß an der Freude“, sagt sie. Schließlich ist sie jeden Morgen um 6 Uhr auf dem Großmarkt gestanden und danach bis 15 Uhr in der Küche. So viel Einsatz „ging an die Nieren“ und sei in ihrem Alter nicht mehr machbar gewesen. Zum Jahresende 2024 hätte sie deshalb das Geschäft aufgegeben, durch die gesundheitlichen Probleme zog sich der Auszug hin.
„Es war schön“, lautet trotzdem die Bilanz von Cornelia Hebener, deren ausführliche Version es eines Tages vielleicht als Buch zu lesen gibt. Ihr Laden in der Olgastraße hat bereits einen Nachfolger bezaubert. Der Verkauf des Inventars ist vorbei, der Schlüssel wurde kürzlich übergeben. Und nach der Renovierung geht es dort mit neuem Konzept und neuen Betreibern weiter.