Gedenkabend für Gerhard Mayer-Vorfelder in Stuttgart
: VfB feiert mit viel Fußball-Prominenz einen Macher mit Kanten

3. 3. 33 – sein Geburtsdatum prägt sich ein. Gerhard Mayer-Vorfelder war ein Macher mit Kanten. Am Freitag wäre er 90 Jahre alt geworden. Auf Einladung des VfB versammelt sich viel Fußball-Prominenz in Stuttgart. Die fröhliche Gedenkfeier hätte MV gut gefallen.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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  • Margit Mayer-Vorfelder, VfB-Präsident Vogt und Tochter Marion mit einen Porträt von Gerhard Mayer-Vorfelder

    Lichtgut/Julian Rettig
  • Am Freitag wäre MV 90 Jahre alt geworden.

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  • Unter den Gästen: Rudi Völler und Guido Buchwald.

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  • Stefan Wolf, der Präsident von Gesamtmetall, mit der Künstlerin Christa Winter.

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  • DJane Alegra Cole legt bei der Gedenkfeier für Gerhard Mayer-Vofelder chillige Musik auf.

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  • Am Gedenkabend werden Filme mit MV aus dem Archiv gezeigt.

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  • Mit dabei: Christoph Daum und seine Frau (rechts)

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  • 1975 übernimmt das damalige Vorstandsmitglied des Württembergischen Fußballverbandes den kriselnden Bundesliga-Club VfB Stuttgart – und steigt kurze Zeit später ab.

    Foto: Baumann
  • Mayer-Vorfelder führt den VfB durch wirtschaftlich und sportlich schwierige Zeiten. Hier nimmt MV (re.) bei einem Zweitligaspiel an der Seite des glücklosen Trainers Istvan Sztani (Mi.) Platz. Links Mannschaftsbetreuer Richard Steimle.

    Foto: Baumann
  • Zwei Jahre nach dem Abstieg gelingt mit Wundermann Jürgen Sundermann als Trainer der Wiederaufstieg. „Andernfalls wären wir im Souterrain des deutschen Fußballs verschwunden“, schrieb Mayer-Vorfelder in seiner Autobiografie „Ein stürmisches Leben“.

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  • 1984 der erste Titelgewinn: die deutsche Meisterschaft. Im Triumphzug fährt MV mit den Förster-Brüdern Karlheinz (li.) und Bernd durch Stuttgart.

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  • Es folgten erfolgreiche Jahre unter anderem mit Trainer Arie Haan, mit dem der VfB 1989 das Finale im Uefa-Cup erreicht.

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  • Mittendrin statt nur dabei: Der Präsident bei einer Pressekonferenz mit Trainer Otto Baric. Die geliebte Roth-Händle darf dabei nicht fehlen.

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  • 1992 folgt die zweite deutsche Meisterschaft unter der Ägide von MV.

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  • Prost! 1997 holen Fredi Bobic und Co. den DFB-Pokal – sehr zur Freude des Präsidenten.

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  • Der aber auch ordentlich danebengreift – etwa mit der Verpflichtung von Winfried Schäfer als Trainer.

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  • 2000 endet die Amtszeit von Gerhard Mayer-Vorfelder, der einen überschuldeten Verein hinterlässt. MV wird Präsident des DFB und feiert 2006 das Sommermärchen in Deutschland.

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  • 2015 stirbt Mayer-Vorfelder im Alter von 82 Jahren in Stuttgart.

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  • Bei der Trauerfeier in der Domkirche St. Eberhard ist das Who’s who des nationalen und internationalen Fußballs zu Gast.

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  • Witwe Margit Mayer-Vorfelder ist noch immer regelmäßig bei Heimspielen des VfB zu Besuch – zuletzt beim Spiel gegen den 1. FC Köln.

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  • VfB feiert mit viel Fußball-Prominenz einen Macher mit Kanten

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Mayer-Vorstopper, Mayer-Vorlaut, Mit Verspätung, Schlitzmayer-Ohrfelder oder nur MV. Die Liste seiner Spitznamen ist lang. Gerhard Mayer-Vorfelder, der seine Karriere zweigleisig vorantrieb, also sowohl im Sport beschleunigte (von 1975 bis 2000 als VfB-Präsident, von 2001 bis 2006 als DFB-Präsident) als auch via CDU in der Politik (von 1980 bis 1991 als Kultusminister, von 1991 bis 1998 als Finanzminister), stammt aus einer  anderen  Zeit, als  es noch echte Typen gab, nicht nur weichgespülte Gernegroße. MV hatte Freunde und Feinde. Manche gehörten zu der einen wie zu der anderen Kategorie. Reiz- und Vaterfigur war er zugleich, nie aalglatt, stets mit Ecken und Kanten. Egal war er niemandem.

Oettinger: „Wer ihn wirklich kannte, musste ihn mögen“

Am Freitagabend versammeln sich in der Soccer Lounge der Mercedes-Benz-Arena etwa 200 Gäste, Fußballlegenden, Politiker, seine Frau Margit Mayer-Vorfelder mit Familie und Freunden, um an den VfB-Ehrenpräsidenten zu erinnern, der große Spuren hinterlassen hat. Fast jeder kann eine Anekdote von ihm erzählen. „Wer ihn wirklich kannte, musste ihn mögen“, sagt der frühere EU-Kommissar Günther Oettinger, „MV hatte eine raue Schale, aber einen weichen Kern.“ Zu seinen Verdiensten zähle, dass er die Kinder- und Jugendarbeit beim Fußball so grundlegend verbessert habe, dass Deutschland Weltmeister werden konnte. Eines ist Oettinger wichtig: „Er war kein Rechtsradikaler, sondern ein Konservativer.“

DFB-Sportdirektor Rudi Völler ist nach Stuttgart gereist, ebenso wie Trainer Christoph Daum und der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Sie eint eine enge Verbindung zu MV. Daum erinnert an zahlreiche Nächte, die er bei Mayer-Vorfelder daheim verbracht hat. Er sei für ihn „wie ein Vater“ gewesen. Beim Gedenkabend sind keine VfB-Spieler dabei, die am Samstag gegen Bayern München auf dem Rasen stehen.

Ach, wie würde Gerhard Mayer-Vorfelder leiden angesichts der kritischen Lage seines Vereins! Kummer war er gewohnt, erlebte aber auch, wie es stets wieder aufwärts ging. Seine Botschaft: Stets an das Beste glauben!

Der Abend beginnt mit Musik – DJane Alegra Cole und Saxofonist Sebastian Lilienthal spielen Sinatras „My Way“. Das Lieblingslied von MV, das bei der Beerdigung 2015 erklang, war so etwas wie sein Lebensprogramm. Stets ging er gradlinig seinen Weg – auch gegen Widerstände. Unter den Gästen sind VfB-Legenden wie Guido Buchwald, Karl Allgöwer, Hansi Müller, Maurizio Gaudino, Günther Schäfer, Helmut Roleder und VfB-Ehrenpräsident Manfred Haas. OB Frank Nopper prophezeit für den am 3.3. 33 geborenen MV drei Punkte am Samstag für den VfB.

„Er war meist weg“, sagt die Tochter, „aber trotzdem immer für uns da“

Der Freundeskreis von Mayer-Vorfelder schenkt seiner Frau, den Kindern und dem VfB mit dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle einen Überraschungsauftritt: Musicalstar Kevin Tarte , der bald zu „Tanz der Vampire“ zurückkehrt, singt betörend.

Der Gedenkabend (moderiert von Alexander „Sandy“ Franke) hat etwas von der Feier einer großen Familie. Man hält eng zusammen! Tochter Marion Mayer-Vorfelder erinnert in ihrer Rede sehr anrührend an ihren Vater. „Er war meist weg, aber trotzdem für uns immer da“, sagt sie. Ihr Vater habe polarisiert, weshalb es für sie in der Schule nicht immer leicht gewesen sei. Aber er habe immer „klare Wertvorstellungen“ vorgelebt.

Sein Rat fehlt ihr – auch sein Humor. „Er war sehr lustig!“ Die Tochter, die in der Schweiz lebt und für die Fifa gearbeitet hat, erzählt, wie ihr Vater einmal den letzten Teil einer Klausur fürs Kleine Latinum für sie übersetzt habe. Dies habe sie dem Professor gestanden. In dessen Bewertung stand dann: „Der erste Teil ist befriedigend, Marion, der letzte Teil ist sehr gut, Herr Minister!“

Susanne Eisenmann hat nie gesehen, „wie MV Trollinger trank“

VfB-Präsident Claus Vogt lobt: „MV war ein Paradebeispiel für die Kategorie der echten Macher.“ Er sei „in einer der größten Krisen des Vereins“ 1975 Präsident geworden und habe diesen vom Wiederaufstieg 1977 bis in die 80er „völlig neu aufgestellt“ und den VfB „zur renommierten Adresse im deutschen und europäischen Fußball gemacht“. Schon früh habe MV erkannt, „dass Fußball mehr ist als ein 1:0, dass Fußball mehr kann, dass Fußball eine gewichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt“.

Dass der raffinierte Taktiker und Roth-Händle-Raucher auch den Spitznamen Mayer-Trollinger besaß, versteht die frühere Kultusministerin Susanne Eisenmann nicht. „Ich hab nie gesehen, wie er Trollinger trank“, sagt sie, „er bevorzugte Champagner.“ Als junge Frau in der CDU habe sie viel von ihm gelernt. „In acht von neun Punkten waren wir anderer Meinung“, erinnert sie sich, „ich war nie so konservativ wie er.“ Aber er habe vorgelebt, wie man Rückgrat beweist, wie man sich mit anderen Ansichten fair und ehrlich auseinandersetzt.

So starke Köpfe wie er fehlen, sind sich viele einig. MV ist seinen Weg gegangen – Stuttgart braucht Menschen, die für Widerspruch gut sind und was bewegen. Wie ihn seine Freunde an diesem Abend fröhlich feiern, gefällt ihm bestimmt von ganz oben.

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